Politik

Politiker über Journalisten: Ratten, Nullen, Schmeißfliegen

Artikel veröffentlicht am 21. April 2010
Artikel veröffentlicht am 21. April 2010
Hassliebe - die perfekte Definition für die schwierige Beziehungskiste zwischen Politik und Journalismus. Hier ein kurzes Panorama der berühmtesten Beleidigungen, die Politiker in ganz Europa auf „wehrlose“ Journalisten abgeschossen haben.

Journalisten und Politiker. Seit eh und je eine unzertrennbare Einheit, die mitunter jedoch gefährlich ins Schwanken gerät. Nicht selten kommt es vor, dass Pressevertreter aus Übereifer mit ihren Fragen zu weit gehen. Und dann ergießt sich die Wut des Politikers über den ganzen Berufsstand - verführt und sitzen gelassen.

Eine Kostprobe dieser Tendenz gab jüngst Jean-Luc Mélenchon, Chef der französichen Linkspartei Parti de Gauche, als er den Journalismus als métier pourri ('verrottetes Gewerbe') bezeichnete und einen unerfahrenen Journalisten, der ihm unbequeme Fragen stellte, petite cervelle ('Spatzenhirn') nannte. „…eh bah, merci“ antwortete der Unglückselige.

«Les journalistes, ce sont des nullards, il faut leur cracher à la gueule. […] Ce sont des bandits. Et encore, les bandits eux, ont une morale” ('Journalisten sind wirklich die größten Nullen, denen man nur ins Gesicht spucken kann. Alles Banditen. Aber Banditen haben wenigstens eine Moral'): So habe sich dem französischen Satireblatt Le Canard enchaîné zufolge ein wütender Sarkozy am vergangenen 18. März vor Mitgliedern seiner Regierung geäußert.

Ausgerechnet Sarko, der, wie allgemein bekannt ist, zahlreiche Freunde in den Medien hat.Auch in Deutschland gibt es diesen Kontrast, und nicht erst seit gestern: Bereits in den 1980er Jahren betitelte der CSU-Politiker Franz Josef Strauß Journalisten als Ratten und Schmeißfliegen. Nicht weniger skurril drückte sich der ehemalige Außenminister Joschka Fischer (Grüne) aus, der die verdutzten Journalisten als 5-Mark-Nutten bezeichnete.

Und dann Italien… Hier scheinen die Politiker völlig bedenkenlos auf die Presse loszugehen: Während einer Pressekonferenz beschimpfte Finanzminister Giulio Tremonti einen Journalisten mit testa di cazzo ('Arschloch'), als dieser eine unbequeme Frage stellte. Berlusconi brüllte am Sitz seiner Partei in Rom villano, si vergogni! ('Schämen Sie sich, Sie Bauer!'), als ein freiberuflicher Journalist über seine Glatze witzelte, während Verteidigungsminister La Russa den aufdringlichen Pressevertreter anrempelte.

Und auch Maurizio Gasparri (PdL) darf in der Liste natürlich nicht fehlen. Mit lupenreinem Lächeln und subtiler Ironie nannte der Senator einen Journalisten der italienischen Talkshow Ballaròsfigato ('armes Schwein'). Anschließend entschuldigte er sich allerdings bei dem Beschimpften und alles endete mit einer herzlichen Umarmung zwischen den beiden. Man könnte sagen: Was sich liebt, das neckt sich.

Illustration: ©Henning Studte