Politik

Mubarak, Ben Ali & Co: Diktatur und dann?

Artikel veröffentlicht am 28. April 2011
Artikel veröffentlicht am 28. April 2011
Sie bewegen sich fort als seien sie Halbgötter, umgeben von Dienern und dem Militär, Luxuswagen, Konkubinen und auf roten Teppichen. Sie steigen den Thron empor wie begierige Blutsauger. Sie lügen und töten diejenigen, die sich ihnen in den Weg stellen, und zwar ohne mit der Wimper zu zucken.
Aber ein paar Wochen reichen manchmal aus, um zu sehen, wie sie ihre ehemaligen Lakaien um Nachsicht bitten. Kurzer Abriss der Diktatoren und ihrer Schicksale.

In den Medien war er als „Pharao“ bekannt. Er verbrachte 30 Jahre in den Tiefen der Wüste, umgeben von Korruption und Militärstützpunkten. Er war so arrogant, dass seine Mundwinkel stets in einem Ausdruck der Verachtung nach unten zeigten, was auch zu seinen weiteren Gesichtszügen passte: eine große Adlernase, spitze Augenbrauen, gefärbte und streng nach hinten gekämmte Haare. Der Despot, der Diktator. Nun ist Hosni Mubarak Gefangener seiner eigenen Angst in einem ägyptischen Krankenhaus; seine Partei wurde aufgelöst, er wird wegen Korruption und der Ermordung von Demonstranten angeklagt, und man vermutet, dass er hingerichtet werden könnte. Seine beiden Söhne sollen ebenfalls zur Rechenschaft gezogen werden.

Mubarak könnte sich somit dem Kreis der arabischen Diktatoren anschließen, die hingerichtet wurden. Dieser besteht momentan nur aus einem Mitglied: Saddam Hussein. Gibt es noch weitere Kandidaten? Gegen den tunesischen Diktator Ben Ali, der in Saudi Arabien im Exil lebt, wurde ein Strafverfahren wegen 18 Vergehen eingeleitet. Ben Ali wird unter anderem Totschlag, Staatsverschwörung und illegaler Drogenhandel vorgeworfen.

Und niemand weiß, was aus dem Medienstar Muammar al-Gaddafi werden wird, dessen arroganter Gesichtsausdruck genauso charakteristisch ist wie seine ausdrucksstarke Art Reden zu halten: schreiend, die Faust wie Hitler stürmisch in die Luft emporhebend, schlägt er mit voller Wucht auf das Rednerpult und bedeckt es mit seiner Spucke.

All diese aufbrodelnde Eitelkeit kann nur in einem Krieg enden. Man nimmt an, dass der Internationale Strafgerichtshof (der immer noch keinen Haftbefehl erteilt hat) Gaddafi ausschalten will, nachdem dieser wieder auf die Seite des Bösen übergelaufen ist.

Das anstrengende Amt des Diktators

Wenn die Staatsgewalt nicht auf legitime Weise durch demokratische Wahlen erlangt wurde, dann ist das Regieren bestimmt kein einfacher Job. Der Despot muss die meiste Zeit und zahlreiche Mittel dafür aufwenden, sein Image zu polieren und Verschwörungen zu verhindern, für mehr Polizeiaufgebot sorgen, die Gefängnisse füllen, zu zensieren. Warum macht man sich so viel Mühe, um in die Geschichte schließlich als Verbrecher einzugehen? Haben sie vielleicht nicht gesehen, welches Schicksal die anderen Diktatoren ereilte?

Schicksal eines Alleinherrschers

Auf Deutsch: "Der große Diktator"Was das Schicksal eines Diktators betrifft, so gibt es vier verschiedene Möglichkeiten: (a) Natürlicher Tod (b) Exil (c) Selbstmord (d) Festnahme, Prozess und Verurteilung. Zur Gruppe der „Glückspilze“ gehören die Völkermörder Stalin, Francisco Franco oder Augustino Pinochet, welcher während seines behaglichen „Ruhestandes“ dahinschied (obwohl er durch einen internationalen Haftbefehl des Richters Baltasar Garzón verfolgt wurde). Heutzutage ist es angebracht anzunehmen, dass der Kubaner Fidel Castro (ebenfalls im Ruhestand) und der Nordkoreaner Kim Jong-Il, die beide relativ alt und krank sind, diese Welt in Watte verpackt verlassen werden.

Das Exil ist eine ziemlich vielfältige Option: Einige müssen betteln, um eine Aufenthaltserlaubnis zu erhalten (wie im Fall des Schahs von Persien), andere verbringen ihren Ruhestand in einem luxuriösen Palast in Saudi Arabien (wie der blutrünstige Militärdiktator Idi Amin Dada aus Uganda). Gegenwärtig wäre noch Jean-Claude Duvalier aus Haiti (alias Baby Doc, Sohn und Nachfolger des gefürchteten François Duvalier) zu erwähnen, der sich seit 1986 in Frankreich im Exil befand, aber erst vor kurzem in seinem eigenen Land gefangen genommen wurde, da er es gewagt hatte, im vergangenen Januar wie ein Messias zurückzukehren.

Es ist unmöglich von Selbstmord zu reden, ohne an den Unmenschen schlechthin, Adolf Hitler, und seinen feigen Abgang aus der Geschichte zusammen mit seiner vermeintlichen Geliebten und seinem Schäferhund, zu denken. Die letzte Gruppe beinhaltet ebenfalls verschiedene Stufen: Benito Mussolini (gefangen genommen und von seinen Partisanen erhängt), Pol Pot (in seiner Hütte ermordet aufgefunden, Gefangener seiner eigenen Leute), Slobodan Milosevic (2001 von der serbischen Regierung an den Internationalen Strafgerichtshof übergeben; im Jahre 2006 unter seltsamen Umständen gestorben), Saddam Hussein (in einem Versteck in Tikrit verurteilt und erhängt aufgefunden)... Gegenwärtig gibt es noch Mubarak und einige lateinamerikanische Militärdiktatoren, wie den Argentinier Jorge Videla, der im vergangenen Dezember zu lebenslanger Haft verurteilt wurde (30 Jahre, nachdem er an der Macht war).

Komplexität der Faktoren

Wodurch wird das Schicksal eines Diktators bestimmt? Der Wille des Volkes, die Raffgier der Schmeichler, sein Nutzen für ausländische Interessen, die Wirtschaft: Die Faktoren sind unzählig und meist nicht offensichtlich. „In Machtkämpfen laufen 75% der Beziehungen im Geheimen ab“, sagte bereitsder ehemalige spanische Ministerpräsident Felipe González. Der von der militärischen Hierarchie ersetzte „Pharao“ ist sicherlich Opfer einer Serie von Verschwörungen seiner Vertrauten geworden, bis er alleine und verlassen war, genau wie das ägyptische Volk in den letzten 30 Jahren.

Fotos: (cc) shahdi/flickr;V ideo: (cc)Youtube; Plakat (cc) ¡¡¡!!!/flickr