Politik

Salma Yaqoob: linke Alternative zu Labour

Article published on 30. April 2010
Article published on 30. April 2010
Mit einer Mischung aus Globalisierungskritik, Pazifismus und Umweltschutz punktet die Respect Party im Vorfeld der britischen Parlamentswahlen bei den Wählern und hofft mit Hilfe der bekennenden Muslimin Salma Yaqoob der Labour-Partei am 6. Mai ein Bein stellen zu können.

„Ich bin eine britische Muslimin, aber ich mag es nicht, wenn man mich dazu zwingt, mich als eine solche zu definieren“, sagt Salma Yaqoob, die am 6. Mai 2010 für die linksgerichtete Respect Party bei den in Großbritannien stattfindenden Parlamentswahlen kandidiert.

Bei den im März 2010 abgehaltenen Regionalwahlen in Frankreich gab es einen ähnlichen Fall. Dort stellte sich ebenfalls eine Kopftuch tragende Kandidatin zur Wahl. Die Kandidatur von Ilham Moussaïd für die Liste der neuen antikapitalistischen Partei (Nouveau parti anticapitaliste, NPA) im Departement Vaucluse wurde damals kontrovers in der französischen Presse diskutiert. Die britische Politikerin scheint sich jedoch von ihrer französischen Kollegin zu unterscheiden. Die 39-Jährige trägt den Schleier voller Stolz und rechtfertigt das Tragen des Kopftuchs häufig damit, dass es jeder Frau selbst überlassen sei, ob sie ein Kopftuch tragen möchte oder nicht. Sie würde beispielsweise keinen Anstoß daran nehmen, wenn Frauen sich dagegen entscheiden, ein Kopftuch zu tragen, ganz gleich, ob diese nun in Saudi-Arabien, im Iran, in Afghanistan oder in Großbritannien leben. Außenpolitisch zeigt sich die Politikerin offen propalästinensisch und hat sich als Leiterin der Birminghamer Stop the War Coalition im März für eine Schließung der israelischen Botschaft in London ausgesprochen, womit sie eine Forderung des Vizepräsidenten der Koalition Georges Galloway aufgriff.

Pazifismus, Umweltschutz und Globalisierungskritik

Innenpolitisch bezieht sie ebenfalls klar Stellung. So übte sie in zahlreichen Beiträgen für The Guardian schonungslose Kritik an der seit 1997 regierenden Labour-Partei: „Labour muss sich an die eigene Nase fassen. Die Partei trägt einen großen Teil der Verantwortung für die aktuelle Lage, denn sie hat die Rahmenbedingungen geschaffen, die zu der aktuellen Krise führten.“ Außerdem kritisiert Yaqoob den „neoliberalen“ Konsens, der zwischen den Konservativen, den Liberaldemokraten und der Arbeiterpartei herrscht. Ihr zufolge sollen die Bereiche, in denen der Staat interveniert, ausgeweitet werden: „Es muss massiv in den Wohnungsbau investiert werden, die Steuerbelastung für Besserverdiener muss angehoben werden, damit der Bevölkerungsmehrheit, die unter der Rezession leidet, geholfen werden kann.“ Diese Mischung aus Globalisierungskritik, Pazifismus, Feminismus und Umweltschutz scheint in einigen Wahlkreisen, in denen die Respect Party Basisarbeit betreibt, inzwischen Früchte zu tragen. Das beste Beispiel hierfür ist Birmingham, wo die junge Frau 2006 in den Stadtrat gewählt worden war.

Nächste Station Unterhaus?

Wahlkampf im Boxclub "Frank’s Boxing Gym"2005 musste sich die Mitbegründerin der Respect Party in dem traditionell linksgerichteten Birminghamer Wahlkreis Sparkbrook noch knapp dem Labour-Kandidaten Roger Godsiff geschlagen geben. Ein Jahr später konnte sie jedoch bereits ihren ersten politischen Erfolg erzielen, als sie zur Stadträtin gewählt wurde. In den nun bevorstehenden Parlamentswahlen wird sie es erneut mit dem Labour-Kandidaten Roger Godsiff zu tun bekommen, dessen Unterstützung für die britische Beteiligung am Irak-Krieg sie in ihren Wahlbroschüren scharf kritisiert. Ob sie ihren Wahlkreis, in dem die Arbeitslosenquote deutlich über 10 Prozent liegt, gewinnen kann oder nicht, steht noch in den Sternen. Eines steht jedoch bereits fest: Salma Yaqoob ist eine der wenigen Kandidaten, die das Potential haben, der Labour-Partei die Vorherrschaft im linken Lager streitig zu machen.