Politik

Klimagipfel in Kopenhagen: Ein Wellenbrecher zivilen Engagements

Artikel veröffentlicht am 18. Dezember 2009
Artikel veröffentlicht am 18. Dezember 2009
Angaben des Nachhaltigkeitsportals Treehugger.com zufolge war «Kopenhagen» am 9. Dezember 2009 das bei Google am meisten gesuchte Wort. Wie beruhigend! Vor Ort in Dänemark versucht die Zivilgesellschaft die Machthaber zu zwingen, ihr Engagement zum Wohle aller zu verstärken. Ein Überblick über den farbenfrohen Kampf gegen den Klimawandel.

Im Kampf gegen die Erwärmung des Planeten repräsentieren die Jugendlichen die Zukunft. Sie sind es, die sich vor den Toren des Bella Centre drängen, dem Kopenhagener Messe- und Konferenzzentrum, in dem die Verhandlungen der UN Cop15 Klimakonferenz stattfinden. Wie aus einem Mund wollen sie sich Gehör verschaffen. Sie erst morgen anzuhören, wäre mit Sicherheit zu spät. Dennoch ist es seit dem 15. Dezember 2009 sehr schwierig, den „Badge“ zu erhalten, der einem Zutritt zum Gipfelgelände verschafft. Einigen NGOs internationalen Formats, Vertretern der Zivilgesellschaft, wurde der Zutritt komplett versagt … und dagegen wehren sie sich. Die Solidaritätwelle müsste eine 180-Grad-Wende vollziehen, denn wir sitzen alle im selben Boot - und laufen Gefahr zu sinken.

Unerschütterlich ziehen die Demonstranten aber weiterhin durch die Straßen von Kopenhagen und versammeln sich vor dem zu einer Festung mutierten Kongresszentrum, hinter den Polizeiabsperrungen, zwischen den „Don’t eat me“-Spruchbändern der als Hähnchen verkleideten Vegetarier-Aktivisten. Sie alle protestieren unter den aufmerksamen und abschreckenden Blicken zahlreicher dänischer Polizeibeamter. Es gab Schläge und Reibereien, deren Bilder am Mittwoch über zahlreiche Fernsehbildschirme flimmerten. Doch Kopenhagen, das sind vor allem auch Infostände wie der über das Arktisprogramm des WWF, Installationen zum Thema erneuerbare Energien und Fotoausstellungen.

Hopenhagen

Kaum setzt man in Kopenhagen einen Fuß auf den dänischen Boden, wird man sich der Anstrengungen der Organisatoren der Klimakonferenz bewusst. Das Kopenhagener Klimaevent ist mit Abstand das größte Ereignis, das die Stadt in den letzten Jahren erlebt hat. Nachhaltigkeit! So könnte das Motto lauten. Dafür genügt ein Blick auf die zahlreichen Protest-Shirts der Demonstranten aus aller Welt, auf die vielen Fahrradfahrer oder der Blick ins Glas eines dieser schmackhaften Bio-Haselnuss-Drinks. Ein globales Medienprojekt für die Zukunft des Planeten.

Die Hopenhagen-Kampagne ziert ihrerseits mit ihrem äußert adäquaten Wortspiel U-Bahn-Schächte, Gebäude und Plätze. Die Schöpfer dieses Slogans sind virtuose Texter, Profis in den Bereichen Werbung und Marketing, die ihre grauen Zellen ehrenamtlich im Dienst einer einfachen Botschaft arbeiten ließen: Hoffnung! Aber selbstverständlich unter einer Bedingung: Handeln! - Jetzt!

Die Macht des Volkes

Die Regierungen und Institutionen sprechen ebenfalls über die Folgen der globalen Erderwärmung, indem sie an die „Macht des Volkes“ appellieren. Die Kampagne „Partnership for a good climate in society and nature“ und die internationale Kampagne für die Rechte von Klimaflüchtlingen (ICCR) handeln in diesem Sinne und arbeiten an einer gemeinsamen Strategie. Die Vereinten Nationen haben „Seal the Deal“ ins Leben gerufen, eine Petition, die die Staatschefs an die Notwendigkeit erinnern soll, ein ausgewogenes und gerechtes Abkommen auszuhandeln. Die Verfasser des Projekts haben nicht nur sehr auffällige Spruchbänder entworfen, sondern auch eine Installation in Form eines Labyrinths auf dem Kongens Nytorv, dem größten Platz in der Kopenhagener Innenstadt, geschaffen.

Auch die dänische Regierung hat keine Mühen gscheut: Ein auf You Tube zu sehendes Video zeigt ein kleines Mädchen, das in einer Wüste erwacht, unter ihren Füßen bricht ein langer bedrohlicher Spalt in der Erde auf. Sie ist gezwungen zu fliehen. Nur ihr weißer Plüschteddy bleibt zurück. Dann verschwindet die Sonne an einem drohenden Himmel. Die Erde wird von starken Fluten überschwemmt. Glücklicherweise war dies nur ein Traum, der jedoch gar nicht so weit von der Wirklichkeit entfernt zu sein scheint, wie einige Ökologen behaupten. Für selbige sei diese Werbebotschaft kontraproduktiv, denn sie inszeniert ein Hirngespinst, während die dargestellten Gefahren an einigen Orten der Welt äußerst real sind.

Fotos: Kris Krüg