Politik

Juncker Bullshit Bingo: Ein bisschen Spaß muss sein

Artikel veröffentlicht am 9. September 2015
Artikel veröffentlicht am 9. September 2015

Wer sagt, dass offizielle EU-Reden nicht auch Spaß machen können? Wenn ihr begeisterte Follower des europäisch-Brüsseler Twitteruniversums seid, sind euch vielleicht schon die Hashtags #SOTEU und #JunckerBullshitBingo aufgefallen. Obwohl Jean-Claude Juncker der zweite davon sicher nicht sonderlich gefällt, haben sie etwas miteinander zu tun. 

Diesen Mittwoch, den 9. September, wird der Präsident der Europäischen Kommission die berühmte jährliche Rede "State of the European Union" (Abkürzung SOTEU) vor dem gesamten Plenum des Parlaments in Straßburg halten.  Ein Schlüsselmoment für Jean-Claude Juncker, der dabei auf die Herausforderungen der Europäischen Union eingehen und die wichtigsten Arbeitsbereiche der Kommission für 2016 vorstellen wird.

Für den ernsthaften Teil wäre es das. Glücklicherweise kann man das institutionelle Leben aber auch mit Humor und Gelassenheit erleben. So hat vor einigen Jahren eine Gruppe von Bloggern und Twittos eine Art Bingo, das auf den Reden europäischer Politiker basiert, aufgebracht. Das Prinzip ist ganz einfach: Ein paar Tage vor der Rede schicken die Spieler eine Liste mit Begriffen oder Sätzen, die ihrer Meinung nach der Redner benutzen wird. Derjenige, der die meisten Wörter richtig erraten hat, gewinnt das Spiel. Eine unterhaltsame Art und Weise, ernsthaften Reden voller Floskeln zu folgen. Eine Regel ist aber, dass die Namen europäischer Institutionen und Politiker, genau wie der Name der EU, nicht zum Spiel zugelassen sind.

Jon Worth leitet das Spiel. Als Web Consultant und Blogger wird er Schiedsrichter und Unparteiischer sein. Bei einem Spiel, das sich natürlich selbst nicht ganz ernst nimmt, obwohl es einen tollen Preis zu gewinnen gibt. Wie er selbst sagt: „Man muss das Ganze als Versuch von Bloggern und ‚Twitter Nerds‘, die unterhaltsame Seite der europäischen Politik zu sehen, verstehen. Und dabei gleichzeitig den oftmals leeren Wortschatz, den unsere politischen Anführer verwenden, zu kritisieren.“

Eine kleine Neuheit in der Auflage von 2015 ist, dass neben verschiedenen Begriffen (die jeweils einen Punkt bringen), auch Metaphern eingesendet werden können (5 Punkte). In der Tat benutzt Jean-Claude Juncker davon ganz schön viele, auch in kritischen Situationen.  Er sagt dann so schöne Sätze wie “The cow has been skating on thin ice for too long” (Die Kuh ist schon zu lange über dünnes Eis geschlittert), in Bezug auf Griechenland zum Beispiel. Ein wenig Würze kann dem Spiel ja nicht schaden. 

Fünf Jahre Spott

Dieses Spiel, recht bekannt bereits von unseren angelsächsischen Freunden, wurde seit der ersten Rede über den Zustand der Union, 2010 von José Manuel Barroso gehalten, auf die europäische Politik übertragen. Seitdem wurde es mehrmals organisiert, zum Beispiel bei einer Rede von David Cameron im Jahr 2013. Die Urheber dieser europäischen Version waren hauptsächlich Blogger, die sich mit der Politik der EU beschäftigten. Offensichtlich haben sie die Spielregeln ein bisschen vereinfacht. In der klassischen Version muss, sobald eines der gespielten Wörter über die Lippen des Redners kommt, die Person, die das Wort eingeschickt hat, "Bingo!" rufen, oder sogar einen trinken. Dieser Partyspiel-Aspekt wird hier beiseite gelassen. Nicht mit Absicht, sondern weil es nicht anders geht, da die Teilnehmer im Moment der Rede meistens gar nicht vor Ort sind.

Abgesehen davon wäre es aber ziemlich lustig, die Abgeordneten im europäischen Parlament mitten in der Rede des Kommissionspräsidenten "Bingo!" rufen zu hören. Ja, es haben sich in der Vergangenheit bereits einige Mitglieder des Parlaments am Spiel beteiligt. „2013 hatten wir die größte Beteiligung, erklärt Jon Worth. Während die Finanzkrise tobte, hatte Barrosos Rede dann aber trotzdem ein bisschen Einfluss.“

Genau darum soll es beim Juncker Bullshit Bingo gehen. Sich auf freundliche Art und Weise über die geschwollenen Reden unserer Politiker lustig machen. Allein dafür lohnt sich doch schon die Mühe. 

Wenn ihr teilnehmen wollt, schickt eure Vorschläge über Twitter an Jon Worth oder benutzt den Hashtag #JunckerBullshitBingo.