Wien

#1 Youth Migration Life Stories - We want to do something! We can do something!

Artikel veröffentlicht am 1. Februar 2013
Artikel veröffentlicht am 1. Februar 2013
Alicia Prager Halbzerfallen steht ein Zelt im Schnee vor der Votivkirche in Wien. Es ist das einzige Anzeichen darauf, was in der Kirche seit Mitte Dezember vor sich geht. Wüsste man nichts von dem Protest und dem Hungerstreik der Asylwerber, würde man vermutlich nichts außer einer Baustelle um die Votivkirche herum sehen.
Das Tor ist verschlossen – nur zu Messzeiten ist die Kirche für Besucher zugänglich. Seit nun schon mehr als einem Monat, leben etwa vierzig Menschen in der Votivkirche. Sie demonstrieren für bessere Lebensbedingungen von Asylwerbern in Österreich.

Angefangen hat das Ganze mit einem Marsch von dem Flüchtlingsheim Traiskirchen nach Wien am 24. November. Damals schlugen die Protestierenden ihre Zelte im Sigmund-Freud-Park auf, der direkt vor der Votivkirche liegt. 6 Wochen lang durften sie bleiben. Als die Polizei das Camp räumte, suchten die Asylwerber Schutz in die Votivkirche, wo sie heute noch immer sind.

“We want to do something! We can do something!” sagt der pakistanische Asylwerber Khan Adalat in einem Interview vom 12.Jänner. Der 47-Jährige bezeichnet sich als politischen Aktivisten und betont, dass er nicht sein Leben lang tatenlos herumsitzen kann: „Viele hier sind nicht älter als 20. Da will man doch Spaß haben und nicht in dieser sehr tristen Umgebung zu sitzen!“ Er möchte arbeiten dürfen. Doch bekommen Asylwerber in Österreich keine Arbeitsbewilligung. Manche warten schon seit etwa 10 Jahren auf Asyl. Ihr Leben können sie seitdem nicht selbst gestalten. Nicht einmal ihren Aufenthaltsort dürfen sie frei wählen.

Die Kombination aus Hungerstreik und Kälte machen den Menschen zu schaffen. Sie schlafen die meiste Zeit, um mit der Erschöpfung fertig zu werden. Einige freiwillige Sanitäter der Johanniter und die Caritas sind vor Ort. Sie versuchen für die Gesundheit der Asylanten zu sorgen. Was fordern die Protestierenden konkret?

Grundversorgung für alle Asylwerber. Freie Wahl des Aufenthalts und keine unfreiwilligen Transfers. Zugang zum Arbeitsmarkt, zu Bildung und Sozialversicherung. Anerkennung von sozioökonomischen Fluchtmotiven neben den bisher anerkannten Fluchtgründen

Von Seiten der Politik kommt nur von den Grünen Unterstützung. So nennt Werner-Lobo, Landtagsabgeordneter der Grünen den Hungerstreik einen Ausdruck von Verzweiflung: "Das sollte zu denken geben im reichen Land Österreich!"

Innenministerin Mikl-Leitner traf sich vor zwei Wochen das erste Mal mit den Vertretern der Flüchtlinge in der Votivkirche. Jedoch hielt sie fest: Es werde keine Änderungen in der Struktur des österreichischen Asylwesens geben. Wirtschaftliche Gründe für Asylansuchen würden auch in Zukunft nicht anerkannt werden und auch ein Stopp von Abschiebungen stehe nicht zur Diskussion.

Die Flüchtlinge kündigten an, bis zur Erfüllung ihrer Forderungen in der Kirche zu verharren.

Mehr dazu ist unter http://refugeecampvienna.noblogs.org/ zu lesen. Hier finden sich aktuelle Informationen zu den Protesten auf Deutsch, Englisch, Französisch Italienisch und Spanisch.