Politik

Schrille 'Mosquitos' gegen lungernde Teenager

Artikel veröffentlicht am 12. Juni 2008
Artikel veröffentlicht am 12. Juni 2008
Der europäische Kommissar für Schulwesen und Kultur Jan Figel bekräftigte am 22. Mai das Verbot von elektronischen Geräten, die das 'Herumlungern' junger Leute durch das Entsenden von schrillen und nur von Teenagern hörbaren Tönen unterbinden soll.

Mit 25 Jahren kann man den schrillen Ton schon gar nicht mehr hören. Und zunächst sollte er auch nur Ungeziefer vertreiben. Doch seit Januar 2006 bereits wird das elektronische Gerät mit dem Insektennamen, das sich in Frequenzbereichen von bis zu 16.000 Hertz bewegt, die nur Jugendliche wahrnehmen können, auch speziell gegen 'antisoziale' britische Teenager eingesetzt. Mehr als 5.000 Störgeräuschsender wurden bereits in Großbritannien verkauft. Etwas 3.500 sind in Gebrauch. Und auch in Belgien, Frankreich, Deutschland und der Schweiz findet der 'Teenager-Mosquito' immer mehr Anhänger.

Rechtsleerer Insektenraumen

©El Inglés/flickrDie 'Mosquito-Technik' verstößt gegen eine Reihe internationaler und EU-geschützter Menschenrechte. So unter anderem das Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens, das Verbot der Diskriminierung, das Recht auf Unversehrtheit und Menschenwürde oder die Versammlungs- und Bewegungsfreiheit. Der britische Children’s Commissioner und Kopf der 'Buzz-off'-Kampagne Sir Al-Aynsley-Green rief die britische Regierung bei der Tagung des Bildungs-, Jugend- und Kulturausschusses in Brüssel dazu auf, die 'Mosquitos' bis zum 20.Mai endgültig zu verbieten. "Diese Geräte sind eine eindeutige Botschaft unserer Gesellschaft. Damit vermitteln wir den Eindruck, dass wir unsere Kinder und Jugendlichen sowie deren Rechte in unserer Gesellschaft weder akzeptieren noch wertschätzen. Das muss sich schleunigst ändern."

"Ich hoffe, dass dieses Gerät verboten wird, egal welche rechtlichen Maßnahmen dafür notwendig sind", erklärte die französische Gesundheitsministerin Roselyne Bachelot am 9.April in der konservativen Tageszeitung Le Figaro. Die hohen Frequenzen könnten Spätfolgen für das Gehör nach sich ziehen, die bisher noch nicht absehbar sind, ergänzte eine Gruppe Abgeordneter der Europäischen Kommission unter der Führung des Niederländers und Vizepräsidenten der Europäischen Sozialdemokraten Jan Marinus Wiersma. Deren am 13.Mai veröffentlichte Erklärung ruft die EU dazu auf, den Verkauf und Gebrauch des 'Mosquitos' mit sofortiger Wirkung zu unterbinden. Unterschreiben die Hälfte der 732 Abgeordneten des Europaparlamentes diese Erklärung, wird ein Verbot für diese Geräte verabschiedet.

Anti-Teen

©Gerlad Yuvallos/flickrDie Mosquito-Technik verbreitet zudem ein negatives Bild junger Menschen. Allzu oft erwecken Berichte in den Medien den Eindruck, dass Teenager potentielle Störenfriede sind. Keiner Gesellschaftsgruppe sollte untersagt werden, sich an öffentlichen Plätzen zu treffen. In diesem Sinne haben auch die sozialistische und kommunistische Partei in Frankreich ihre Regierung dazu aufgefordert, den Verkauf des '‚Mosquito' zu verbieten. 

In der Ausgabe des Nouvel Observateur vom 2. April drückte auch die französische Ministerin für Wohnungs- und Städtebau, Christine Boutin, ihre Beunruhigung über die Entwicklung aus. "Unsere Gesellschaft stigmatisiert und schließt junge Leute systematisch aus. Die Lebensqualität aller muss zur Priorität werden, ohne fragwürdige Methoden anzuwenden und die Öffentlichkeit auszuschließen." Im Verfassungsstaat sollte der Bürger die Fragen des öffentlichen Lebens regeln. Junge Menschen sollten bei gemeinschaftlichen Lösungen gegen antisoziales Verhalten ein Mitspracherecht haben. 

EU im Mosquito-Netz

Die 27 EU-Mitgliedstaaten zeigen sich angesichts der Tatsache, dass der Gebrauch dieser Abschreck-Apparatur als 'anti-jugendlich' wahrgenommen wird, besorgt. Doch Großbritannien ging mit der neuen Technik eher tolerant um. Frankreich, Belgien und die Niederlande kritisierten den Gebrauch, sind jedoch zögerlich hinsichtlich einer rechtlichen Regelung. Eine Reihe von Jugend- und zivilgesellschaftlichen Organisationen haben ihrerseits Anti-Mosquito-Kampagnen im Sinne eines europaweiten Verbotes auf den Weg gebracht. Auch Rat und Kommission sollten auf das Boot aufspringen, bevor sich der Mosquito über die Teenager in ganz Europa hermacht.