Wien

Start-Ups im Portrait: NANAdesign

Artikel veröffentlicht am 25. Februar 2015
Artikel veröffentlicht am 25. Februar 2015

Alexandra Parger hat vor knapp einem Jahr ihr Schmuck Label NANAdesign ins Leben gerufen. Sie war so lieb mir ein paar Fragen zu ihrem Label und dem 3D-Druckverfahren zu beantworten.

Alexandra Parger hat vor knapp einem Jahr ihr Schmuck Label NANAdesign ins Leben gerufen. Sie war so lieb mir ein paar Fragen zu ihrem Label und dem 3D-Druckverfahren zu beantworten.

Du studierst ja Architektur, inwiefern hat dein Studium zu deinen Designertätigkeiten beigetragen?

A: Ich habe im Studium bisher mehrere Dinge gelernt, die mir auch beim Schmuckdesign helfen. Dazu zählt zum Beispiel, dass man den Prozess des Entwerfens kennenlernt, wie man mit Formen, Materialien, Konzepten usw. umgeht, und auch, dass man nicht auf Knopfdruck kreativ sein kann.

Wie kam dann der 3D Druck ins Spiel?

A: Vor einem Jahr habe ich zufällig von einer Veranstaltung im Museumsquartier erfahren, die von der Kreativagentur Microgiants und 3D Hubs organisiert wurde, es war ein sogenanntes 3D Hub Teatime Treffen. Da ich mich schon im Studium mit 3D Modelierung auseinandergesetzt hatte, konnte ich dort einen Einblick in das Druckverfahren gewinnen.

Wo kann man in Wien 3D drucken?

A: Es gibt mehrere internationale Firmen, denen man einen Druckauftrag senden kann. Abgesehen davon haben 3D Hub eine Plattform aufgebaut, auf der sich Privatpersonen, die einen 3D Drucker besitzten registrieren können und die Dienstleistung des Druckens gegen Entgelt anbieten. Das ist ein Vorteil für alle, die sich (noch) keinen Drucker leisten können oder wollen.

Und wieso wolltest du gerade Schmuck machen?

A: Ich habe mir überlegt was ich gerne entwerfe und mich von geometrischen Formen inspirieren lassen. Ich wusste also, es muss etwas Kleines sein (wegen der limitierten Größe der Druckplatte) und es darf nicht zu viel Material verbraucht werden, weil ein 3D Drucker aus Zeitgründen kein Massenproduktionsgerät ist. Und weil ich gerne und sehr viel Schmuck trage war es für mich naheliegend, damit zu beginnen.

Hattest du von Anfang an geplant, den Schmuck zu verkaufen?

A: Am Anfang dachte ich mir, ich drucke ein paar Sachen für mich um den Drucker erst einmal kennenzulernen, dann kam die Nachfrage wie von alleine. Aber es ist gar nicht so einfach perfekte Stücke zu drucken.

Achso, was gibt es denn für Probleme? A: Der Drucker macht einfach nicht immer was man will, man muss geduldig sein. Ein Mal ist das Material zu heiß oder die Druckplatte ist nicht korrekt ausgerichtet. Aber das hält mich nicht auf. Ich lerne nicht nur Schmuck zu produzieren, sondern ich lerne das Gerät kennen. Außerdem finde ich es sehr spannend mit Begrenzungen zu arbeiten weil das den Kreativprozess fördern kann.

Wie läuft denn der Prozess von der Idee zum fertigen 3D-gedruckten Schmuck ab?

A: Wenn man die Idee im Kopf hat designt man das Objekt im 2D bzw. 3D Programm (z.B. SketchUp oder Rhino 3D). Die abgespeicherte STL Datei lädt man in Cura hinein. Diese Software, die  zum 3D Drucker gehört, zeigt mir mögliche Problemstellen und Einstellungen, wie die Dicke der Schichten, die Schnelligkeit und die Füllung. In meinem Fall speichere ich Datei als „gcode“ auf einer Speicherkarte ab und stecke diese am Drucker an.

Erst jetzt fängt der eigentliche Druckprozess an. Es gibt verschiedene Arten von Druckern. Am bekanntesten sind der Pulverdrucker, mit dem man vor allem feine Teile und Überhänge gut drucken kann und der Schichtdrucker, der Ebene für Ebene aufeinander schmilzt. Dieser Vorgang kann sehr lange dauern, vor allem wenn man wie ich mit so dünnen Schichten (0,03mm) arbeitet.

Und wann kommt das Material ins Spiel?

A: Als Erstes heizt man den Drucker auf und stellt die Platte ein. Jetzt kommt das Material dazu. Ich verwende sogenannte PLA Filamente, die wie dünne Kabel aussehen.

Was genau bietet die Produktpalette von NANAdesign?

A: Ich mache Ketten, Ringe und Broschen. Das Prinzip bei den Broschen ist ähnlich dem einer Büroklammer. Der Stoff des Kleidungsstückes wird in eine, in die Brosche integrierte Form eingeschoben und „steckt“ dann sozusagen am Kragen der Kleidung. Meine Idee war es, etwas zu Entwerfen bei dem die Befestigung schon integriert ist, die Funktion also gleich der Form folgt – da kommt die Architektin ein bisschen durch.

 

Und ein kleines Non – 3D Druck Projekt gibt’s ja auch noch?

A: Ja genau, ich war in China und habe mich am Insektenmarkt in Shanghai in winzige Porzellantellerchen verliebt, die von Omas am Straßenrand, mit Blumen oder Chinesischen Zeichen, handbemalt werden. Diese Tellerchen sind tatsächlich Fressnäpfe für Grillen, die sich die Chinesen als Glücksbringer zu Hause halten. Aus Diesen habe ich süße Ringe und Armbänder gemacht.

In der Vorweihnachtszeit warst du auf vielen Märkten um deinen Schmuck zu verkaufen. Was sind deine Erfahrungen?

A: Ich war hauptsächich auf kleineren Märkten, da dort die Standgebühren nicht so hoch sind. Ohne Budget und mit harter Konkurrenz ist es gar nicht so einfach die Materialkosten und die Standgebühr zu decken, meine Arbeitszeit habe ich noch gar nicht einberechnet. 

Was ich auf den Märkten in Erfahrung bringen konnte war, dass Holz, Gold oder Silberschmuck beliebter und wertvoller angesehen wird. Deshalb versuche ich auch immer, viel über das Druckverfahren zu erzählen, damit die Leute auch den Arbeitsprozess dahinter verstehen können.

Ich habe gelesen dass du mittlerweile auch schon 3D Workshops gegeben hast!

A: Ja genau, Microgiants haben das Vienna Open Festival organisiert. Dabei ging  es um post – digitale Strategien und eine offene Gesellschaft und Kreativwirtschaft. In diesem Rahmen durfte ich einen Workshop zu dem Thema 3D Druck für den Hausgebrauch halten. Also inwiefern man 3D-gedruckte Objekte und Drucker im Alltag im Haushalt einsetzen könnte. Wir haben unter anderem eine Zitronenpresse gedruckt und ausprobiert – sie hat funktionert!

Welche Projekte stehen in nächster Zeit an?

A: Ich wurde mit meiner Brosche durch ein Wettbewerb ausgewählt bei dem Pilotprojekt „Ideas to Products“ von HappyLab dabei zu sein. Es ist ein Workshop- und Coachingprogramm, das 10 DesignerInnen, Maker und kreative HandwerkerInnen von Jänner bis Mai 2015 in mehreren Etappen unterstützt, ihre Produktideen fit für eine Kleinserienproduktion zu machen. Vielleicht probiere ich ein anderes Verfahren, als den 3D Druck aus. Man muss sich weiterentwickeln können und zulassen, dass sich ein Produkt verändert und sich nicht an der Anfangsidee verkrampfen.

Man darf gespannt sein!

NanaDesign am Mondscheinbazar, am 28.2.2015.

NanaDesign auf Facebook.