Politik

Junge Union: "Die CDU steht Europa am nächsten"

Artikel veröffentlicht am 13. September 2013
Artikel veröffentlicht am 13. September 2013

Einen Monat vor den Bundestagswahlen, mitten im sommerlichen Berlin unterhalte ich mich mit Christoph Brzezinski, dem Landesvorsitzenden der Jungen Union (JU) in Berlin. Wir sprechen über die Europapolitik und ihre  Bedeutung für junge Menschen und über das Wahlprogramm der CDU/CSU. Teil 2 unserer Serie „Jung & politisch.“

Cafébabel Berlin: Du bist bereits seit 2004 Mitglied der Jungen Union. Was hat dich dazu gebracht, dich politisch zu engagieren – und warum gerade in der JU? 

Christoph Brzezinski: Ich habe mich – eher unüblich – schon relativ früh für Politik interessiert, und dann mit ungefähr 16, 17 Jahren überlegt, dass es vielleicht ganz gut wäre, aktiv was zu machen. Ich war mir am Anfang  tatsächlich nicht so sicher, wo ich hinwollte  und habe mir damals Treffen verschiedener Jugendorganisationen angeschaut. An der Jungen Union hat mich die Mischung aus liberaler Politik und sozialer Verantwortung überzeugt . Das ist ja auch die Linie der CDU.

Cafébabel Berlin: Wie sieht Dein Verhältnis zu Europa aus?

CB: Ja, gut! (lacht). Das ist auch einer der Gründe, warum ich mich in der JU engagiere: Die CDU ist ja die Partei, die von der Grundidee her Europa am nächsten ist. Ich bin der Meinung, dass es nach wie vor das wichtigste politische Projekt ist, vor allem für unsere Generation. Denn wir halten viele Sachen für selbstverständlich, können uns an die Zeiten, wo das Leben in Europa ganz anders aussah, gar nicht erinnern. Wir finden es schon krass, wenn die britische Flotte plötzlich vor Gibraltar steht um Spanien zu ärgern - früher waren solche Sachen ganz normal. Junge Menschen wissen die europäische Integration oft nicht zu schätzen: Erasmus, eine gemeinsame Währung. Vielen fehlt die Überzeugung für Europa. Daran muss man arbeiten: Dass wir die europäische Integration bewahren, weiter vorantreiben und wertschätzen.

Cafébabel Berlin: Wie sieht die Position der JU zur oftmals prekären Situation von Ausländern in Deutschland aus?

CB: Ich denke, dass man es den Leuten, die hier seit mehreren Jahren leben und geduldet werden, ermöglichen müsste, legal Geld zu verdienen. Das ist nicht genau die Position meiner Partei - aber ich bin der Meinung, dass man die Leute sonst in die Kriminalität treibt, denn man lässt ihnen keine Wahl.

Cafébabel Berlin: Das bringt uns zum Thema Flüchtlingspolitik in Europa. 

CB: Was die allgemeine Situation der Flüchtlinge angeht, muss man dafür sorgen, dass man eine europäische Lösung findet. Wir können ja unmöglich Spanien oder Italien mit dem Problem alleine lassen. Das muss auf der europäischen Ebene geklärt werden, sodass die Leute gleichmäßig in Europa verteilt werden. Da muss sich vielleicht auch meine eigene Partei noch etwas mehr bewegen.

Cafébabel Berlin: Gibt es auf der europäischen Ebene einen Politiker, den du als Vorbild sehen würdest?

CB: Nein, nicht wirklich. Das ist aber denke ich auch ein Problem: es fehlen Identifikationsmöglichkeiten auf europäischer Ebene. Die Politik in Brüssel ist oft sehr weit entfernt von den Bürgern in den einzelnen Staaten. Es würde mehr EU-Identifikation stiften, wenn mehr junge, frische Politiker ins EU-Parlament gehen würden. 

Cafébabel Berlin: Sind die Deutschen zu unsolidarisch mit anderen europäischen Ländern?

CB: Das ist eine Frage, auf die ich natürlich „nein“ antworten muss. Die Situation, insbesondere in südeuropäischen Ländern, ist natürlich gerade sehr dramatisch. Die Bilder von dort berühren, und da muss natürlich geholfen werden. Andererseits hat man auf europäischer Ebene keinen Einfluss auf die Dinge, die in den jeweiligen Ländern stattfinden.  Es kann nicht sein, dass jedes Land eine eigene Wirtschafts- und Finanzpolitik macht und wir dann aber die Schulden vergemeinschaften. Das widerspricht jeglichem Gerechtigkeitsempfinden und ist den Bürgern schwer zu vermitteln. Schuldig an der Situation in Griechenland sind die griechischen Regierungen von vor zehn Jahren oder sogar noch davor, die alles falsch gemacht haben, was man falsch machen konnte - teilweise auch ganz  bewusst, um sich zu bereichern. 

Cafébabel: Du hast gerade gesagt, dass Rettungsmaßnahmen auf europäischer Ebene dem Bürger nur schwer zu vermitteln seien…

CB: Die Leute, die jetzt von der Krise betroffen sind, kann man natürlich gut verstehen. Aber wie willst du den Leuten in Deutschland erklären, dass wir sehr viel Geld für andere ausgeben, wo wir doch genug eigene Probleme haben, wie z.B. Arbeitslosigkeit? Innerhalb der europäischen Integration muss noch viel gemacht werden - aber noch mehr Geld da hineinzupumpen hilft, glaube ich, nicht. Länder wie Griechenland  müssen sich strukturell verändern, und dabei sollte man ihnen natürlich helfen.

Cafébabel Berlin: Du hast Arbeitslosigkeit erwähnt. Was tun gegen Arbeitslosigkeit unter jungen Leuten?

CB: Das ist ein großes Problem, das auch mit der Identifikation mit Europa zusammenhängt. Denn wenn man 20 ist und keinen Job hat und auch keine Perspektiven, dann glaubt man nicht mehr an das europäische System. Wir verlieren jetzt quasi eine ganze Generation! 

Ich denke, dass man das Problem vor Ort lösen muss. Wir Deutschen können lediglich einen Rat geben. Ich bin kein Experte für spanische und griechische Wirtschaft, aber man muss sich etwas Nachhaltiges überlegen. Das wird nicht von heute auf morgen passieren - was natürlich auch ein Problem ist, denn die arbeitslosen jungen Leute brauchen sofort was. Ich denke, es gibt kein Patentrezept, wie man das lösen kann. Leider können wir sie nicht alle nach Deutschland holen und ihnen Ausbildungsplätze anbieten.

Cafébabel Berlin: Vielen Dank für das Gespräch!

Weitere Gespräche der Serie "Jung & politisch" gibt es hier.