Politik

Schottlands Unabhängigkeit: Halt Dich raus Cameron

Artikel veröffentlicht am 11. Januar 2012
Artikel veröffentlicht am 11. Januar 2012
Am 9. Januar hat sich der britische Premierminister David Cameron allerlei Ärger eingehandelt, indem er die Schotten abgemahnt hat, sich mit ihrem Referendum zur Unabhängigkeit doch gefälligst ein wenig zu sputen. Jetzt hat das schottische Parlament bekanntgegeben, dass der Termin für den Herbst 2014 steht.
'Haud yer weesht' sagt eine Schottin und erklärt, warum sich Cameron in Zukunft am besten raushalten sollte.

Dank des berühmten schottischen Friedenskämpfers Mel Gibson sind die meisten Leute wohl halbwegs auf dem Laufenden über das Konzept der schottischen Unabhängigkeit. Doch wenn es heute um diese Frage geht, hat keiner mehr einen blassen Schimmer, was sich seit Robert the Bruce getan hat. Deshalb folgend eine kurze Politiklektion der aktuelleren Debatte zur schottischen Unabhängigkeit für Dummies: Seit 1999 hat Schottland (ebenso wie Wales und Nordirland) ein dezentralisiertes Parlament. Das funktioniert vergleichsweise so wie die Bundesländer in Deutschland oder in den USA. Wir bekommen Geld aus dem Großbritannien-Topf der Zentralregierung. Wir sind unter anderem verantwortlich für unsere eigene Gesundheitsversorgung und Bildung. Über Verteidigung und Außenpolitik wird aber weiterhin in Westminster entschieden, wo aber natürlich auch schottische Volksvertreter sitzen. Momentan ist die schottische Regierungspartei die SNP oder Schottische Nationalpartei, die es geschafft hat eine haushohe Mehrheit davonzutragen in einem System, das eigentlich kreiert wurde, um solche haushohen Mehrheiten zu verhindern. Die SNP kommt gut an. Und genau diese Regierungspartei will jetzt ein Referendum zur schottischen Unabhängigkeit abhalten.

Denke ich also, dass die Unabhängigkeit kurz bevorsteht? Um absolut ehrlich zu sein: nein! (Einschub: Ich bin Schottin mit einer englischen Mutter und einem irischen Vater. Solltet ihr nach der Antwort eines Nationalisten suchen, schaut Euch lieber anderweitig um). Die überwältigende Popularität der SNP beweist nicht unbedingt, dass die meisten Schotten für die Unabhängigkeit sind. Die Partei konnte ihren Erfolg auch über ihre Sozial- und Umweltpolitik (kostenlose Hochschulausbildung und Atomausstieg, um nur zwei zu nennen) verbuchen und gewann ihre Stimmen durch den simplen Fakt, dass sie nicht Labour oder Conservative ist. Es ist auch wichtig, sich in Erinnerung zu rufen, dass wir mitten in einer Rezession stecken: Die sparsamen Schotten würden in dieser heißen wirtschaftlichen Phase wohl kaum den Alleingang wagen.

Bis jetzt war das Resultat derartiger Gespräche immer ein Mittelweg, entweder bekannt unter dem Namen independence lite [Unabhängigkeit light] oder devolution max [maximale Dezentralisierung]. („Darf es ein bisschen Dezentralisierung max zu ihrem Kulturpatriotismus sein, Sir?“) Diese Art von Mittelweg hat Schottland schon immer eine gewisse Autonomie gewährt, ohne jedoch die Union aufzubrechen. Wie dem auch sei, der britische Premier Cameron will diese halbherzige Option zum Referendum nun ausschließen, ob hopp oder topp sollen die Schotten nun endlich entscheiden. Nur eins ist sicher: Wir sind Schotten, wir mögen es nicht, wenn die Engländer (hüstel, Cameron) uns sagen, was wir tun und lassen sollen.

Foto: (cc)San Diego Shooter/flickr