Politik

Mamma mia Berlusconi: Die Rückkehr einer Mumie

Artikel veröffentlicht am 10. Dezember 2012
Artikel veröffentlicht am 10. Dezember 2012
„Mamma mia“, kommentiert The Economist die Neuigkeit, dass Berlusconi wieder die politische Bühne betreten wird.

„Ignoriert ihn“, so lautet der Rat der italienischen Presse angesichts der Rückkehr Berlusconis auf das politische Parkett. Die linksgerichtete französische Zeitung Libération titelte schlicht und einfach: Die Rückkehr einer Mumie. So sieht der nächste Akt des italienischen Dramas aus, wie auch die New York Times nahelegt. Es beginnt am Tag nach der Premiere an der Mailänder Scala, an einem Samstag. Wenig später stürzt der Euro an den Märkten, wackelig durch die angekündigte Amtsniederlegung von Mario Monti, dem italienischen Übergangspremier, der die italienische Regierung nach der Unterzeichnung der Haushaltsgesetze noch vor Jahresende verlassen soll. Der Euro wackelt jedoch auch aufgrund der Rückkehr dessen, der (nicht nur) laut Martin Schulz zu den Hauptverantwortlichen eines Großteils der Probleme gehört, mit denen Bella Italia aktuell zu kämpfen hat.

„Verzweifelt kehre ich in die Politik zurück, aus einem Gefühl der Verantwortung heraus“, sagte Berlusconi, vor allem angesichts des möglichen Ausfalls seines Wunschnachfolgers Angelino Alfano. Im Fernsehen erschien der Cavaliere dann doch nicht allzu verzweifelt, strotzte vor Energie und machte dem demokratischen Bürgermeister von Florenz, Matteo Renzi, gar den Vorschlag, sich doch mit dem heiteren Haufen der Berlusconi-Partei Popolo della Libertà zu verbünden. Dieselbe Partei, die Monti zur Kapitulation brachte und nach dem Misstrauensvotum regelrecht floh, um „sich nicht im Parlament aufzureiben“. Der abtretende Premier Monti hat sich extra einen Sonntag herausgesucht, um den Italienern die Pille zu versüßen. Unter denen scheint niemand auch nur einmal Partei für die 'Mumie' ergriffen zu heben. Das sagen zumindest die sozialen Netzwerke.

In Erwartung, dass der italienische Präsident Giorgio Napolitano sich innerhalb von acht Tagen öffentlich erklärt, munkelt man, dass Monti (vielleicht aus einem Überschuss an Diensteifer, vielleicht auch aus schlagartiger Reue heraus) nun doch begonnen habe zu überlegen, ob er nicht gleich selbst an den Wahlen im Frühling teilnehmen solle.

Cavaliere: Gekommen, um zu siegen

Unterdessen ignorieren nur wenige den Raubbau des Cavaliere, der erklärte, er sei „gekommen, um zu siegen“. Damit hat er es wieder einmal geschafft, sein Wähler-„Potential“ zu zerstreuen, indem er gezielt das Augenmerk von den wichtigen Dingen weglenkte: dem laufenden Ruby-Prozess, dem Fall Mediaset, aufgrund dessen ihm eigentlich der Zutritt zu öffentlichen Ämtern untersagt worden war, und der Reform des Wahlrechts – all das nun verbannt auf die Hinterbank der Prioritäten im Stiefel.

Foto: (cc)txmx2/flickr