Politik

Polnische Diplomatie nimmt Erfolgskurs auf San Escobar

Artikel veröffentlicht am 12. Januar 2017
Artikel veröffentlicht am 12. Januar 2017

Die Zufriedenheit der polnischen Bevölkerung mit der PiS-Regierung hält sich in Grenzen. Umso erfreuter zeigten sich die Bürger über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen des polnischen Außenministers mit dem vergessenen Staat San Escobar. Wie aus eine Ausrutscher ein abstruses (Fantasia)Land wurde.

Als der polnische Außenminister Witold Waszczykowski ins Flugzeug nach New York stieg, hätte niemand ahnen können, dass sein zweitägiger Besuch bei der UNO so weitreichende Konsequenzen haben würde. Offiziell war ein Treffen des Chefs der polnischen Diplomatie mit dem UN-Generalsekräter Antonio Guterres geplant - ein notwendiger Schritt in den Bemühungen um einen Sitz unter den nichtständigen Mitgliedern des Sicherheitsrats. Zu dem wichtigen Treffen kam es während eines inoffiziellen Gesprächs im Sitz der Vereinten Nationen. „Wir hatten die Möglichkeit, uns mit fast 20 weiteren Außenministern zu treffen“, berichtet der Chef der polnischen Diplomatie. Darunter seien auch Karibikstaaten, mit denen Polen seit dem Bestehen seiner Diplomatie noch keinen Kontakt gehabt habe: „Zum Beispiel Länder wie Belize oder San Escobar“, führte der aufgeregte Waszczykowski aus.

In seinen Worten war nicht ein Funken Übertreibung. Ganz im Gegenteil, Gegner bemerkten in seinen Aussagen sogar eine ordentliche Dosis falscher Bescheidenheit. Das Treffen mit dem escobarischen Gegenpart von Waszczykowski wird dem Polen sicher einen Ehrenplatz in der Ahnengalerie der polnischen Diplomatie sichern. Endlich ist Polen den anderen Ländern mit stolz erhobenem Haupt vorausgegangen und erkannte ein Land an, dessen Existenz über Jahrzehnte hinweg angezweifelt wurde. Dieser wunderschöne internationale Solidaritätsakt ist vor allem dann rührend, wenn wir uns alle Unterschiede vor Augen führen, die zwischen Polen und der Demokratischen Volksrepublik San Escobar herrschen.

Uns trennt mehr als nur ein Ozean

Polen und San Escobar, das sind zwei unterschiedliche Welten. Der kleine Inselstaat ist eine der letzten echten sozialistischen Republiken. Die Revolution, die in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts stattgefunden hatte, traf auf harte Konfrontationen von Seiten der Vereinigten Staaten: Der US-amerikanische Imperialismus manifestierte sich in diesem Fall in Form einer gemeinsamen Übereinkunft des gesamten westlichen Blocks, die Existenz des Staates zu verschweigen. Während der Perestrojka wurde San Escobar zum politischen Spielball, der in Verhandlungen der Sowjetunion und der Satellitenstaaten eingesetzt wurde.

Und so verschwand San Escobar auf fast Orwell'sche Weise von der Landkarte. Die Existenz dieses Landes ist weiterhin ein Tabu, sogar das scheinbar 'unabhängige' Wikipedia lässt die Veröffentlichung eines Artikels zu diesem Land nicht zu. Es handle sich dabei um eine „offensichtliche Lüge“. 

Aufbruch Richtung Kapitalismus?

Die sich in den letzten Jahren verschärfende Wirtschaftskrise zwang die Regierung von San Escobar dazu, ihren Isolationismus etwas einzudämmen. Aber die Versuche der Regierung, westliche Touristen mit ihren dicken Geldbeuteln in die Hauptstadt Santo Subito oder in das zauberhafte Städtchen Al Pacino zu locken, hatten keinen Erfolg. Zu stark war das - verständliche - Misstrauen der Touristen gegenüber einem Land, das auf keiner Landkarte zu finden ist. Auch wenn einzelne Reformen eingeführt wurden, so ist San Escobar weit entfernt von dem Entwicklungsstadium solcher Staaten wie Polen. Selbst so kleine Veränderungen wie eine Marktreform führten zu Aufständen unter bewaffneten kommunistischen Gruppen. Die größte unter ihnen, El Frente Communista de San Escobar, kontrolliert das Land.

Trotz aller Widersprüche reagierte das Volk von Polen und San Escobar enthusiastisch auf die Aufnahme neuer Beziehungen. Bald wird die Fluglinie El Niño erste Flüge zwischen Polen und Santo Subito anbieten. Die polnische Fluglinie LOT plant den Kauf eines Dreamliners, der in Kürze auf der Strecke Warschau - Santo Subito verkehren soll. Hinter vorgehaltener Hand spricht man auch von einer Aufhebung der Visapflicht. Nur die polnische, aber auch die ausländische Presse lassen in Sachen gut recherchierter Journalismus noch zu wünschen übrig: Die polnische Zeitung Rzeczpospolita nannte die Aussage von Waszczykowski einen 'Reinfall'. Sowohl die deutsche WELT als auch der britische Telegraph gingen sogar noch einen Schritt weiter und schrieben, San Escobar sei ein nicht existierender Staat, während der SPIEGEL behauptete, der polnische Außenminister habe das Land erfunden. 

Praktische Informationen

Die Wirtschaft des Landes stützt sich hauptsächlich auf die Drogenproduktion. Die Amtssprache ist gebrochenes Spanisch, die Hauptstadt Santo Subito. Weitere wichtige Städte sind Al Pacino und Ciudad Polaca. Zu den Touristenattraktionen gehören vor allem wunderschöne Sandstrände in der Region Esperal sowie der höchste Berg Hasta La Vista. Das Land verwendet gleich zwei Währungen: Plata (Span. Silber) und Plomo (Span. Blei). Mehr Informationen zu dem Land auf der offiziellen Facebookseite von San Escobar.