Politik

Putin-Liebesromanze zum Valentinstag

Artikel veröffentlicht am 14. Februar 2008
Artikel veröffentlicht am 14. Februar 2008
Kurz vor den Präsidentschaftswahlen zeigt ein russischer Film Putin von seiner romantischen Seite.

Ein Liebespaar schlendert eng umschlungen am Newa-Fluss entlang. Es ist Nacht im kalten Leningrad. Die Klappbrücken öffnen sich, um die großen Schiffe passieren zu lassen. "Wie schön", seufzt die blonde Geliebte. Die Musik plätschert sanft vor sich hin. Die Kamera erhascht das Gesicht des jungen Mannes: Er sieht dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zum Verwechseln ähnlich. Er küsst sie zärtlich - kein Zweifel: Es ist die erste große Liebe, die bald darauf auf eine harte Probe gestellt wird.

Wenige Wochen, bevor Wladimir Putins Amtszeit als Präsident offiziell endet, zeigt der Film Ein Kuss unter Ausschluss der Presse den Noch-Kremlchef aus einer ungekannten Perspektive: Putin, den sanften Helden, der seine eigenen Interessen und die seiner Familie immer hinter denen des Landes zurückgestellt hat.

(Foto: ©DVD LAND & )

Kreml-Idylle

Das Liebesdrama erscheint wie ein romantischer Lobgesang auf den Menschen, den Familienvater und fürsorglichen Ehemann. Der Schauspieler, Andrej Panin, porträtiert den KGB-Mann im Kreml gekonnt: sein aufrechter Gang, der konzentrierte Gesichtsausdruck, die hochgezogenen Augenbrauen. Auch die weibliche Hauptdarstellerin, Darja Michailowa, ist der russischen First Lady, Ludmila Putina, wie aus dem Gesicht geschnitten - zumindest in den jüngeren Jahren.

Selbst das Drehbuch hält sich strikt an die Biografie des späteren Präsidenten-Ehepaares: Beide sprechen fließend Deutsch. Er ist Geheimagent, der kaum ein Wort über seine Arbeit verliert. Sie ist Stewardess und wird durch einen Autounfall schwer verletzt. Für einige Jahre lebt das frisch verheiratete Paar in Dresden, wo die beiden Töchter geboren werden. Später wird der KGB-Mann nach Moskau abberufen. "Ist das die Präsidentensuite?", fragt die Gattin als sie in das Hotel gegenüber dem Kreml einchecken.

Verblüffende Ähnlichkeit

Alles nur Zufall? Das behauptet jedenfall Produzent Anatolij Woropajew. Auch seine Filmcrew will nichts von der Ähnlichkeit zwischen dem Film- und dem Noch-Präsidenten Putin wissen. "Ich denke nicht, dass ich Putin porträtiere", winkt der Schauspieler auf der Pressekonferenz in Moskau ab. Der Film handle lediglich vom Leben irgendeines Politikers in Russland. Die einzige Ähnlichkeit sei, dass der Held fließend Deutsch spreche, erklärt Panin. Er trägt dasselbe silberne Kreuz an einer Kette um den Hals wie der Präsident - ein Talisman, um den in Russland viele mysteriöse Geschichten gesponnen werden. Angeblich soll Putin das Kruzifix aus der Asche seiner abgebrannten Datscha in St. Petersburg geborgen haben. Und welch Wunder: Auch im Film fängt das Holzhäuschen Feuer und der Vater muss seine Töchter aus dem brennenden Wochenenddomizil retten.

Der einstige Vizegouverneur in den Regionen Tula und Stravopol und jetzige Produzent und Drehbuchschreiber Woropajew nutzte die erste Vorführung in einem Hotelsaal gegenüber vom Kreml, um Gerüchte aus dem Weg zu räumen. Dabei betont er immer wieder, dass die Parallelen zu Putin nicht das Hauptmotiv des Films seien. Außerdem sei nicht der Präsident, sondern die Gattin die eigentliche Heldin des Films - eine liebenswerte russische Frau, die ihrem Ehemann beistehe und den selbstsicheren Judokämpfer auch von seiner unsicheren Seite kenne. Woropajew bezeichnet es als "Zufall", dass die Politromanze zwei Wochen vor den Präsidentschaftswahlen in den DVD-Shops erscheine - es sei doch Valentinstag, merkt er an. Weder Putin noch dessen Frau hätten dabei die Finger mit im Spiel, beteuerte er.

(Foto: ©DVD LAND & )

Gekaufte Romantik?

Schon vor seiner Veröffentlichung sorgt der Film in Moskau für Aufregung: Der Kreml trat in den vergangenen Jahren immer wieder als Sponsor für heroische und patriotische Spielfilme auf. Besonders Streifen über geheime Spezialagenten sind in Russland derzeit im Trend. Woropajew erklärt hingegen, das Budget käme hauptsächlich von "privaten Investoren" und liege "unter fünf Millionen Dollar". Allerdings werde er den endgültigen Finanzplan erst im April offen legen.

Womöglich deutet das filmische Heldenepos darauf hin, dass Putin auch nach seinem Ausscheiden aus dem Präsidentenamt noch eine große Rolle in der Politik spielen wird. Laut Verfassung darf er zwar keine dritte Amtszeit antreten, hat aber angekündigt, unter seinem favorisierten Nachfolger Dmitrij Medwedew, der aller Voraussicht nach die Wahlen am 2. März gewinnen wird, Ministerpräsident werden zu wollen.

From Russia with love

Ob der Kremlchef den Film schon gesehen hat, weiß der Produzent nicht. Doch er plant, ihn und andere Politiker zur Premiere einzuladen. Rechtzeitig zum Valentinstag am 14. Februar wird die Romanze auf DVD landesweit erhältlich sein: für umgerechnet rund vier Euro. Eine preiswerte Methode, den Putin-Kult in Russland noch einmal anzufachen?

Die Autorin ist Mitglied des Korrespondenten-Netzes n-ost