Sevilla

Gengenüber

Artikel veröffentlicht am 10. November 2007
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Artikel veröffentlicht am 10. November 2007
Deutschland / 2007 : Jam Bonny Regie : Jam Bonny y Christina Ebelt Drehbuch : Bettina Brokemper y Andrea Hanke (Heimatfilms WDR) Darsteller: Georg (Matthias Brandt) & Anne (Victoria Trauttmansdorff) Produktion Eine gestörte Gesellschaft Nichts ist normal als uns Jam Bonny, Newcomer aus Köln, in sein Erstlingswerk „Gegenüber“ in das Geflecht des für die Gesellschaft augenscheinlich perfekten
Alltagslebens von dem Ehepaar Georg und Anne einführt. Er ist Polizist und eher ein lässiger Charakter. Sie ist Lehrerin und braucht und gibt Zuneigung. Die Probleme ihrer Beziehung verwandeln sich in störende Trugbilder zwischen ihnen: Ihre Gefühle für ihn verschwinden und Gewalt dient ihr als Ventil zum Druckablassen. Er steht der Gewalt seiner Frau gelassen gegenüber und tut so, als ob dies alles nicht so schlimm sei.

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Mit einem ausgeklügelten Drehbuch und einer detaillierten Beschreibung der Hauptdarsteller liefert Jam Bonny eine Geschichte, die in Realität viel öfter existiert als es scheint: Die Gewalt der Frau gegen den Mann. Die Gewalt ist der Mittelpunkt des Films um den sich die ganze Geschichte dreht, doch „Gegenüber“ handelt auch von der Unfähigkeit zu kommunizieren, der Schwierigkeit des Zusammenlebens, der emotionalen Abhängigkeit, der Einsamkeit, dem Verlangen nach sozialer Anerkennung der Frau, der Anpassung der sozialen Mittelschicht und den sozialen Konventionen. Die Darstellung von Victoria Trauttmansdorff (Anne) und Matthias Brandt (Georg) sind mit einer intimen Spannung geladen, die am Rande der emotionalen Grenzen steht, die den Zuschauer einlädt, sich den Personen anzunähern ohne sie als Opfer oder Henker zu verurteilen. Der Regisseur sagt selbst auf einer Pressekonferenz, dass er nicht die Absicht hat, diese Unterscheidung vorzunehmen. „Zwischen Opfer und Täter zu unterscheiden wäre ein falsches Mittel wenn man vorgibt zu verstehen, was wirklich passiert.“ Der Film handelt von „zwei Personen, die sich selbst suchen, alleine, mit ihrer Angst und ihrem Wunsch“.

Concha Hierro del Hoyo

Übersetzt von

Björn Gillmann