Politik

„Polen ist einer der wichtigsten Märkte für französische Firmen“

Artikel veröffentlicht am 5. Dezember 2006
Artikel veröffentlicht am 5. Dezember 2006
Wie steht es um die wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Beziehungen zwischen Frankreich und Polen? Dominique Prusak, französischer Journalist in Polen, gibt Auskunft.

Herr Prusak, wie ist es um die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Frankreich und Polen bestellt?

Französische Firmen sind die wichtigsten ausländischen Investoren in Polen. Sie besitzen ein Monopol der Großhandelsketten und werden auch in der Bau- und Energiebranche immer einflussreicher. Für große Marken wie Auchan, Carrefour oder Leclerc ist Polen ein bedeutender Wirtschaftsstandort. Doch auch auf das Land selbst hat die Präsenz französischer Firmen positive Auswirkungen. Die Wirtschaft Polens kann dadurch weiter wachsen. Das Lebensniveau und das Bruttoinlandsprodukt steigen.

Polen hat durch den EU-Beitritt viel gewonnen. Das Land ist aber zu einem der wichtigsten Märkte der EU geworden. Die Polen sind momentan in einer Art Konsumrausch. Dennoch hat die Kritik von Jacques Chirac angesichts der proamerikanischen Haltung einiger neuer EU-Mitgliedstaaten im Irakkrieg ihre Spuren hinterlassen. [Chirac hatte 2003 bemerkt, dass die neuen Mitgliedsländer eine Gelegenheit verpasst hätten, zu schweigen. A.d.R.] Man spürt die Nachwirkungen vor allem in der Diplomatie und in der Geschäftswelt. Insgesamt aber tragen der positive Einfluss der Union und die zugesagten Subventionen dazu bei, dass selbst verletzende Worte wieder in Vergessenheit geraten.

Welches Bild haben die Polen von Frankreich ?

Ein ausgesprochen gutes. Diese Frankophilie lässt sich sowohl durch bestimmte Klischees als durch reale Einflüsse Frankreichs erklären. Mit Klischees meine ich Paris, die angeblich „schönste Stadt der Welt“ oder die Romantik des Pariser Künstler-Viertels Saint-Germain-des-Prés. Die Wirklichkeit, das ist der kulturelle Reichtum, den Frankreich dank seines Kinos, seines Theaters und seiner jungen Musikszene in andere Länder exportiert. Die Polen kennen Filme von Luc Besson oder auch „Amélie Poulain“. Diese Filme zeigen Frankreich von seiner humorvollen Seite. Ein weiterer französischer Einfluss lässt sich bei den zahlreichen Ausstellungen französischer Maler finden. Besonders die Impressionisten begeistern das polnische Publikum.

Die konservative Regierung unter Präsident Lech Kaczyski ist für ihre kompromisslosen Positionen bekannt. Werden sich die Beziehungen zwischen Polen und den anderen EU-Ländern dadurch verschlechtern?

Die polnische Regierung verunsichert ihre europäischen Partner, weil sie ambivalent handelt: Auch wenn das Land gerade Subventionen von der Union erhalten hat, tanzt die politische Führung bei Entscheidungen der 25 Mitgliedstaaten gern mal aus der Reihe. Sie tut sich schwer darin, die europäische Solidarität anzuerkennen. Das liegt sicher auch daran, dass Polen schon häufig ein Opfer anderer Staaten war. Das Land wurde oft besetzt und die Polen empfinden daher gegenüber ihren Nachbarstaaten ein großes Misstrauen. Ich glaube, es handelt sich eher um eine oberflächliche Entrüstung als eine tatsächliche Opposition. Die Geschichte hat die Polen misstrauisch werden lassen. Es ist für sie daher nicht ganz einfach, den anderen Europäern gegenüber immer offen zu sein.