Politik

Solúcar: Sonnige Aussichten auf dem Energiemarkt

Artikel veröffentlicht am 21. Juli 2008
Artikel veröffentlicht am 21. Juli 2008
Wenn es einen Platz in Europa gibt, an dem die Sonne mit all ihrer Intensität scheint, dann ist das mit durchschnittlich 3000 Sonnenstunden pro Jahr wohl Andalusien. Durch diesen Vorteil kann sich die spanische Region zu den Pionieren einer "dritten ökonomischen Revolution" zählen.

"Eine dritte, ökonomische Revolution steht uns bevor, eine Revolution, die nach der industriellen und der technologischen darin bestehen wird, erneuerbare Energie zu produzieren", so die hochtrabenden Worte des spanischen Präsidenten José Luis Rodríguez Zapatero während seines Besuches der Solúcar-Förderanlage im Jahr 2007. Dieses Projekt mit Sitz in Salúncar la Mayor (18 Kilometer von Sevilla entfernt) ist eine der ehrgeizigsten Solaranlagen weltweit - Spaniens ganzer Stolz im Bereich erneuerbarer Energien.

Wegen der enormen Installations- und Instandhaltungskosten von Solaranlagen werden diese als effiziente Alternative zu anderen Energiegewinnungsanlagen immer wieder in Frage gestellt. Zapatero verteidigt die Investition in die Zukunft jedoch tapfer: "Mittelfristig werden jene Länder Gewinner sein, die sich von Atomenergie trennen und sich mit Solarenergie auseinandersetzen." Nicolas Sarkozy und Gordon Brown mögen da anderer Meinung sein. Spanien bereitet sich jedoch auf seine Energie-Revolution vor, kauft jedoch gleichzeitig Energie aus den Nuklearanlagen des französischen Nachbarn.

Andalusien, Land der Sonne

Die Suche nach Lösungen gegen den Klimawandel hat zahlreiche Initiativen hervorgebracht, die nicht nur saubere Energie produzieren wollen, sondern auch als lukrative Businessmodelle glänzen wollen. Laut einer Studie des Centro de Referencia del Instituto Sindical de Trabajo, Ambiente y Salud (ISTAS) über erneuerbare Energie schufen diese Firmen insgesamt 188.682 im Energiesektor. Die Branche der erneuerbaren Energien in Spanien ist kaum zu bremsen. In den letzten vier Jahren konnte der Bereich eine Wachstumsrate von 50 Prozent ausweisen.

Die Förderanlage Solúcar zum Beispiel wurde am 30. März 2007 eröffnet. Die andalusische Regierung steckte 3,7 Millionen Euro in die Firma Abengoa, um das Vorhaben voranzutreiben. Allerdings deckte dieser Betrag nur 0,31 Prozent der Gesamtkosten, die sich auf die stolze Zahl von 1,2 Milliarden Euro beliefen. Aber auch die europäische Kommission spritzte Finanzen in das Projekt. Geschäftspartner ist unter anderem die französische Firma Saint-Gobain, die auf die Flach- und Spiegelglasproduktion spezialisiert ist.

Abengoa ist die größte andalusische Firma an der Börse und Teil des Börsenindex Ibex 35, der sich aus den umsatzstärksten spanischen Firmen zusammensetzt. Die Förderanlage  gilt als Juwel im Solar-Sektor mit Ablegern in den USA, Algerien und Marokko.

Licht für Köln und Brüssel

Bis 2013 wird die Solúcar-Anlage nicht komplett ausgelastet sein. Man geht davon aus, dass die Anlage eines Tages Energie für rund 150.000 Haushalte produzieren wird. Dies würde der Energieversorgung von Sevilla, Toulouse oder Köln entsprechen. Dank einer Jahresleistung von 300 Megawatt könnte jährlich die Emission von 185.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid verhindert werden. Die gigantische Installation soll sich über 800 Hektar erstrecken.

©afloresm/flickr

Aktuell sind zwei der fünf Werke in Betrieb: Sevilla PV, die größte Photovoltaik-Anlage der Welt und PS10, das über die so genannte Turmtechnologie läuft. Dabei richten sich mehrere Heliostate oder mobile Spiegelreflektoren nach der Sonne und konzentrieren die Strahlen in 600-facher Intensivierung auf einem Empfänger am oberen Ende des Turms - eine Landschaft wie aus einem Science-Fiction Roman.

Langfristige Arbeitsplätze

Die Förderanlage Solúcar hat nicht nur den Sektor der erneuerbaren Energie in Spanien revolutioniert, sondern in der gesamten Region für Aufschwung gesorgt. Juan Escámez Luque, Bürgermeister von Sanlúcar la Mayor, ist zufrieden. Die Anlage habe sowohl während als auch nach der Konstruktion mehr als 500 Arbeitsplätze geschaffen. Die Niederlassung von Abengoa in der Region sei ebenfalls ein Segen gewesen: "Wir können nun im Bereich der Solarenergie auf internationalem Niveau mithalten", sagt Luque zufrieden. Die auf der Solarfarm Solúcar produzierte Energie verteilt sich auf das gesamte spanische Energienetz.