Youth in Kosovo

Albina, ein Mädchen aus dem Kosovo und ihrer „polnischen Seele“

Artikel veröffentlicht am 20. Januar 2009
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Artikel veröffentlicht am 20. Januar 2009
Mit dem europäischen Freiwilligen Dienst, auch European Voluntary Service oder EVS genannt, können sich junge Europäer zwischen 18 und 30 gegen eine kleine Aufwandsentschädigung mehrere Monate lang im Ausland gemeinnützig engagieren. 2006 haben mehr als 4500 Jugendlichen an diesem Programm teilgenommen, auch auf und aus dem Balkan .

Albina Syla, 25, Albanerin aus dem Kosovo, arbeitete neun Monate lang in einem Zentrum für körperlich und geistlich behinderte Menschen in Wroclaw, Polen. Jetzt ist die junge Frau seit zwei Jahren in ihrem Heimatort zurück und zieht die Bilanz ihrer Zeit im Ausland.

Auch wenn sie nur 25 ist, hat Albina Syla schon Zeit gehabt, einiges von der großen breiten Welt zu entdecken. Nach dem Anglistikstudium arbeitet sie jetzt seit fünf Jahren als Radiomoderatorin in Gjilan, von der serbischen Bevölkerung Gnjilane genannt, einer kleinen kosovarischen Stadt unweit der serbisch-mazedonischen Grenze. Mit dem Europäischen Freiwilligen Dienst (Deutsch EFD, Englisch European Voluntary Service oder EVS) war sie von Dezember bis Juli 2006 in Polen unterwegs. Neun Monate lang wohnte sie in Wroclaw und arbeitete mit körperlich und geistlich behinderten Menschen. Als sie aus dem Ausland zurück in dem Kosovo war, fing sie mit der Arbeit im Radio wieder an und wurde Assistentin in dem Jugendzentrum ihrer Heimatstadt.

Achtung, Cliché !

Mit ihrem kurzen blonden Haar, den blauen Augen und ein paar Piercings im Gesicht entspricht Albina längst nicht das Klischee eines Mädchens aus dem Kosovo, wie es sich manche Westeuropäer vorstellen. Das polnische Abenteuer von Albina fing an, als sie vor ein paar Jahren im Jugendzentrum von Gjilan von dem Europäischen Freiwilligen Dienst hörte. Ihre Entscheidung, für länger ins Ausland zu gehen, war für ihre Familie und Freunde am Anfang schwer nachvollziehbar. „Ich wollte wissen, wer ich bin“, erklärt die junge Frau. Ursprünglich wollte sie nach England, aber wegen Passschwierigkeiten entschied sie sich letztendlich für Polen. „Ich hatte Interesse an dem Projekt in Polen“, sagt sie. „Ich wollte wissen, ob ich in der Lage war, ohne meine Eltern, meinen Bruder und meine Freunde zu leben“, erzählt Albina.

 “Ich habe mich in diesem Job verliebt” Neun Monate lang arbeite Albina täglich von 8 Uhr morgens bis 3 Uhr nachmittags in einem Zentrum namens Ostoja. In diesem Zentrum konnten sich Erwachsen mit Behinderung auf einem Beruf vorbereiten, zum Beispiel in der Gastronomie. Albina hatte jeden Tag mit einer Gruppe von fünf Patienten zu tun, die unter Schizophrenie, Hyperaktivität, Autismus oder Epilepsie litten. „Am Anfang war es sehr schwierig“, erinnert sich Albina. Allmählich lernte sie doch, wie sie mit den Patienten umgehen sollte, verlor ihre Ängste und fand viel Spaß an der Arbeit. „Ich habe mich in diesem Job verliebt“, sagt Albina. „Ich habe meinen Job im Radio vermisst, aber ich war zufrieden, diese Menschen helfen zu können“, erkennt sie heute.

In Wroclaw teilte Albina ein Haus mit anderen Freiwilligen aus ganz Europa, die im gleichen Zentrum arbeiteten. „Ich habe Glück gehabt, zu Hause mit so vielen Kulturen in Berührung zu kommen. Ich habe dabei eine Menge gelernt“, sagt sie. So konnte Albina nicht nur die polnischen Sitten kennenlernen. Auch die spanische, deutsche, mazedonische, bosnische und ukrainische Gewohnheiten und Lebensarten lernte sie schätzen. Zu ihren „Freunden aus Polen“ pflegt sie heute noch den Kontakt, sowie zu den Familien von ehemaligen Besucher des Zentrums.

 In Tandem lernen

Als sie in Polen ankam, kommunizierte Albina auf Englisch und Serbisch. Dann fand die junge Frau einen Tandempartner, um Polnisch zu lernen. Ein paar Stunden lang sprach sie nur noch polnisch, während ihr Tandempartner sie verbesserte, und umgekehrt. Mit dieser Abmachung gingen ihre Sprachkenntnisse schnell voran. „Nach einem Monat konnte ich verstehen, was die Leute sagten, auch wenn ich nicht immer in der Lage war, zurückzuantworten“, erinnert sie sich. So konnte sie die kleinen sprachlichen Missverständnisse der Anfänge schnell vermeiden. Auch ihr Serbisch und ihr Polnisch konnte Albina in Polen deutlich verbessern.

Der europäische Freiwilligendienst hat mir viel mitgegeben, dass mich stärker gemacht hat“, sagt sie jetzt, zwei Jahren nach ihrem Rückkehr. Immer noch klingt sie von ihrer Erfahrung in Polen sehr begeistert. Jetzt überlegt die junge Frau, vielleicht in einem Behindertenzentrum im Kosovo ein paar Tage die Woche auszuhelfen. Nach Polen sehnt sie sich immer noch. „Ich denke, dass ich eines Tages zurückkehren werde. Ich bin für Polen geboren!“ amüsiert sich mit einem Lächeln die „falsch geborene“ Albina.

Margot Reis für LDA Kosovo