Politik

Polens neue Chefin: Ewa Kopacz

Artikel veröffentlicht am 17. September 2014
Artikel veröffentlicht am 17. September 2014

Der Name Ewa Kopacz ist in Polen momentan in aller Munde. Sie wird ab dem 22. September die Führung der polnischen Regierung übernehmen und dadurch zur Nachfolgerin Donald Tusks. Die Hälfte der Polen bewundert ihre Klasse, ihren Mut und ihre Intelligenz, während die andere Hälfte ihr wiederum Wankelmütigkeit unterstellt. Ein Portrait.

Donald Tusk wurde kürzlich zum neuen EU-Ratspräsidenten ernannt und wird den Posten am 1.Dezember 2014 antreten. Vorher musste er jedoch seinen Nachfolger auf nationaler Ebene ernennen. Letzte Woche gab Donald Tusk nun bekannt, dass er dem polnischen Präsidenten Ewa Kopacz als seine Nachfolgerin für das Amt des Premierministers vorschlägt. Kürzlich wurde schließlich bestätigt, dass Ewa Kopacz ab dem 22.September 2014 die neue Regierung führen wird. Wer ist also diese Eiserne Lady der polnischen Partei Bürgerplattform (poln. Platforma Obywatelska oder kurz: PO)?

Ewa Kopacz ist Kinderärztin, sie ist 58 Jahre alt und ist in Radom, Polen, aufgewachsen. Seit 13 Jahren engagiert sie sich politisch als Mitglied der Freiheitsunion (poln. Unia Wolności oder kurz: UW) und der Bürgerplattform (sie war somit ebenso ein Mitglied des Schattenkabinets der PO), als Sprecherin des Gesundheitsministeriums, als Gesundheitsministerin (sie hatte dieses Amt so lange inne, wie sonst niemand zuvor) und als Vize-Präsidentin des Sejm im polnischen Parlament in Polen.

Ein emotionaler Vulkan steht in den Startlöchern

Die zukünftige Premierministerin stand im Jahre 2009 in den Schlagzeilen, als sie als Gesundheitsministerin den Ankauf von Impfstoffen gegen die Schweinegrippe verweigerte, weil diese zu teuer und ineffzient seien. Für sie ein Witz der Pharmaindustrie. Auf ihrer Homepage der PO las man darüber: So lange die Entscheidung nicht international als klug angesehen war, schäumte sie vor Wut.Ihre Autorität wurde erneut in Frage gestellt, als sie nach Moskau fuhr, um die Opfer des Flugzeugabsturzes des Präsidentenflugzeugs in Smolensk zu identifizieren. Auch wenn die anwesenden Personen ihr Professionalität bescheinigten und sagten, dass sich Kopacz mehr wie eine Medizinerin verhielt, als wie eine einfache Ministerin. Was auch nicht sehr verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass sie früher in der Rechtsmedizin gearbeitet hat und so viel Erfahrung in diesem Bereich hat. Etwas später im selben Jahr führte die von ihr geleitete Kampagne gegen Stimulantien zu deren Delegalisierung in Polen. Während der dreizehn Jahre ihrer bisherigen politischen Karriere, hat sie es auch geschafft, die katholische Kirche gegen sich aufzubringen. Sie half einem Vergewaltigungsopfer, eine Klinik für eine Abtreibung zu finden, um die aus der Vergewaltigung hervorgegangene Schwangerschaft zu verhindern. Viele Kliniken hatten die Abtreibung zuvor verweigert, obwohl diese in Polen eigentlich legal ist. Kopacz wurde für ihr Engagement exkommuniziert, aber das stellte für ihre politische Karriere keine ernsthafte Bedrohung dar. Ebenso wenig wie die Anti-Tabak-Kampagne, die sie als Kettenraucherin durchführte, an ihrer Glaubwürdigkeit rütteln konnte. 

Seit der offiziellen Bekanntgabe der Ernennung zur Ministerpräsidentin, sehen ihre politischen Gegner eine unvermeindliche Katastrophe voraus. Für sie ist Kopacz hysterisch und man kann sich nicht auf sie verlassen. „Sie hört eher auf ihr Herz, als auf ihren Verstand.“, sagte unlängst Boleslaw Piecha, Mitglied der Partei Recht und Gerechtigkeit (poln. Prawo i Sprawiedliwość oder kurz: PiS). Die„hysterischen“ unter den Kritikern läuten die Alarmglocken: Wird sie dem Stress und den Aufgaben gewachsen sein, ohne irgendwann einzuknicken? Die Gerüchte lassen sie als die Türen knallende Erbin von Zyta Gilowska dastehen. In den Interviews aber wirkt sie ganz und gar nicht so, als sei sie emotionsgesteuert oder agressiv. In der morgendlichen Sendung Dzien Dobry TVN präsentierte sie sich 2011 als selbstbewusste und respektvolle Technokratin. „Alle meine Verantwortungsbereiche nehme ich immer ernst.“ sagte Kopacz dort. Und sie hat in der Vergangenheit bewiesen, dass Diskretion ein wichtiger Aspekt ihrer Arbeit darstellt, denn auf die gehässigen Anspielungen von Jaroslaw Kaczynski bezüglich ihrer Verbindung zu Donald Tusk, antwortete sie nur: „Im Gegensatz zu anderen, respektiere ich Menschen. Ich respektiere sie wirklich.“

Abends zum Fußballgucken bei Donald

Die Beziehung zwischen Kopacz und Tusk ist ein offenes Geheimnis, auch wenn sie in den Augen Kaczynskis noch nicht intim genug ist. Tusk hat sie weit gebracht, und das nicht nur auf der Karriereleiter, sondern auch privat. Als Tusks Schwester an einem Schlaganfall litt, setzte Kopacz alle Hebel in Bewegung, um Sonia Tusk die beste medizinische Versorgung zu ermöglichen. Da die beiden Freunde sich beinahe täglich sprechen und sogar gemeinsam Fußball gucken, scheint es gar nicht mal so abwegig, dass Tusk seine eigene politische Karriere gerade durch seine Nachfolgerin Ewa Kopacz weiter verfolgt.

Die Frau im Haus  

Die Ernennung Kopacz zur Präsidentin unterstreicht aber noch einen weiteren wichtigen Aspekt. Ihre erfolgreiche Karriere unterstreicht, dass sich die Position der Frauen in der polnischen Politiklandschaft langsam verbessert. Auch wenn es übertrieben wäre zu sagen, dass im polnischen Parlament ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis herrscht (nur 23 Prozent der gewählten Abgeordneten waren Frauen), ist die Aufstellung Kopacz als erste weibliche Premierministerin im Parlament doch beinahe revolutionnär. Genau deswegen ist ihre Aufstellung als Premierminister so wichtig. Denn bis zum heutigen Tage gab es auf diesem Posten lediglich eine Frau: Hanna Suchocka. Und ihre Amtszeit dauerte auch nu rein Jahr.