Politik

Papandreous Abgang: Mission tatsächlich 'impossible'

Artikel veröffentlicht am 7. November 2011
Artikel veröffentlicht am 7. November 2011
Griechenlands Premier Giorgos Papandreou hat sich mit Oppositionschef Antonis Samaras am Sonntagabend auf eine gemeinsame Übergangsregierung geeinigt, die am heutigen Montag vorgestellt werden soll. Papandreou kündigte zugleich seinen Rücktritt an. Mit der Einigung sind die Griechen gerade noch dem Bankrott entkommen, meinen Kommentatoren und sehen Samaras nun in der Verantwortung.

Trouw: "Samaras wird beweisen müssen, dass es ihm nicht nur um den Skalp von Papandreou ging"; Niederlande

Eine Übergangsregierung ohne Premier Papandreou stellt noch nicht die Rettung Griechenlands dar, warnt die christlich-soziale Tageszeitung Trouw: "Fehlenden Mut kann man Papandreou kaum vorwerfen. Er sagte im Parlament unverblümt, dass die Vereinbarungen zur Rettung des Euro und die damit verbundenen harten Sparmaßnahmen der Preis sei für jahrzehntelange Korruption und Vetternwirtschaft. Papandreous Mut schlug allerdings in Leichtsinn um, als er ein Referendum ankündigte. Dieses Unterfangen stellte den Rettungsplan wieder in Frage und ließ das griechische Drama weiter eskalieren. [...] Die größte Oppositionspartei scheint nun bereit zu sein, Verantwortung zu übernehmen. Parteiführer Samaras wird aber beweisen müssen, dass es ihm nicht nur um den Skalp von Papandreou ging. Und er muss einsehen, dass das Überleben der griechischen Ökonomie auf dem Spiel steht. Wenn das das Ergebnis der vergangenen turbulenten Woche ist, dann ist das vielleicht doch ein kleiner Sieg." (07.11.2011)

Naftemporiki: "Selbst im freien Fall stehen die persönlichen Interessen der Politiker im Vordergrund"; Griechenland

Das Gezerre zwischen Sozialisten und Konservativen in Griechenland um eine gemeinsame Übergangsregierung zeigt, wie unfähig sie sind, meint die konservative Wirtschaftszeitung Naftemporiki: "Das politische Pokern beider Seiten - bei dem nicht nur die Bürger des Landes zugesehen haben, sondern die ganze Welt - zeigt vor allem eines: […] Selbst wenn wir uns im freien Fall befinden, stehen die persönlichen Interessen der Politiker im Vordergrund. [...] In den vergangenen Tagen hat sich bestätigt, dass wir vielmehr ein politisches als ein wirtschaftliches Problem haben. Es ist ein rein politisches Problem, wenn dieselbe politische Führung, die in den vergangenen Jahren zum Bankrott des Landes beigetragen hat, sich nicht auf Lösungen einigen kann, die das Land retten." (07.11.2011)

El País: "Instabilität, die ganz Europa bedroht, bleibt bestehen"; Spanien

Der Nachfolger des griechischen Premiers Papandreou wird mehr politischen Spielraum haben, meint die linksliberale Tageszeitung El País: "Obwohl sich Papandreou gezwungen sah zurückzutreten, könnte sein Nachfolger - zumindest innenpolitisch - einen größeren Spielraum genießen als er. Das liegt daran, dass Papandreou - absichtlich oder unbewusst - sowohl den europäischen Bündnispartnern als auch den eigenen Bürgern die möglichen Gefahren aufgezeigt hat. Es ist schwer, die weitere Entwicklung dieses Landes vorherzusagen, das nicht nur in einer Wirtschaftskrise steckt, sondern auch politisch und gesellschaftlich auseinanderfällt. Die sich abzeichnende Lösung scheint nicht die schlechteste zu sein, auch wenn die Instabilität bestehen bleibt, die ganz Europa bedroht." (07.11.2011)

Upsala Nya Tidning: "Neue Koalition ist fragil, genauso wie die wirtschaftliche Erholung Griechenlands"; Schweden

Die Bildung einer Übergangsregierung in Griechenland ist ein zaghafter Schritt in die richtige Richtung, um die Probleme des Landes zu lösen, meint die liberale Tageszeitung Upsala Nya Tidningen: "Jetzt gibt es zumindest die Chance, dass sich die politischen Parteien auf ein Paket zur Lösung der Krise einigen. Das war eine Kehrtwende kurz vor dem Galgen. Andernfalls wären die Kredite ausgeblieben, die Griechenland vor dem Bankrott bewahren. Die Verantwortung lastet nun zunächst auf den Schultern von Oppositionsführer Antonis Samaras. Die neue Koalition ist fragil, genauso wie die wirtschaftliche Erholung Griechenlands." (07.11.2011)

28 Länder - 300 Medien - 1 Presseschau. Die euro|topics-Presseschau zeigt, welche Themen Europa bewegen und spiegelt die Vielfalt an Meinungen, Ideen und Stimmungen wider.

Foto: (cc)Πρωθυπουργός της Ελλάδας/flickr