Politik

Jugendgarantie? Nach Sondergipfel garantiert weiter arbeitslos

Artikel veröffentlicht am 13. November 2013
Artikel veröffentlicht am 13. November 2013

Die EU-Staaten wollen innerhalb der nächsten zwei Jahre eine Jobgarantie für alle arbeitslosen Jugendlichen einführen. Das vereinbarten 24 Staats- und Regierungschefs der EU am Dienstag auf einem Sondergipfel zur Jugendarbeitslosigkeit in Paris. Kommentatoren bezweifeln, dass sich dies zumal in den Krisenstaaten finanzieren lässt, und halten Konjunkturprogramme für sinnvoller.

Delo: Europas Placebo-Garantien; Slowenien

Die "Jugendgarantie", wonach jeder arbeitslose Jugendliche unter 25 Jahren binnen vier Monaten ein Angebot für einen Job, einen Ausbildungsplatz oder ein Praktikum bekommen soll, soll in zwei Jahren eingeführt werden. Das vereinbarten die Staats- und Regierungschefs auf dem Sondergipfel in Paris. Für die linksliberale Tageszeitung Delo ein völlig unrealistisches Versprechen: "Durch die beginnende Erholung in der Euro-Zone verschwinden die riesigen Probleme nicht einfach. Auf EU-Ebene hat man sich für eine Heilung in homöopathischen Dosen entschieden. Der EU-Haushalt sieht in den kommenden zwei Jahren für den Kampf gegen das größte europäische Problem [die Jugendarbeitslosigkeit] sechs Milliarden Euro vor. [...] Deshalb ähnelt die Garantie auf einen Job- oder Ausbildungsplatz vier Monate nach einem Arbeitsplatzverlust oder dem Abschluss einer Ausbildung dem Bau von Luftschlössern. [...] Es ist unvorstellbar, dass Krisenländer im Würgegriff der Sparmaßnahmen und der Rezession wirklich Millionen von Arbeitsplätzen schaffen können." (13.11.2013)            

Diário de Notícias: Wachstum oder Geschwür; Portugal

Anstatt nette Worte von sich zu geben, müssen die EU-Spitzen endlich konkrete Schritte gegen die Jugendarbeitslosigkeit unternehmen, fordert die liberal-konservative Tageszeitung Diário de Notícias: "Wenn sich 24 der 28 Staats- und Regierungschefs der EU außerhalb des Rats treffen, kann das Thema nur von besonderer Schwere und Dringlichkeit sein. Und in der Tat: Von den rund 24 Millionen bis zu 25-jährigen Europäern finden 5,5 Millionen einfach keinen Job. Die Jugendarbeitslosigkeit in der EU liegt bei 23,5 Prozent. [...] Und bekanntlich sieht im Süden Europas die Realität noch düsterer aus. [...] Dies ist nun schon die zweite Konferenz über dieses Thema - ohne dass man positive Ergebnissen vorweisen kann. Nun soll eine 'Jugendgarantie' ab Januar 2014 dafür sorgen. [...] Was nicht diskutiert, geschweige denn als vorrangiges Ziel genannt wird, ist die zwingende Notwendigkeit, das Wachstum in Europa zu fördern, um das Geschwür der Arbeitslosigkeit - ob bei Jugendlichen oder allgemein - zu bekämpfen." (13.11.2013)            

Cinco Días: Ohne Konjunktur geht nichts; Spanien

Zur Bekämpfung der Jungendarbeitslosigkeit haben die Staats- und Regierungschefs der EU die Bereitstellung von 45 Milliarden Euro angekündigt. Doch am Ende des Tages entscheidet die Konjunktur über die Chancen der Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt, erinnert die linksliberale Wirtschaftszeitung Cinco Días: "Die eingeplanten finanziellen Mittel dürfen in der Gesamtstrategie der EU nur einen Teil - und nicht einmal den wichtigsten - ausmachen, wenn diese die Jugendarbeitslosigkeit wirklich bekämpfen möchte. Sechs Millionen europäische Jugendliche - wohl die bestausgebildeten aller Zeiten - sehen keine Chance auf eine Stelle und damit auch keine Zukunftsperspektiven. Neue Arbeitsplätze, sowohl für junge Leute als auch für den Rest der Bevölkerung, entstehen nur durch Wirtschaftswachstum. Hilfsgelder sind willkommen, aber am Ende ist ein Beleben der Konjunktur das beste Instrument gegen Arbeitslosigkeit." (13.11.2013)          

taz: Mobilität auch für sozial Schwache; Deutschland

Im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit sollte es auch sozial schwächere Schichten ermöglicht werden, Auslandserfahrungen zu sammeln, fordern die beiden Generalsekretäre des Deutsch-Französischen Jugendwerks in der linken Tageszeitung taz: Die größte Herausforderung sei, "Jugendliche zu erreichen, die aufgrund ihrer sozialen Herkunft und ihres Bildungsniveaus am Arbeitsmarkt benachteiligt sind. Ihr größtes Hindernis ist, dass sie einen Schritt ins europäische Ausland für sich nicht in Betracht ziehen. Deshalb ist es wichtig, dass die bestehenden Möglichkeiten bekannter gemacht werden und die durch einen Auslandsaufenthalt erworbenen Kompetenzen [...] anerkannt werden. Eine solche formale Anerkennung könnte auch jene überzeugen, die sich eine Mobilitätserfahrung bisher nicht zugetraut haben, und dadurch deren Beschäftigungsfähigkeit verbessern. [...] Mobilitätserfahrung außerhalb des eigenen Landes als fester Bestandteil der Ausbildung - das war einmal, zu Zeiten der 'fahrenden Gesellen', selbstverständlich. Heute gilt es, die Chancen dieser Mobilitätserfahrung neu zu beleben." (13.11.2013

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