Politik

Lebensläufe im Schatten der Subprime-Krise

Artikel veröffentlicht am 7. Oktober 2008
Artikel veröffentlicht am 7. Oktober 2008
Vom blutjungen Anfänger bis zum alten Hasen - sie alle bekommen die Folgen der amerikanischen Immobilienkrise in ihrer Arbeitswelt zu spüren. Jobverluste, Prämien und Gehaltserhöhungen ade - ein Auf und Ab, im Rhythmus der weltweiten Börsenbewegungen.

Lola, 29 Jahre, London: « Ich werde einen besseren Job finden, wenn die Krise vorbei ist. »

©Word Freak/flickrAus wirtschaftlichen Gründen wurde Lola vor kurzem entlassen und blickt trotzdem zuversichtlich in die Zukunft. Schon als Studentin war sie überaus motiviert und bereit eine Menge Opfer zu bringen, um in einer der großen Banken in der City Fuß zu fassen, dort wo das wirtschaftliche Herz Europas schlägt. Nachdem sie einige Jahre lang wichtige Erfahrungen gesammelt hatte, schaffte sie den Sprung in eine der am meisten anerkannten Banken, mit Sitz in Canary Wharf. Trotzdem sieht sie die Situation relativ gelassen und sagt sich, dass sie in einigen Monaten eine ebenso interessante Anstellung finden wird, wenn der Sturm sich gelegt hat. Im Augenblick widmet sie sich ihrer Beziehung.

Anonym, 60 Jahre, Paris : « Nie mehr wie vorher »

©~BostonBill~/flickrMr. X begann mit 15 Jahren in der Finanz zu arbeiten - in den 1960er Jahren, als sich alle Vorgänge noch tatsächlich auf dem Börsenparkett abspielten. Er hat alle Etappen der Karriere durch, trug zunächst Säcke mit Goldstücken, gründete schließlich sein eigenes Börsenunternehmen in den 1980er Jahren. In dieser Periode erlebten die Finanzmärkte und die Länder der europäischen Union ein außerordentliches Wachstum. Während dieser verrückten Jahre verkehrte Mr. X an allen angesagten Orten der Stadt und traf alle, die zu jener Zeit Rang und Namen hatten. Sein Adressbuch und das angehäufte Vermögen konnten sich sehen lassen.

Mr. X erlebte Streitereien, Kurseinbrüche, Massenunruhen und Tote. Er jonglierte mit Adrenalin, großen Geschäften und meisterte so manche Krise. Lebendige Erinnerungen an die gute alte Finanzwelt und ein Haufen leidenschaftlicher Anekdoten lassen ihn zu mancher Stunde nostalgisch werden. Gerne würde er mit einer positiven Bemerkung schließen, doch in der aktuellen Lage fällt ihm kaum etwas Gutes ein. Viele der Banken, deren Aufstieg er einst miterlebte, sind nun zusammengefallen wie Kartenhäuser oder schwanken gefährlich und er fragt sich, was für die kommende Generation übrig bleiben wird.

Anonym, 39 Jahre, Mailand: « Wir stecken in der Sackgasse »

©sean's jawns/flickr

Es war in den 1990er Jahren als Mr. S. seine Karriere begann, in einer ähnlichen Lage wie sie Oliver Stone sehr treffend in seinem Film Wall Street (1987) beschreibt. Auf die harte Tour geschult an den Märkten, entlassen nach dem Einbruch der Schwellenländer 1998 hat er gelernt, wieder aufzustehen. Dank seiner Kontakte kann er noch immer recht gut leben. Seit 1998 sammelte er verschiedene Erfahrungen, sein Lebensstandard war unverändert gut. Er hat gelernt, sich nicht nur auf eine einzige Sache im Leben festzulegen, um nicht vom Auf und Ab der Finanzmärkte aus der Bahn geworfen zu werden.

Anonym, 26 Jahre, Paris: « Geschickt aus der Affäre ziehen »

©jungle/arctic/flickr

Mr. T. ist überzeugt davon, dass er eine Glückssträhne hat. Er war im August 2007 eingestellt worden. Nur einige Wochen später wären die Jobaussichten auf dem Finanzmarkt wohl katastrophal gewesen. Auf der anderen Seite weiß er um den Ernst der Lage und sagt sich frustriert, dass man eben ein bisschen abwarten müsse, bevor man die erhoffte Gehaltszulage bekomme. Schlimmer noch glaubt er, dass er vielleicht nie jene goldenen Börsenzeiten erleben wird wie seine Vorgänger. Angesichts des Börsenindex denkt er auch daran, wie sich die Dinge entwickeln werden - Er könnte bald entlassen werden. Trotz allem glaubt er angesichts seiner Leidenschaft für die Wirtschaft und Finanzmärkte an bessere Zeiten.