Politik

Narziss und Regionalwahlen-Schlappe: Sarkozy krempelt Regierung um

Artikel veröffentlicht am 23. März 2010
Artikel veröffentlicht am 23. März 2010
Nach der Schlappe der Regierungspartei UMP bei den Regionalwahlen hat Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sein Kabinett umgebildet. Vor allem die politische Orientierungslosigkeit des Staatsoberhaupts und sein selbstherrlicher Regierungsstil sind für die Niederlage der Konservativen verantwortlich, meint die europäische Presse.

El País: „Die Franzosen lehnten eine Art zu regieren ab“; Spanien

Die Niederlage der Partei des Präsidenten Nicolas Sarkozy (UMP) bei den französischen Regionalwahlen hat nicht nur mit der Wirtschaftskrise zu tun, meint die linksliberale Tageszeitung El País, sondern mit dem Regierungsstil des Präsidenten: "Entgegen dem, was die Vertreter der UMP behaupten, erklärt sich die schwere Niederlage nicht mit der Wirtschaftskrise und der normalen Enttäuschung über den Präsidenten und seine Regierung, die man gewöhnlich zur Mitte einer Amtszeit ablesen kann. Zu diesen Faktoren muss man einen weiteren dazu zählen, der sicherlich der bedeutendste war: Die Franzosen lehnten eine Art zu regieren ab, die den Präsidenten ständig in den Vordergrund stellt und der im Zwiegespräch mit sich selbst mehr Kraft dafür aufwendet, die Meriten für die Umsetzung der Reformen zu kassieren, als dafür, die Reformen wirklich umzusetzen." (Artikel vom 23.03.2010)

NRC Handelsblad: „Kultur der narzisstischen Führung“; Niederlande

Die Regionalwahlen in Frankreich waren vor allem ein Votum gegen Präsident Nicolas Sarkozy, der sich nun ändern muss, meint die Tageszeitung NRC Handelsblad: "Als Präsident hat er mit der französischen Tradition gebrochen, dass das Staatsoberhaupt im Elysée-Palast sich nicht nachdrücklich mit der politischen Ausführung des Regierungsprogramms befasst. [...] Es hat vermutlich auch nicht viel Sinn, dass er sein Programm ändert. Nicht so sehr seine Reformpolitik wurde abgewiesen als vielmehr ihre Umsetzung und der Mann, der sie verkörpert. Genau wie in der Wirtschaft ist auch in der Politik eine Kultur der narzisstischen Führung entstanden. Der Wähler hat vor allem seine Enttäuschung über die Person Sarkozy zum Ausdruck gebracht. Der Präsident wird im nächsten Jahr also seine Einstellung und sein Verhalten ändern müssen, wenn er die Chance auf eine zweite Amtsperiode haben will. Das ist eine schwere Aufgabe für einen Politiker, der um sich selbst einen Kult aufgebaut hat und darin seine ganze Glückseligkeit gelegt hat."

(Artikel vom 23.03.2010)

Le Soir: „Frankreich braucht einen Präsidenten, der das Land eint“; Belgien

Die Niederlage der Regierungspartei UMP bei den französischen Regionalwahlen zeigt, dass Präsident Nicolas Sarkozy sein Land orientierungslos führt, meint die Tageszeitung Le Soir: "Im Jahr 2007 wurde der Präsident mit einem neuen rechten Programm gewählt. Sein Schwerpunkt lag auf Kaufkraft, Sicherheit und Einwanderungskontrolle. Nun sind all die Pläne durcheinander geraten. Das Versprechen von 'mehr arbeiten und mehr verdienen' ist von der Krise begraben worden. Die Kriminalität konnte auch nicht verringert werden. [...] Die Debatten um Einwanderung und nationale Identität, die das Wiedererstarken der rechtsradikalen Partei Front National verhindern sollten, haben die entgegengesetzte Wirkung erzielt. [...] Zu einem Zeitpunkt, da die Franzosen von einer schweren Krise durchgeschüttelt werden, brauchen sie einen Präsidenten, der das Land eint. Sie brauchen einen Präsidenten, der ihnen Hoffnung macht, indem er ihnen das Licht am Ende des Tunnels zeigt. Die Verantwortlichen im Elysée-Palast scheinen jedoch selbst nicht mehr zu wissen, wohin sie steuern."

(Artikel vom 22.03.2010)

Foto: ©iandavidmuir/flickr