Politik

Wahlen in Großbritanien: Top of the Flops

Artikel veröffentlicht am 9. Juni 2017
Artikel veröffentlicht am 9. Juni 2017

Die Wahlen in Großbritanien, die ganz Europa gespannt verfolgte, fühlen sich an wie ein Riesen-Flop. Die amtierende Premierministerin Theresa May verlor ihre Wette und die konservative Partei ihre Mehrheit im Unterhaus. Labour erlebte dagegen einen unerwarteten Durchbruch. Die politische Zukunft des Vereinigten Königreichs scheint schwammig, der Brexit nun doch wieder 'softer'. 

Die britischen Conservatives, die Partei von Premierministerin Theresa May, haben ihre Wette verloren. Eigentlich wollten sie ja mit den vorgezogenen Parlamentswahlen am 8. Juni ihre Politik eines 'Hard Brexit' vom britischen Volk nochmals legitimieren lassen. Aber auch wenn die Konservativen mehr als 42% der Sitze im britischen Unterhaus gewannen und damit stärkste Kraft im Land wurden, steht das Land vor einem politischen Chaos.

Einige würden sagen, dass dies an der schlechten Leitung von Theresa May liegt. Aber wer hätte gedacht, dass die Arbeiterpartei gleichzeitig so stark aufholt? Vor Beginn der Streitigkeiten war Labour saft- und kraftlos, nun erreichten sie unerwartet fast 40% der Sitze im Parlament und verbesserten ihr Ergebnis von 2015 um 9,5%. Jeremy Corbyn, der Parteichef von Labour, ist immer wieder für Überraschungen gut. Der gelassene Vegetarier, der an einen Erdkunde-Lehrer erinnert, hat genau dort gepunktet, wo Theresa May ein bisschen Nachhilfe nötig hätte: Fernseh-Debatten, Interviews mit Journalisten, Versammlungen etc.

Die Entscheidung der Briten zu erklären, fällt trotzdem schwer. Auch weil es gefährlich wäre, jetzt schon über die politische Zukunft Großbritaniens zu spekulieren. Bleibt das, was wir zu diesem Zeitpunkt bereits wissen: nach dem Wahldebakel war zunächst die Rede von einem sogenannten 'Hung Parliament' (einem gehängten Parlament), da die Konservativen keine abolute Mehrheit im Parlament holen konnten. Theresa May entschied sich deshalb für eine Koalition mit der nordirischen Democratic Unionist Party (PUD), deren zehn Sitze den Konservativen die absolute Mehrheit sichern. Die britischen Unterhauswahlen endeten also in einer Minderheitsregierung, die es wohl nicht leicht haben wird, eine starke Position in den Brexit-Verhandlungen zu vertreten. Abwarten und Tee trinken.

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