Politik

Neue Hoffnung für eine Wiedervereinigung Zyperns?

Artikel veröffentlicht am 18. Juli 2008
Artikel veröffentlicht am 18. Juli 2008
34 Jahre nach den Unruhen, die zu Zyperns Teilung führten, schöpft das Land am Rande der Europäischen Union neue Hoffnung. Dank der Aufnahme neuer Gespräche könnte nun endlich eine dauerhafte Lösung gefunden werden.

Nach seiner Wahl am 24. Februar 2008, wiederholte Dimitris Christofias, der neokommunistische Präsident Zyperns, mit Nachdruck eines seiner Wahlversprechen: "Ich habe mich für das höchste Staatsamt zur Wahl gestellt, weil ich meine Lebensaufgabe darin sehe, eine gerechte Lösung der Zypernfrage zu finden." In der Tat hielt er sein Versprechen und nahm die Gespräche mit seinem türkischen Alter Ego, Mehmet Ali Talat, wieder auf. Das Schwierigste steht jedoch noch bevor: Eine gemeinsame und dauerhafte Antwort auf die Meinungsverschiedenheiten beider Gemeinschaften zu finden.

Der Dialog entfacht neue Euphorie

Die Lösung der Zypernfrage erlitt einen schweren Rückschlag, als 2004 mehr als drei Viertel der griechischen Zyprioten den Annan-Plan ablehnten. Die Wiederaufnahme der Gespräche vier Jahre später geschah in einer Atmosphäre der Euphorie. Am 21. März beschlossen Dimitris Christofias und Mehmet Ali Talat, einen neuen Grenzübergang auf der Ledra-Straße, der Fußgängerzone und Einkaufsstraße im Herzen der Altstadt von Nikosia, zu öffnen.

©bu LaRezistance/flickr

Über diese symbolische Handlung hinaus, gaben beide Männer den Startschuss für neue Verhandlungen und setzten sechs Arbeitsgruppen und sieben Fachausschüsse mit Vertretern beider Gemeinschaften ein, die zukünftige Gespräche beider Spitzenpolitiker vorbereiten sollten. Ihre Ehefrauen trafen sich derweil über einem "zypriotischen Kaffee", einem linguistischen Kompromiss zwischen dem türkischen und dem griechischen Kaffee, und lasen im Kaffeesatz ihrer Tassen, dass Zypern eine goldene Zukunft bevorstehen würde.

Von der Schwierigkeit, dieselbe Sprache zu sprechen

©Foreign and Commonwealth Office/ flickrDoch sehr schnell wich die Hoffnung den Zweifeln und kamen grundlegende Meinungsverschiedenheiten zum Vorschein. Beiden Spitzenpolitikern fiel es schon schwer, sich nur auf Grundlage und Themen ihrer Gespräche zu einigen. Da war zunächst ein Memorandum, das am 5. Juni zwischen dem Premierminister Großbritanniens, der ehemaligen Kolonialmacht, und Dimitris Christofias unterzeichnet wurde, und den Zorn Mehmet Ali Talats weckte. In diesem Text sprach sich Großbritannien für eine Lösung der Zypernfrage auf Grundlage einer Föderation beider Gemeinschaften und Zonen aus, mit deren Hilfe die politische Gleichberechtigung sichergestellt und eine alleinige Souveränität, Staatsangehörigkeit und ein internationales Statut verankert werden sollten.

Großbritannien bestätigte weiterhin, keine neue Staatseinheit anerkennen zu wollen, die eventuell auf der Insel entstehen könnte. Die Absichten waren eindeutig: Kategorisch sollte jede „jungfräuliche Geburt“ unterbunden werden, eine Lösung, die zuweilen von Mehmet Ali Talat ins Spiel gebracht wird und die laut türkischer Seite die Schaffung eines neuen Staates auf Grundlage eines neuen politischen Systems und einer neuen Verfassung ermöglichen soll.

Direkte Verhandlungen im Herbst

Streitigkeiten zwischen beiden Politikern gab es auch über das Mandat der Arbeitsgruppen und Fachausschüsse. Dimitris Christofias erwartete von ihnen spürbare Fortschritte, damit direkte Verhandlungen überhaupt Aussicht auf Erfolg hätten. Die türkisch-zypriotischen Behörden meinten dagegen, dass eventuell auftretende Schwierigkeiten genauso gut zum Zeitpunkt der direkten Verhandlungen angegangen werden könnten.

Während die Gespräche drohten, den Sommer über unterbrochen zu werden, wurde für den 1. Juli endlich ein Treffen zwischen beiden Politikern organisiert, bei dem sie zu einer grundsätzlichen Einigung in Sachen gemeinsame Souveränität und Staatsangehörigkeit kamen. Ihr nächstes Treffen ist für den 25. Juli vorgesehen. Dann soll der Fortschritt innerhalb der Arbeitsgruppen und Fachausschüsse untersucht werden und im Herbst endlich direkte Verhandlungen begonnen werden.

Die Welt schaut auf Zypern

Die Vereinten Nationen sprechen sich für eine dauerhafte Lösung aus: "Die Welt schaut sehr genau auf Zypern"

Die Verhandlungen finden unter der Ägide der Vereinten Nationen statt. Von der UNO wird prinzipiell erwartet, dass sie demnächst die Entsendung eines Sondergesandten für Zypern, die Einbeziehung der slowakischen Botschaft und Unterstützung der europäischen Regierungen verkündet sowie die wissenschaftlichen Berichte des PRIO (Institut zur internationalen Friedensforschung, Oslo) vorstellt. Die Vereinten Nationen sprechen sich für eine dauerhafte Lösung aus: "Die Welt schaut sehr genau auf Zypern", so Lynn Pascoe, der stellvertretende UN-Generalsekretär für politische Angelegenheiten.

"Siga, siga" (sachte, sachte) antworten die Zyprioten gewöhnlicherweise übereifrigen Menschen. In dieser Frage ist die Zeit jedoch knapp, so die Expertenwarnung. In zehn Monaten beginnt in der Nordhälfte die nächste Wahlkampagne und es ist nicht sicher, ob der in seinem eigenen Lager unter Kritik stehende Mehmet Ali Talat wieder gewählt wird. Die Aussichten auf eine Wiedervereinigung der Insel Aphrodites‘ könnten so erneut getrübt werden.