Politik

Prozessauftakt gegen Mario Lonzano

Artikel veröffentlicht am 17. April 2007
Im Magazin veröffentlicht
Artikel veröffentlicht am 17. April 2007
Am 10. Juli beginnt in Rom der Prozess gegen den amerikanischen Soldat Mario Lonzano, der den italienischen Agenten Nicola Calipari nach einer Geiselbefreiung im Irak getötet hatte.

Bagdad, 4. März 2005. Der amerikanische Soldat Mario Lozano tötet an einem Checkpoint den Geheimdienstagenten Nicola Calipari und verwundet einen Carabiniere und die gerade erst befreite Journalistin Giuliana Sgrena. Ein „tragischer Unfall“ stellt eine Untersuchung der USA dazu fest: Das Fahrzeug der Italiener habe die Warnungen der GI nicht beachtet, wie auch Lozano selbst jüngst in einem Interview mit der New York Post wiederholte. Washington weist den Ausweisungsantrag Italiens deshalb zurück. Aber Italien lässt nicht locker. Nachdem der Prozess bereits einmal verschoben wurde, soll er nun am 10. Juli in Rom beginnen. Lozano wird ein politisches Delikt vorgeworfen. Wie stehen Amerikaner und Europäer dazu? Cafebabel.com hat nachgefragt.

Der amerikanische Soldat: „Ich hätte auch geschossen”

Ernesto Haibi, Militärarzt in Fort Lewis, hat eine klare Meinung zu dem Verfahren in Italien: „Das wird kein sachlicher Prozess sein, da sind zu viele Gefühle im Spiel”. Der Neununddreißigjährige kubanischen Ursprungs ist vor kurzem aus dem Irak zurückgekehrt und steht der Auslieferung Lozanos ablehnend gegenüber: „Wenn ich in der gleichen Situation gewesen wäre, hätte ich auch geschossen, wie viele andere Soldaten auch, Italiener inbegriffen: Alle haben ein Recht auf Selbstverteidigung. Sicher, wenn der Soldat geschossen hat, wohlwissend, dass sich in dem Auto Italiener befinden, dann wären wir im Unrecht.“

Der amerikanische Ingenieur: „Das sind die Folgen des 11. September”

Gegen die Auslieferung ist auch Bob, ein Ingenieur aus Fort Lauderdale, Florida: „Das war ein Kriegsunfall. Seit den Anschlägen des 11. September fühlen wir uns überall vom Terrorismus bedroht, darum reagieren wir impulsiv auf jedes Anzeichen von Gefahr. Nicht Gerichtsprozesse, sondern Regierungen müssen diese Angelegenheit lösen. Das Problem ist, dass die Beziehungen zwischen Rom und Washington sich seit dem Vorfall von Cermis* stark abgekühlt haben. Jetzt fordern die Italiener einen Prozess in Italien.“

Die europäische Studentin: „Internationales Militärgericht“

Die Polin Anna Orzechowska ist derzeit Erasmusstudentin in Rom und studiert Wirtschaft und Englisch. In ihren Augen „sollte das Verfahren einem Militärgericht anvertraut werden, da Lozano als Soldat, nicht als einfacher Bürger gehandelt hat. Um unvoreingenommen urteilen zu können, sollte es aber ein internationales Gericht sein und kein amerikanisches.“

Der englische Experte: „Das ist ein Fall für den Internationalen Strafgerichtshof”

Michael Brown aus Großbritannien schreibt derzeit seine Doktorarbeit in Internationale Beziehungen. Er erklärt, dass der Internationale Strafgerichtshof (dem die Vereinigten Staaten allerdings nicht angehören) der beste Ort für ein solches Verfahren sei. „Nachdem ein britischer Soldat im Irak getötet wurde, befand das amerikanische Gericht auf unschuldig mit dem Hinweis auf das vage Konzept des fog of the war. Um das Problem nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, müssen unsere Bürger weiterhin Druck auf die Regierungen ausüben“.

* Am 3. Februar 1998 durchtrennte ein amerikanisches Flugzeug das Tragseil einer Seilbahn in Cermis. 20 Menschen kamen bei dem Unfall ums Leben, der Pilot aber wurde von einem amerikanischen Gericht freigesprochen.

Dieser Artikel wurde bereits am 17.04.2007 veröffentlicht.