Politik

Osteuropa: Skifahren für wenig Geld

Artikel veröffentlicht am 15. Februar 2007
Artikel veröffentlicht am 15. Februar 2007
Mächtige Hänge, günstige Tarife: Immer mehr Urlauber zieht es in die slowenischen, polnischen und tschechischen Skigebiete.

72 Kilometer nördlich der bulgarischen Hauptstadt Sofia, hoch oben auf einem 3000er-Gipfel, befestigt Andrew Harley seine Skier. Gleich wird er seine Lieblingspiste im Schuss hinunterfahren. „Man trifft kaum Einheimische hier“ sagt er und zeigt um sich herum. Es sind vor allem englische Skifahrer, die osteuropäische Skigebiete besuchen. Häufig treffen sie auf Russen, die für das Wochenende hierher kommen.

„Die Tarife sind niedriger, das Bier ist billiger. Und es gibt viel zu unternehmen: Abfahrtslauf, Langlauf, Skispringen, Snowboard fahren“ schreibt Andrew in das Gästebesuch des Ferienorts. Er ist nun schon das zweite Mal mit Freundin und Kind in Borovets, Osteuropas größtem Skigebiet. Hier kann er zu erschwinglicheren Preisen Ski fahren als in Westeuropa. In einer malerischen alten Stadt, weniger als eine Autostunde von Sofia entfernt, gibt es für die Skifahrer Zimmer mit Rund-um-die-Uhr-Service. Und das zu einem niedrigeren Preis als in jedem anderen Skigebiet Westeuropas.

Der schwedische Reiseveranstalter Kilroy Travels wirbt für das 40 Quadratkilometer große Skigebiet, indem er es als Magneten für Studenten, Individualreisende und Familien mit schmalem Geldbeutel beschreibt. Der Trend gehe dahin, nach ein paar Tagen auf den kalten schneebedeckten Pisten ein oder zwei Tage am Meer zu genießen. „Tagsüber entdecken sie Pisten, die noch kein Ski berührt hat. Abends gibt es ständig Parties, bei denen der Alkohol ein Drittel des schwedischen Preises kostet“, erklärt ein Vertreter von Kilroy Travels. „Ein typisches Angebot beinhaltet eine Woche Vollpension für weniger als 330 Euro“.

Slowenischer Slalom

In der Nähe der Alpen, zwischen Österreich und Italien, vereinigen die Skigebiete Sloweniens Technik auf westeuropäischem Niveau mit einem flotten Nachtleben. Und das zu Preisen, wie es sie nur in Osteuropa gibt. Es gibt stark frequentierte Gebieten wie Kranjska Gora, das dem Männerslalom der Weltmeisterschaft bereits als Austragungsort gedient hat. Hier werden Speisen aus Italien, Deutschland und Frankreich angeboten. In einer nahe gelegenen Fabrik werden günstige Ausrüstungsgegenstände hergestellt. Der Urlaubsort ist 40 Kilometer vom internationalen Flughafen Ljubljana gelegen und für seine gute Erreichbarkeit bekannt.

Dieser Ferienort ist eines von 30 Urlaubszielen in Slowenien, das nicht nur reisende Skifahrer angezogen hat, sondern auch Immobilienkäufer aus den umliegenden Ländern. Aufgrund der Lage beinhalten Pauschalangebote Stippvisiten ins benachbarte Kroatien, Italien oder Österreich, wo 2005 die Titelkämpfe der Weltmeisterschaften ausgetragen wurden. Und das, obwohl es verglichen mit den Nachbarn weniger Schnee hat.

Zwar bieten Reiseziele wie Bosnien-Herzegowina, Serbien und Montenegro, die Slowakei und Russland exotischere Pisten, doch kam es hier nach Angaben eines Reiseveranstalters zu Klagen über den nachlässigen Service bei Pauschalangeboten. Auch mangelt es den osteuropäischen Pisten, verglichen mit den schicken Urlaubsorten in den Alpen, an Wartung der Anlagen. Doch wie man es dreht und wendet: Besseres Wetter, interessantere Pisten und kulturelle Erfahrungen zu einem wesentlich günstigeren Preis machen die östlich gelegenen Reiseziele weit ansprechender als diejenigen West- oder Nordeuropas.

Die Skigebiete Osteuropas im Ländervergleich

Rumänien – noch am Übungslift?

Rumänien ist das Land der weniger exklusiven Pauschalangebote. Mitten in den Karpaten versinkt jeden Abend über Poiana Brasov, der längsten Piste des Landes, eine rosa leuchtende Sonne. Nach der post-kommunistischen Wirtschaftskrise sorgte ein Boom der Torismusbranche für die Erneuerung von Lifts und Anlagen.

Pulverschnee in Polen

Weiter nördlich gelegen bietet Polen den Ski-Begeisterten mehr Abwechslung, vor allem, weil es sich für die Austragung olympischer Winterspiele beworben hat. Seine Hänge sind berühmt für ihren sanften Verlauf. Es gibt kaum Hindernisse wie Bäume oder große Felsen. Es ist ideal für Skifahrer, die weniger teure Angebote nutzen. Die wichtigsten Urlaubsorte liegen im Süden des Landes, im Umland von Zakopane in der Hohen Tatra, wo es zahlreiche Skilifte gibt.

Einmal Tschechien, bitte

Frischer Schnee auf den Hängen der Tschechischen Republik zieht die Spitzenfahrer an, während das Nachtleben keinen Vergleich mit anderen Schauplätzen zu scheuen braucht. Zahlreiche Hochgebirgspisten im Norden des Landes, wie im Riesengebirge, sind nicht nur für Profis attraktiv, sondern erweisen sich als perfekt für’s Training und ein bisschen Spaß danach.