Wien

Im paradiesischen Garten der Lüste

Artikel veröffentlicht am 1. Juni 2014
Artikel veröffentlicht am 1. Juni 2014

Für eine Nacht ver­wan­delt sich das Wie­ner Rat­haus zum Schauplatz eines bun­ten Spek­ta­kels vol­ler Ex­tra­va­ganz und Gla­mour. Für den Life­ball gilt: Kein Out­fit ist zu ge­wagt. Denn auf der welt­weit größ­ten Cha­ri­ty-Par­ty wird ein laut­star­kes Zei­chen für den Kampf gegen AIDS ge­setzt. Aus­ge­las­sen und vol­ler Krea­ti­vi­tät wird das Leben ge­fei­ert.

Blumen, Schlangen, rote Äpfel, nackte Haut – der Wiener Rathausplatz verwandelt sich am 31. Mai in den Garten Eden. Denn es ist wieder Zeit für den Lifeball, mit dem diesjährigen Motto „Garten der Lüste“. Schon zum 22. Mal ist Wien Schauplatz dieser weltweit größten Charity-Party im Kampf gegen Aids. Zu diesem Anlass wird die Wiener Balltradition mit einer großen Portion Extravaganz, Glamour und Pompösität gemischt. Und nicht nur die Ballbesucher zelebrieren die paradiesische Sünde für den guten Zweck. Viele tausend Wiener und Wienerinnen versammelten sich, wie jedes Jahr am Rathausplatz, um die Eröffnungszeremonie kostenlos mitzuerleben.

„Ich find das Schauspiel echt imposant. Das taugt mir. Abgesehen davon ist das Thema, das dahinter steht wirklich wichtig - Toleranz, der Kampf gegen Aids. Wenn man das so unterstützen kann, auf eine Weise, die Spaß macht, ist das was Tolles!“ sagt Florian, der im Publikum am Rathaushausplatz steht.                                                                              Unter die tausenden Besucher und Besucherinnen des bunten Spektakels mischen sich jedes Jahr viele Prominente. Ein Fixpunkt ist der Lifeball etwa im Kalender von Bill Clinton, für dessen William J. Clinton Foundation jedes Jahr eine hohe Summe gesammelt wird. Dieses Jahr spazierten außerdem Ricky Martin, Courtney Love, Marcia Cross, Kesha, Vivienna Westwood und viele andere über den roten Teppich.

Als der Lifeball 1993 das erste Mal stattfand, wurde Aids in der Öffentlichkeit noch als die unheilbare Schwulenkrankheit gesehen, über die man nicht spricht. Verständnis für die Krankheit gab es wenig. Die Situation hat sich mittlerweile zwar etwas verändert. Doch immer noch sind Homophobie und Unverständnis ein großes Thema.                                                                 „Das Wort Toleranz ist extrem überstrapaziert worden in den letzten Wochen. Es geht gar nicht um Toleranz. Es geht darum, dass wir akzeptieren, dass wir alle unterschiedlich sind. Jeder einzelne ist ein Unikat…Willkommen im Garten der Vielfältigkeit!“ sagt Gery Keszler, Gründer und Organisator des Lifeballs bei seiner Eröffnungsrede.  

Im Vorfeld des Balles hat es bereits viel Diskussion zu dem Thema gegeben – einerseits wegen dem großen Erfolg von Conchita Wurst beim Eurovision Songcontest und andererseits wegen den Werbeplakaten, auf denen das Transgender-Model Carmen Carerra abgebildet ist, inspiriert von dem Triptychen „Der Garten der Lüste“ von Hieronymus Bosch. 

In der Diskussion über die Plakate scheiden sich die Geister. „Firstly I thought what children would think about it. And how their parents would explain,” sagt Marinella, eine Besucherin am Rathausplatz. Mit diesem Gedanken ist sie nicht allein. Das Argument wurde in der Diskussion über das Plakat oft gebracht. Simone, die sich ebenfalls die Eröffnung ansieht, ist anderer Meinung: „Man sollte viel öfter mit den alten Rollenbildern brechen. Wir leben jetzt im 21. Jahrhundert und es sollte eigentlich akzeptiert sein, dass es abseits der Norm noch viel anderes gibt. Aber das ist es leider nicht.“