Politik

Warum weniger als 2% unserer Abgeordneten unter 30 sind

Artikel veröffentlicht am 13. Dezember 2016
Artikel veröffentlicht am 13. Dezember 2016

51% der Weltbevölkerung sind unter 30, aber nur 2% aller Abgeordneten gehören dieser Altersgruppe an. Wir sind den Zahlen auf den Grund gegangen und haben herausgefunden, dass wir uns in einem Teufelskreis befinden. Wir sprachen also mit zwei jungen Abgeordneten, um Lösungen zu finden. 

„Es handelt sich um einen selbsttragenden Prozess", sagt Benjamin Fearn, der sich bereits im Alter von 19 Jahren für den Stadtrat in Manchester aufstellen ließ und mit nur 21 Jahren zum Abgeordneten seines Wahlkreises, Derbyshire Dales, gewählt wurde: „Es gibt nicht genug junge Leute, die sich politisch engagieren sich. Politiker denken nicht an die Bedürfnisse der Jugend, weil diese nicht wählen geht, und die Jugend wählt nicht, weil Politiker nicht an sie denken." 

Das Gefühl der Unterräpresentierung ist einer der Hauptgründe für die erstaunlich niedrige Anzahl der jungen Leute in der Politik. Wenn Politiker ihre Projekte auch an jüngere Generationen richten würden, wären diese motivierter, die Politiker auch zu wählen. Aber da genau dies nicht geschieht und die Mehrheit der Abgeordneten deutlich über 30 Jahre alt ist, wird die junge Generation abgehängt und läuft Gefahr, sich von der Politik komplett zu distanzieren, aus dem Gefühl, dass in der Politik kein Platz für die Jugend ist. 

Dieses Szenario könnte ganz einfach verhindert werden, indem man Politik zugänglicher macht und sie in den Alltag der Menschen integriert, schon von klein an. Laut Benjamin sollte die Politik in die Bildung miteinbezogen werden: „[Politik] sollte in der Schule besser unterrichtet werden. Als ich zur Schule ging, haben wir nie darüber gesprochen. Ich wurde erst durch den Geschichtsunterricht darauf aufmerksam. Politik sollte pro Woche eine Stunde lang unterrichtet werden, damit junge Leute verstehen, worum es geht. Wenn man sich nicht nach der Schule damit beschäftigt, weiß man nicht, was Politik bedeutet. Da kann man die Jugend nicht für verantwortlich machen." Selbst wenn einige Schulen in Großbritanien das Schulfach Bürgerschaft eingeführt haben, so fürchten sich doch viele Lehrer davor, in der Klasse voreingenommen zu wirken. 

Aber leider ist dies nur eine Seite der Medaille, denn selbst wenn junge Leute erste Hürden meistern und sich in der Politik engagieren, werden sie wegen ihres Alters oft diskriminiert: Werner Latournald ist 27 Jahre alt und kandidiert momentan für die 577 Partei in Frankreich. Er wird regelmäßig auf sein junges Alter angesprochen. Als er gefragt wird, ob er sich jemals wegen seines Alters diskriminiert fühle, antwortet er: „Jeden Tag, das versichere ich Ihnen. Vom Bänker, der mein Wahlkampfkonto eröffnet, von den Menschen, mit denen ich über meine politischen Projekte spreche, von Spendern. Ständig erwähnen sie mein Alter, als ob es sich um eine Störung handle... Aber wenn wir eine echte repräsentative Demokratie sein wollen, dann müssen auch junge Leute in der Nationalversammlung sitzen."

via Giphy

Der fürchterlich kleine Anteil junger Politiker zeugt nicht nur von der Abneidung junger Menschen gegenüber der Politik, sondern auch von den Vorurteilen der Älteren gegenüber jungen Abgeordneten. Alles beginnt mit Bildung. Dort sollte man ermuntert werden, sich politisch zu engagieren. Wenn der typische Politiker noch immer ein (weißer) Mann Mitte 50 ist, dann ist es an der Zeit, dieses Bild zu ändern. 

Nehmen wir mal Mhairi Black, das „Baby aus dem britischen Unterhaus" und jüngstes Mitglied des Parlaments. Sie räpresentiert ihren Wahlkreis, Paisley and Refrewshire South, bereits seit sie 20 ist - nur zwei Jahre nachdem sie das Wahlrecht bekam. Und sie steht zu ihrer Rolle. Eine junge (weibliche) Person wie Mhairi Black in der Politik zu sehen, hat einen Dominoeffekt und wird andere junge Menschen ermuntern, ihre Meinung zu äußern und das Vorurteil des alten, weißen, männlichen Abgeordneten vernichten.