Politik

Marine Le Pen erobert Frankreich

Artikel veröffentlicht am 24. März 2014
Artikel veröffentlicht am 24. März 2014

Bei den Kommunalwahlen in Frankreich hat der Front National am Sonntag deutlich zugelegt. Die rechtsextreme Partei kam landesweit auf rund fünf Prozent und hat in mehreren Städten gute Aussichten, nach dem zweiten Wahlgang den Bürgermeister zu stellen. Einige Kommentatoren bewerten das Ergebnis als Ohrfeige für die Regierung. 

Le Figaro - Frankreich

Eine Ohrfeige für Paris

Vor den Kommunalwahlen gab es unter den regierenden Sozialisten die Hoffnung, dass vor allem die Anhänger des rechten Lagers zu den Nichtwählern gehören würden. Doch diese Rechnung ist nicht aufgegangen, schreibt die konservative Tageszeitung Le Figaro und sieht im Wahlergebnis einen Denkzettel für Präsident Hollande: "Man hat uns weisgemacht, dass in den 36. 000 Kommunen ein Mikroklima herrscht, das die Sozialisten vor dem Wind der Enttäuschung und der Wut bewahren würde, der in unserem Land weht. Dass die von den Affären und Führungskrisen entmutigten rechtsgesinnten Wähler lieber zu Hause bleiben würden. Alles falsch! Wieder einmal haben sich die Propheten mit den rosaroten Brillen schwer getäuscht. Auch diese Wahl kann sich dem ehernen Gesetz nicht entziehen, das besagt, dass der Wähler Abstimmungen während der Amtszeit eines Präsidenten nutzt, um seine Unzufriedenheit auszudrücken. ... Die Bestrafung ist wirklich hart und für die regierende Mehrheit eine klare Missbilligung." (24.03.2014)

Artikel veröffentlicht am 24/03/2014

La Liberté - Schweiz

Ergebnis des Front National noch nicht historisch 

In einigen kleineren Städten wie Perpignan oder Avignon haben die Kandidaten des Front National die meisten Stimmen der Wähler erhalten und somit gute Chancen, dort den Bürgermeister zu stellen. Doch entschieden wird die französische Politik in den Metropolen, erläutert die Regionalzeitung La Liberté: "Die 'marineblaue Welle' [Wahlslogan für die FN-Vorsitzende Marine Le Pen] hat Erfolg gehabt. Sie erntet nun die Früchte einer langfristigen Strategie. Ein Durchbruch, der von langer Hand vorbereitet wurde und auf einer soliden Verankerung im Lokalen fußt. ... Doch außerhalb der Wahlperioden hat Frankreich nur Augen für die schönen Mädchen wie Paris, Marseille, Lyon, Lille oder Bordeaux. Dort haben die großen Tiere der [sozialistischen] PS und der [konservativen] UMP noch die ungeteilte Macht. Dort spielt sich die nationale Politik ab. Doch unbestritten wird der Tag der entscheidende Wendepunkt in der Geschichte sein, an dem der Front National eine dieser Metropolen, eine dieser Kronjuwelen, gewinnt." (24.03.2014) 

Artikel veröffentlicht am 24/03/2014

Corriere della Sera - Italien

Gefährlicher Mix aus Populismus und Enthaltung

Der Erfolg des Front National und die große Zahl der Nichtwähler lassen die liberal-konservative Tageszeitung Corriere della Sera Schlimmes für die Europawahlen befürchten: "Wie schon in anderen entscheidenden Momenten der jüngsten Geschichte zieht das Unwetter für Europa wieder einmal aus Richtung Frankreich auf. ... Es offenbart eine Stimmung von populistischer Verbitterung, Ablehnung der Politik und Angst vor Europa, die noch dazu von einer Stimmenthaltung auf Rekordniveau verstärkt wird. Wenn fast 40 Prozent der Bürger nicht an der Wahl ihres Bürgermeisters teilnehmen, ist dies ein Indiz dafür, dass die Krankheit schwer ist und dass sie auch andere Länder befallen kann, derweil der Keim bereits andere europäische Gesellschaften anzustecken droht. Wenige Wochen vor der Europawahl wird es schwer sein - in Frankreich und in Europa - den emotionalen und medienwirksamen Effekt zu begrenzen, der von den französischen Gemeindeämtern ausgeht." (24.03.2014)

Ar­ti­cle veröffentlicht am 24/03/2014