Politik

Knappe Kaczynski-Pleite: Polen wählt Komorowski

Artikel veröffentlicht am 5. Juli 2010
Artikel veröffentlicht am 5. Juli 2010
Bronisław Komorowski hat die Präsidentschaftswahl in Polen gewonnen. Nach Auswertung von 95 Prozent der Wahlkreise kommt er auf 52,6 Prozent der Stimmen, sein Herausforderer Jarosław Kaczyński auf 47,4 Prozent. Die Wahl Komorowskis ist Ausdruck politischer Reife, meint die Presse und lobt den Politikstil des neuen Staatsoberhaupts.

Süddeutsche Zeitung: "Erkenntnis: Polen kann seine Souveränität nur im Bündnis mit den westlichen Demokratien stärken"; Deutschland

Mit Bronisław Komorowski haben sich die Polen einen diplomatischen Präsidenten gewählt, schreibt die linksliberale Süddeutsche Zeitung: "Ein Großteil der Wähler hat sich nicht für den blassen, stets hölzern wirkenden Komorowski entschieden, weil er sie als Politiker überzeugen würde, sondern weil sie auf jeden Fall Kaczynski verhindern wollten. Mit seinem Namen ist die Zeit des permanenten politischen Streits verbunden. [...] Mit Komorowski ist ein derartiger Stil der Konfrontation nicht vorstellbar. Zwar möchte er nicht weniger als die Kaczynskis die Interessen Polens außenpolitisch durchsetzen. Nur versteht er etwas anderes darunter. Als Historiker ist er zur Erkenntnis gelangt, dass Polen seine Souveränität nur im Bündnis mit den westlichen Demokratien stärken kann. Wie sein Parteifreund Donald Tusk, der Premierminister, lässt er sich von dem Motto leiten: Je reibungsloser die EU funktioniert, desto besser ist es für Polen." (Artikel vom 05.07.2010)

La Repubblica: „Tusk hat jetzt freie Hand“; Italien

Der Ausgang der polnischen Präsidentschaftswahl zeugt von Polens politischer Reife, findet die linksliberale Tageszeitung La Repubblica: "Polen bleibt pro-europäisch und modern. 21 Jahre nach der demokratischen Revolution, die den Fall der Berliner Mauer und des Sowjet-Imperiums eingeleitet hat, sendet Warschau der Welt wieder ein Zeichen der Hoffnung, [...] ein Zeichen der Reife und des politischen Engagements. [...] Die Wähler haben den Rat der Kirche ignoriert. Sie hatte ihren Vorzug für den national-konservativen Herausforderer zu verstehen gegeben und muss die Grenzen ihrer Macht im neuen Polen erkennen. [...] Der junge, liberale Premier Donald Tusk, bevorzugter Gesprächspartner des 'neuen Europas', hat jetzt freie Hand. Er muss nicht länger die Behinderung seiner Reformen zur Modernisierung des Landes durch einen Kaczyński fürchten." (Artikel vom 05.07.2010)

Polityka Online: „In reifen Demokratien verhält sich der Sieger so“; Polen

Der Sieger der polnischen Präsidentschaftswahlen Bronisław Komorowski ist seine neue Aufgabe angemessen angegangen und hat die Wähler seines Gegners Jarosław Kaczyński mit ins Boot geholt, schreibt die Onlineausgabe des Nachrichtenmagazins Polityka: "Politisch ist wichtig, dass er seine Hand dem anderen Teil Polens gereicht hat - und zwar dem Polen, das für Kaczyński gestimmt hat. Es ist gut, dass er die Teilung Polens gesehen und versprochen hat, sie zu überwinden. In reifen Demokratien verhält sich ein Sieger so. Es ist ihm nicht erlaubt, Öl ins Feuer zu gießen. Mehr politischen Inhalt hingegen hatte die Aussage von Kaczyński nach der Wahl. Er wolle jetzt ausdrücklich in die Rolle des Oppositionsführers schlüpfen - in diejenige des Parteipolitikers. [...] Das ist das, was Kaczyński liebt und am besten kann."

(Artikel vom 05.07.2010)

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