Politik

Malta wechselt zum Euro

Artikel veröffentlicht am 4. Januar 2008
Artikel veröffentlicht am 4. Januar 2008
Seit dem 1. Januar 2008 kann man in Malta und Zypern mit dem Euro zahlen. 15 Staaten sind damit in der Eurozone. Ein Tag in der Hauptstadt des kleinsten Mitgliedstaates der EU.

7.30 morgens. Durch das Stadttor von Valetta drängen sich Menschen auf dem Weg in die Büros. Die Geschäfte öffnen und bereiten sich auf die ersten Kunden vor. Überall sprießen Händlerstände aus dem Boden. Alles läuft wie immer in dem winzigen Staat, einmal abgesehen davon, dass dieser gerade zum zweiten Mal innerhalb von 45 Jahren seine Währung wechselt.

Schon seit der Unabhängigkeit 1964 kämpft der kleine Inselstaat ununterbrochen um wirtschaftliches Wachstum. Das Inseldasein bringt Einschränkungen mit sich, wie zum Beispiel einen Mangel an natürlichen Ressourcen und hohe Transportkosten. Schon früh hat sich maltesisches Investment daher auf Sparten wie Bildung und Humankapital konzentriert und gut daran getan. Auf diese Weise entwickelte sich eine wissensbasierte Gesellschaft. Die Sektoren Informatik, Bildung, Finanzen und Gesundheit weisen exzellente Ergebnisse auf. Besonders diese Bereiche konnten dazu beitragen, das Staatsdefizit, welches 1998 ein Rekordtief von beinahe 350 Millionen Euro bei nur 400.000 Einwohnern erreicht hatte, zu reduzieren. Dank des Defizitrückgangs und dem Wirtschaftswachstum der letzten 3 Jahre ist Malta heute mehr als bereit, der Eurozone beizutreten.

Neuer Alltag

"Die Einführung des Euro wird der Industrie weiterhin gut tun", sagt Carl Falzon, ein Student für Management mit Schwerpunkt Tourismus der Universität Malta. In einer Snack-Bar in der Nähe der St. John’s Kathedrale fährt er fort: "Durch die Einführung des Euro wird es in einem stetig wachsenden EU-Markt immer einfacher für Touristen, nach Malta zu kommen."

Und was bedeutet der Euro für das tägliche Leben? "Der Euro macht es den Menschen möglich, Preise zu vergleichen", erklärt Carl. "Einige Geschäftsinhaber werden wohl versuchen, den Währungswechsel für eine Preiserhöhung zu nutzen. Aber das National Euro Changeover Committee (NECC) hat schon lange im Voraus eine Kampagne durchgeführt: unter anderem mit doppelter Preisnotierung und Preisüberwachung. Die meisten Leute sind gut informiert."

Ein "Willkommen!" für den Euro

Es gibt noch mehr gute Nachrichten von Seiten der EU. Nach einer Konferenz der europäischen Kommission in Malta entschied diese, die maltesische Strategie zum Währungswechsel auf den Euro als Richtlinie für noch kommende Euro-Aspiranten einzurichten. Der 6. Kommissionsbericht über die praktischen Vorbereitungen der zukünftigen Erweiterung der Euozone zeigt, dass 74 Prozent der maltesischen Bevölkerung innerhalb der Eurozone bestens informiert sind. Zudem sind nur 33 Prozent der Malteser Euroskeptiker. Das ist der geringste Prozentsatz unter allen EU-Mitgliedstaaten.

Auf dem Weg zum Parlament frage ich mich zu Dr. Jason Azzopardi durch, einem jungen Abgeordneten der christdemokratischen Fraktion im Europaparlament. "Für ein Land wie unseres, das den Großteil aller Rohstoffe importieren muss, bringt der Wechsel zum Euro große Vorteile mit sich", erklärt er mir, nachdem wir uns in ein kleines Café an dem malerischen Queen’s Square gesetzt haben. "Und diese beschränken sich nicht nur auf Geschäftsbeziehungen mit EU-Staaten.

Seit der Euro eine Währung von globaler Bedeutung geworden ist, wickeln selbst einige Nicht-EU-Staaten ihre internationalen Transaktionen in Euro ab. Das könnte dazu führen, dass noch mehr ausländische Investoren von unseren gut ausgebildeten Arbeitskräften angezogen werden und Malta als ein Sprungbrett auf den EU-Markt nutzen."

(Intext-Foto: l'oro/flickr)