Politik

Liebe auf den ersten Klick

Artikel veröffentlicht am 13. Februar 2006
Artikel veröffentlicht am 13. Februar 2006
Immer mehr Europäer greifen auf der Suche nach der großen Liebe zur Tastatur. Was, wenn der Traumpartner nur einen Mausklick entfernt ist? Durch das Internet werden Hemmschwellen und Ländergrenzen blitzschnell überwunden.

Seifenblase72 lächelt geheimnisvoll, stolz und geduldig. "Wer eine megabombasse75 sucht, liegt hier falsch" verkündet sie, die schon so manchem Panther72, allnightlong43, oder 987345 den Kopf verdreht hat. Fast jeder Zweite ihrer über 3000 Besucher hat sofort für sie geflasht und dafür wahrscheinlich ein paar Krediz hinlegen müssen. So auch Michael, alias tippmirwas2 aus Berlin. "Mit einem Flash kann man ohne viele Worte zeigen, dass einem eine Frau auf Anhieb gefällt, dass es sozusagen Liebe auf den ersten Klick war." Er hat sich über seine Partnerbörse Meetic auf die Suche nach Frauen aus Paris gemacht. "Paris ist der Wahnsinn, superhübsche Mädels, und wo in Berlin bei meinen Kriterien nur 25 Mädels in Frage kommen, sind es in Paris über 500."

12 Millionen Besucher im Monat

Geflasht und gechattet wird in ganz Europa, was die Tastatur hält. Allein in Deutschland, Frankreich und England besuchten laut den Spezialisten in Sachen Internetbesucherzahlen Nielsen/Net Ratings im Laufe eines Monats über 12 Millionen Internetbenutzer Online-Partnerbörsen. Doch tippmirwas2 ist mit seinem Ausflug von Berlin nach Paris noch die Ausnahme. "Die Möglichkeit, z.B. bei Meetic, Partner aus dem Ausland kennenzulernen, wird primär von Singles genutzt, die in Grenzgebieten wohnen", so Henning Wiechers von Singleboersen-vergleich.de. Dabei bietet sich das Internet dafür an, und Flirtbörsen wie Meetic, Match, oder Parship machen damit viel Werbung. "Auf der Startseite von Meetic kann man auf das gewünschte Land klicken und dort nach einem Partner suchen. Liebe kennt eben keine Ländergrenzen", meint Christian Köhler, Deutschland-Manager von Meetic, das sich mit seinen nach eigenen Angaben 13,9 Millionen registrierten Profilen aus dreizehn europäischen Ländern zur europäischen Nummer Eins unter den Online-Partnerbörsen gekürt hat. Täglich kommen neue Mitglieder hinzu.

Der Boom des Onlineflirts ist den Medien nicht entgangen. Die amerikanische Onlineversion von Businessweek hat schon einen Namen für die neue Generation gefunden, für die "Onlinesein eine Lebensart geworden ist": die „Generation @“. Die BBC bezeichnet das Jahr 2006 als das des digitalen Bürgers. Onlinezeitschriften wie Die Gegenwart diskutieren die Auswirkungen von "Social Software" auf die Zukunft des Webs: Neben Online-Flirtbörsen sind das vor allem Weblogs, also Online-Tagebücher, und „Wikis“, die sich durch ihre Interaktivität und die Möglichkeit, Informationen zu teilen, auszeichnen.

Der Panther hat Beute erlegt

Der Report von singleboersen-vergleich.de sieht vor allem in den veränderten Lebensumständen einen Grund für den Boom der Online-Partnerbörsen. Für die „Generation @“ spielt das Internet eine große Rolle. Der Schritt, es auch für die Suche nach der großen Liebe zu nutzen, ist da nicht mehr groß. Die junge Generation wechselt häufig den Wohnort und lebt in Großstädten – Einsamkeit ist die Kehrseite dieser Entwicklung. Die schnelle, effiziente, Dank WAP, SMS und I-Mode zeit- und ortsungebundene Suche erleichtert die Suche nach dem Traumpartner.

Im Großstadtdschungel von London beispielsweise: Panther72 hatte so seine Probleme, dort die Richtige zu finden: "Ich bin beruflich sehr eingespannt. Online habe ich da höhere Chancen, meine Traumfrau zu finden, da ich mit viel mehr Frauen in Kontakt komme." Der Panther hat Beute erlegen können. Nach zwei Monaten täglicher Suche lernte er Lilli im Chatraum kennen. "Ich gab ihr meine Nummer und als sie am Abend tatsächlich anrief, und ich ihre Stimme hörte, wusste ich sofort, dass sie die Richtige ist." Lilli war sich nicht so schnell sicher. "Erst nachdem wir zwei Wochen lang fast täglich miteinander telefoniert hatten, hab ich mich getraut, ihn zu treffen." Sie schätzt Online-Flirtbörsen vor allem, weil man vieles schon im Vorfeld klären kann: "Man lernt sich anders kennen, erstmal über das Schreiben, nicht über das Visuelle. So kann man Schritt für Schritt einen Eindruck vom Gegenüber gewinnen."

Warnung vor zuviel Optimismus

Wie bei den meisten Online-Partnerbörsen musste Lilli nicht für ihr Flirtabenteuer bezahlen. Denn Frauen sind gegenüber Männern in der Minderzahl. Auch für Männer ist die Suche zwar meistens kostenlos, aber wenn man einmal glaubt, die Richtige gefunden zu haben, wird Mann wird zur Kasse gebeten: Bis zu 200 Krediz kostet eine Vermittlung. Die Kosten für ein Krediz schwanken dabei von Börse zu Börse - bei Meetic kostet Einer einen Cent. "Im Jahr 2005 haben die europäischen Singles auf der Suche nach der großen Liebe im Netz etwa 160 Millionen Euro ausgegeben. Wir gehen davon aus, dass sich das Marktvolumen bis 2010 in etwa vervierfacht", so Dr. Arndt Roller, Geschäftsführer von Parship. Doch Marktforschungsinstitute wie Jupiter Research warnen vor zu viel Optimismus in den Online-Dating-Markt. Dieser könnte wie die übertriebenen Hoffnungen in den Neunzigern im Zuge des New-Economy-Wahns platzen. Und die Männerträume, die Seifenblase72 verheißt, gleich mit.