Politik

Junge Migranten im rechtsleeren Raum

Artikel veröffentlicht am 16. Mai 2008
Artikel veröffentlicht am 16. Mai 2008
Angesichts der 10 bis 12 Millionen illegaler Einwanderer in der EU ist es notwendig, rechtliche Grundlagen für die Immigration zu schaffen, um eine vollständige Integration in die Gesellschaft zu erreichen.

Am 21. April 2008 haben sich die slowenische EU-Präsidentschaft und Mitglieder der Europäischen Kommission und des Parlaments darauf geeinigt, die Inhaftierung illegaler Einwanderer einheitlich auf höchstens sechs Monate zu begrenzen. Vor allem junge Migranten, besonders Minderjährige, sind der Gefahr des Missbrauchs ausgesetzt. Ein Drittel aller Migranten weltweit sind im Alter zwischen 15 und 25 Jahren. Von heute geschätzten 27 Millionen Opfern von Menschenhandel weltweit - eine Zahl, die nach Angaben der amerikanischen Nichtregierungsorganisation Free the slaves stetig steigt - sind laut US-Außenministerium bis zu 70 Prozent Frauen und 50 Prozent Kinder.

Junge Einwanderer

"Kinder sind schutzlos und können deshalb leicht ausgebeutet werden", sagt Eva Biaudet, Sonderbeauftragte und Koordinatorin für den Kampf gegen Menschenhandel bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). "Junge Leute sollten sich auch selbst einbringen, wenn Richtlinien zur Einwanderung erarbeitet werden."

Jugendorganisationen können eine entscheidende Rolle spielen. "Junge Menschen treiben eine Veränderung der negativen Einstellung gegenüber Migration voran", sagt Ndioro Ndiaye, stellvertretender Generalsekretär der Internationalen Organisation für Migration (IOM). "Sie gestalten eine sicherere, freundlichere und kulturell offenere Welt für Einwanderer. Jugendliche sollten sich aktiv an den Bemühungen der Zivilgesellschaft, internationalen Organisationen und Bildungsinstitutionen beteiligen, um aktuelle Probleme anzugehen."

Die Qualen der Haft

Einwanderer unter 18 Jahren haben dieselben Rechte wie einheimische Altersgenossen. Sie sollten in erster Linie als Kinder behandelt werden, unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus. Dennoch geraten in Europa jedes Jahr mehrere tausend Minderjährige in Abschiebehaft, obwohl die Menschenrechtskonvention der Vereinten Nationen vorschreibt, dass eine Inhaftierung nur als äußerstes Mittel erfolgen darf und möglichst kurz gehalten werden muss. Trotzdem gibt es gegenwärtig, beispielsweise in Großbritannien, keine zeitliche Beschränkung für die Inhaftierung von Kindern - ebenso wenig wie Angaben zu ihrer Anzahl.

Schwierigkeiten wie erschwerter Zugang zu Bildung und zum Arbeitsmarkt sowie Diskriminierung im Allgemeinen, mit denen junge Immigranten zu kämpfen haben, sind vielfältig und tief verwurzelt. Ndioro Ndiaye meint, junge Einwanderer besäßen Schlüsselqualifikationen wie Flexibilität, Erfindungsreichtum, Durchhaltevermögen und Wissbegierde. Darüber hinaus bekommen sie leichter Zugang zu Information und Technologien als ältere Migranten und haben mehr Zeit, die Herausforderungen der Migration zu meistern und von ihren Erfahrungen zu profitieren.

Josep Gonzàlez-Cambray, Attaché des Generalsekretärs für Migration der katalanischen Autonomieregierung, nennt die zentralen Aspekte, die Einheimische zum Thema Migration besonders bewegen: "die Angst vor unkontrollierten Flüchtlingsströmen, eine kritische Sicht auf die 'Ghettoisierung' und Konkurrenz bei der Verteilung von Ressourcen." Nur indem man sowohl die Migranten als auch die aufnehmenden Gemeinden einbezieht, können Einwanderer wirklich in die Gesellschaft integriert werden.