Politik

Libanon: die Illusion des Friedens

Artikel veröffentlicht am 26. September 2007
Artikel veröffentlicht am 26. September 2007
Nach der feindlichen Videobotschaft an Frankreich und Spanien vom 21. September sind islamistische Gruppen im Libanon bereit, die scheinbare Ruhe "in der Schweiz des Mitttleren Ostens" zu brechen.

Weg mit den Euphemismen! Frankreich, Italien, Polen und Spanien sind nicht wegen einer Friedensmission im Süden Libanons; vielmehr ist ihre Aufgabe das Eingreifen in den Frieden. Zwischen den beiden Begriffen besteht eine Kluft und in diesem Festungsgraben befinden sich die islamistischen Gruppen. Laut Geheimdienstberichten der UNO bedrohen bis zu sechs terroristische Splittergruppen die Sicherheit der Truppen der United Nations Interim Force im Libanon (UNIFIL), deren Mandat kürzlich bis zum 31. August 2008 verlängert wurde. Die Truppen wissen es, Europa weiß es und auch Setefilla Garrido wusste es. Sie ist die Großmutter eines 20-jährigen Soldaten aus Sevilla, der bei einem Angriff getötet wurde. "Ich wusste um das Risiko, aber mein Enkel wusste eine Sache, die darüber stand: dass er denen helfen wollte, die seine Hilfe brauchen. Wenn es diesem Land durch seinen Tod besser geht, wenn der Frieden erreicht wird, dann wird er ihn auch in seinem Grab haben", sagt sie.

Reales Risiko

Im Mai dieses Jahres informierte die UNO die spanische Regierung (die mit 1100 Soldaten die drittstärkste Truppenzahl stellt), dass sie "sehr wachsam" sein müsse: Der Grund sei die Vermehrung der sunnitischen Gruppen, trotz der Präsenz ausländischer Soldaten an der Grenze zu Israel, sowie der wachsende Handel mit illegalen Waffen aus Syrien und dem Iran. Das spanische Verteidigungsministerium nahm diesen Rat an dem Tag zur Kenntnis, an dem eine Bombe sechs spanische Soldaten in der Nähe der Basis Miguel de Cervantes tötete: am 24. Juni dieses Jahres.

Das Risiko war real. "Es sind Gruppen, die durch den Schmuggel, den sie fest in den südlichen Dörfern etabliert haben, an Stärke gewinnen. Seitdem wir im September 2006 hier angekommen sind, hat es mehrmals Probleme mit ihnen gegeben", gibt einer der Soldaten der spanischen Abteilung zu, der in diese Zone versetzt wurde.

Flüchtlingslager benutzen

Die Zonen, in denen Terrorgruppen wie Ein el Hilweh oder Jund Al Sham am aktivsten sind, sind die ärmsten Gebiete. Hier lassen sich die palästinensischen Flüchtlinge nieder. Diese Gruppen werden als Sympathisanten von Osama Bin Laden gesehen und befinden sich in Sidon, wo die meisten Attacken gegen die UNIFIL verübt wurden. Von dort breiten sie ihren Einfluss aus und spinnen im Stil der Hamas in Palästina ein dichtes Netz der sozialen Hilfe - und gewinnen so die Unterstützung der Libanesen. Die ausländischen Truppen helfen ihnen zwar gegen die Israelis, sind aber dennoch ein vom Westen eingesetztes Hindernis: Dies ist ihre Art zu denken. Deshalb gibt es Angriffe auf Militärcamps, und deshalb gibt es ganze Dörfer, die es ablehnen, mit den internationalen Truppen zu kooperieren.

Die europäischen Regierungen haben die Kontakte mit der Palästinensischen Autonomiebehörde verstärkt und sind sich darüber bewusst, dass fünf der wichtigsten Gruppen, die die UNO-Truppen bedrohen (Fatah Intifada, Fatah Al Islam, Jund Al Sham, Osbat Al Ansar und Jund Allah) aus Abspaltungen der Palästinensischen Befreiungsorganisation entstanden sind. Als hätte der palästinensische Präsident Abbas nicht genug interne Probleme - muss er zusätzlich die Radikalen festnehmen, die sich laut UNO in den 12 palästinensischen Flüchtlingslagern im Libanon befinden. "Wahre Waffenlager für Sprengstoff, Autobomben und leichte Waffen", laut Spanien, das seinen Truppen empfiehlt, sich einigen dieser Enklaven fern zu halten. Seitdem der letzte Krieg nach 38 Tagen im Sommer 2006 zu Ende ging, hat die UNIFIL schon fünf terroristische Trainingslager ausfindig machen können. Diese wurden von Fatah Al Islam und Jund Al Sham geführt, den beiden Gruppen, die Al Qaida am nächsten stehen. Sie sind laut internationalen Beobachtern verantwortlich für "mittelschwere Attentate auf Hotels und westliche Gebäude", wie zum Beispiel für ein Attentat ohne Verletzte auf die US-amerikanische Botschaft in der Hauptstadt Beirut. Sie vollziehen ebenso "konstante Angriffe von geringer Intensität" gegen die Blauhelme.

Hisbollah gibt den Europäern Rückendeckung!

Angesichts der Klagen der europäischen Staaten, deren Truppen südlich des Flusses stationiert sind (die Zone, die Israel am nächsten ist), haben die Führer der Hisbollah der französischen, italienischen und spanischen Botschaft versichert, dass ihre Kämpfer der UNIFIL Rückendeckung geben und Angriffe der Al Qaida verhindern würden. Die Hisbollah ist nicht nur eine Terrorgruppe, sondern vielmehr eine Lebensphilosophie für eine beträchtliche Anzahl von Libanesen. So behauptete es zumindest der angesehene Journalist des Independent, Robert Fisk, im Juni. Die Truppen der UNIFIL haben die Stabilität zurück in den Libanon gebracht. Sie konnten verhindern, dass Israel den Luftraum des Landes durchquert und sind eine Garantie für eine gesicherte Südgrenze. Deshalb verpflichten sich sogar Terroristen, die innerhalb des libanesischen Staates einen eigenen Krieg führen, sie zu schützen. Andererseits sind die Stützpunkte der UNO jeden Morgen der Gefahr der Al-Qaida-Infanterie ausgesetzt.

Al-Qaidas Nummer zwei bedroht Frankreich und Spanien und verlangt das sofortige Ende des Truppeneinsatzes von UNIFIL im Libanon