Politik

Osama Bin Ladens Tod in Pakistan: Junge Europäer reagieren

Artikel veröffentlicht am 2. Mai 2011
Artikel veröffentlicht am 2. Mai 2011
Junge Menschen vom Balkan und aus Europa, Amerikaner und Pakistaner, die auf dem europäischen Kontinent leben, kommentieren den Tod des saudiarabischen al-Qaida Anführers vom 2. Mai.

“Mazedonier glauben grundsätzlich an Verschwörungstheorien. Sie denken, Obama sei ein imaginärer Mensch aus den Vereinigten Staaten. Die Leute haben vor globalem Terrorismus keine Angst, da dieser bei uns noch nicht allzu präsent ist. Auf dem Fernsehkanal 24 News Macedonia  hat der Kriminologe Dusko Stojanovski von einer guten Nachricht für die Welt gesprochen, warnte aber auch davor, dass die Terrororganisation al-Quaida nicht tot sei. WikiLeaks berichtete auch über die eventuelle Präsenz einer Atombombe in Europa, sollte einer der islamistischen Führer getötet werden.“ (Zoran, Skopje)

“Ich denke nicht, dass Pakistaner ein großes Aufsehen um Bin Ladens Tod machen. Der allgemeine Konsens besteht momentan darin, dass a) Bin Ladens Tod den globalen Krieg weder jetzt besonders beeinflussen wird, noch dies in der Vergangenheit der Fall war. Und b) dass wir wahrscheinlich ein ziemlich heftiges Echo hier bei uns [in Pakistan] zu spüren bekommenwerden. Ich dachte eigentlich schon seit gut fünf Jahren, dass er tot sei. Es gibt so viele andere Anführer und unzählige Terrorgruppen. Bin Laden war in Wahrheit gar nicht der Leader, den der Westen immer aus ihm machen wollte. Das Ganze hat doch in Wahrheit weniger mit dem Krieg gegen den Terror als mit US-amerikanischer Innenpolitik zu tun. Meine Familie in Pakistan denkt, dass es zu weiteren Angriffen kommen wird. Doch ich selbst zweifle daran, dass der Tod Bin Ladens irgendwelche langfristigen Konsequenzen mit sich bringen wird.“ (Irfan, Genf)

“Es ist gut, dass der internationale Terrorismus nun seine Symbolfigur verloren hat. Doch ich denke nicht, dass wir heute in einer besseren Welt wach geworden sind, wenn es Menschen gibt, die wie wild die Tötung eines Mannes zelebrieren.“ (Anna, Warschau)

„Die anderen Amerikaner, die ich in Europa kenne, sind alle mehr oder weniger erfreut über die Nachricht und feiern. Ich habe keine zynischen oder argwöhnischen Kommentare seitens der Amerikaner hier vernommen. Aber einige Europäer haben kritisch reagiert und meinen, es könnte sich um eine Falschmeldung handeln, da der Körper ja nie gesehen wurde.“ (Dennis, Brüssel)

“Die Nachricht war eine Überraschung. All diese Jahre schien es, als würde die Welt einen Geist jagen und nun erfahren wir, dass Bin Laden nicht weit von der pakistanischen Hauptstadt entfernt und auch nicht wirklich in einer Höhle gelebt hat. Und die Amerikaner haben 10 Jahre benötigt, um das zu entdecken… Aber schlussendlich lebte auch Karadzic ganz ruhig über Jahre in Belgrad.“ (Selina, Banja Luka)

“Bin Ladens Tod durch einen US-amerikanischen Spezialeinsatz ist teilweise ein Revanche-Akt für die Terrorattacken auf die Twin Towers 2001 und hat hohen Symbolcharakter. Trotzdem erinnert dieser Unterton des „wiedergewonnenen Stolzes“ an einen Sheriff, der gerade einen Körper an einem Baum aufgehängt hat, um die Massen und deren Durst nach Vergeltung zu befriedigen. Mit teilweise wahllosen Bombenangriffen und Guantanamos, ist der so genannte Krieg gegen den Terror zu schrecklich, um sich nun über einen Triumph zu freuen.“ (Aníbal, Barcelona)

Foto: (cc)kntmedia.com