Zeit.Gerecht

Wo is des Göd?

Artikel veröffentlicht am 3. Juli 2013
Artikel veröffentlicht am 3. Juli 2013

Wir schreiben das Jahr 2013 und in Frankreich kriselt die Fünfte Republik. In Hubert von Goiserns gesungenen Worten - Francois Hollande "brennt da Huat".

Wäre der französische Präsident der deutschen Sprache und obendrein des österreichischen Dialekts mächtig, so würde er sich wahrscheinlich auch die nächsten Zeilen des Liedes zu Herzen nehmen: "Wo is des Göd, des wos überall fehlt?" Abgesehen davon, dass hinten und vorne das Geld fehlt, das Volk sich an Fragen wie jener der Homo-Ehe aufhängt und François Hollandes Umfragewerte nicht gerade rosig aussehen, legt er sich wieder einmal ein Ei. 

Am 2. Juli kritisierte eine der bekanntesten französischen Politikerinnen, die sozialistische Umweltpolitikerin Delphine Batho, in einem Interview den ausgearbeiteten Staatshaushalt für 2014 und bezeichnete ihn als schlechtHollande will Autorität und Stärke demonstrieren, öffentlich lässt er über Twitter ankündigen, dass er Batho zu einer Aussprache einlade. Die Umweltministerin ist ihren Posten losdie Grünen drohen mit einem Regierungsaustritt und der Front National kündigt lauthals "Regierungschaos" an. Das klingt alles ein wenig nach einem Streit in der Grundschule. Ist es zuviel verlangt in der bereits fünften Republik einen etwas erwachseneren Ton anzuschlagen, wenn ohnehin kein Vertrauen in die Politik existiert?

Bisher war die dritte République Française die am längsten andauerende. An Skandalen und Krisen fehlte es ihr jedoch nicht. Noch im Geburtsjahr 1871 wurde der Aufstand der Pariser Kommune blutig niedergeschlagen, wenige Jahre später drohte der erste Staatsstreich durch den General Boulanger. 1894 wurde der jüdische Offizier Alfred Dreyfus, auf rechtswidrigen Beweisen basierend, dem Landesverrats zugunsten Deutschlands angeklagt. Der Justizirrtum wurde zum innenpolitischen Hauptthema, die Affäre stürzte die junge Republik in eine moralische Krise. Insgesamt brauchte es zwei Weltkriege und eine Weltwirtschaftskrise, bis die Dritte Republik am 10. Juli 1940 endgültig dem Untergang bestimmt war. Wie viel kann ihr große Schwester allerdings noch ertragen? 

Fast täglich schreibt ein neuer Skandal Schlagzeilen, mit der Wirtschaft geht es bergab, die Jugendarbeitslosigkeit in den Vororten liegt bei etwa 40%, der Präsident macht sich von Tag zu Tag unbeliebter. Und das Volk? Das Volk zürnt, das Volk demonstriert, es schämt sich. Und es spaltet sich. Hass gegen Mitbürger flammt auf. Hier gegen Homosexuelle, da gegen Schwarze und dort gegen Moslems. Wo ist die Égalité, wo die Fraternité? Die Grundbausteine wackeln schon...