Politik

Map of the week: Gestrandet in Europa

Artikel veröffentlicht am 21. April 2015
Artikel veröffentlicht am 21. April 2015

In der letzten Woche sind erneut hunderte Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa im Mittelmeer ertrunken. Noch nie flohen so viele Menschen aus ihren Heimatländern wie 2014. Wann setzt sich Europa endlich gemeinsam in ein Boot, um die Flüchtlingskatastrophe konkret anzugehen? Unsere Karte der Woche.

Quelle: Eurostat 2014

Eine Bootsfahrt, die ist lustig, eine Bootsfahrt, die ist schön, trällert ein altes Volkslied. Zumindest, wenn man Angela Merkel, Frederik Reinfeldt oder David Cameron heißt und gediegen in Schweden herumgondelt. Genau dieses idyllische Bild hat Amnesty International angesichts der verheerenden Flüchtlingskatastrophe aufgegriffen, um auf die unzureichende Seenothilfe der EU und der europäischen Regierungschefs im Mittelmeer hinzuweisen. Gestern hatte sich die EU jedoch endlich mal ins gleiche Boot gesetzt und einen 10-Punkte-Plan vorgestellt. Wie eine menschenwürdige Asylpolitik in Europa konkret aussehen kann, bleibt aber abzuwarten.

In den letzten Tagen waren wieder mehrere Boote mit hunderten Flüchtlingen vor den Toren Europas gekentert. Im Mittelmeer lassen Menschen ihr Leben, die vor Bürgerkriegen in ihrer Heimat, hauptsächlich aus Syrien oder Libyen fliehen. Noch nie haben so viele Menschen wie 2014 das Risiko in Kauf genommen, ihr Leben für eine Bootsfahrt nach Europa aufs Spiel zu setzen. Die Anzahl der Asylanträge ist zwischen 2013 und 2014 zudem um 44% gestiegen. 626 000 Menschen haben 2014 europäisches Asyl beantragt. Zudem leben hier über 5 Millionen ‚Unsichtbare‘, Einwanderer ohne jeglichen Rechtsstatus.

Die meisten Anträge wurden 2014 in Deutschland gestellt, das letztes Jahr europaweit die größte Anzahl an Flüchtlingen aufgenommen hat (siehe Infografik). Doch es ist wichtig, eine weitere Statistik an Bord zu nehmen. Betrachtet man die Zahl der Flüchtlinge in Bezug auf die Einwohnerzahlen des Landes, ist Schweden der EU-Mitgliedstaat, der 2014 den meisten Menschen Asyl gewährte: Auf 1000 Einwohner kommen hier 8,4 Asylbewerber, während Deutschland nur 2,5 Flüchtlinge pro 1000 Bewohner willkommen heißt. Auch Ungarn nimmt in Bezug auf seine Einwohnerzahlen deutlich mehr Flüchtlinge als seine europäischen Nachbarn auf. Bleibt zu hoffen, dass Europa das Problem nicht weiterhin umschifft und in Zukunft Lösungen bringt, damit nicht noch mehr Menschen in unseren Gewässern ihr Leben lassen müssen.