Politik

Islands 'Beste Partei': "Aus Reykjavik einen Spaß-Ort machen"

Artikel veröffentlicht am 22. Juni 2010
Artikel veröffentlicht am 22. Juni 2010
Stärker als der Vaffanculo Day des Italieners Beppe Grillo, besser als die öffentlichen "Solarbänke" von Horst Schlämmer oder das Streckennetz für Heißluftballons von Gaspard Delanoë in Paris: Jon Gnarr, einer der bekanntesten isländischen Schauspieler, hat den Bürgern von Reykjavik einen Eisbären für den Zoo und kostenlose Handtücher für die Besucher der städtischen Schwimmbäder versprochen.
Der Unterschied? Seine 'Best Party' hat die Kommunalwahlen am 29. Mai 2010 in Reykjavik gewonnen! Ein Interview (total seriös) mit Einar Örn Benediktsson, Ex-Sänger und Trompeter der Band Sugarcubes (Björks ehemalige Band) und Nummer zwei der isländischen Spaßpartei.

cafebabel.com: Was haben Sie den Bürgern von Reykjavik alles versprochen?

Einar Örn Benediktsson: Der wichtigste Punkt unseres Programmes ist, aus Reykjavik einen spaßigen Ort zu machen, eine Stadt, in der man sich amüsiert. Außerdem werden wir Umwelt-Themen sehr ernst nehmen und alles dafür tun, um eine „sauberere“ Politik zu führen. Aber vor allem haben wir versprochen, den Bürgern von Reykjavik neue Hoffnung zu geben.

cafebabel.com: Haben Sie in Ihrer Kampagne auf traditionelle Medien gesetzt?

Einar Örn Benediktsson: Wir haben das Internet sehr intensiv genutzt. Und alle Mitglieder der 'Best Party' haben gemeinsam unser Programm als Cover-Version von "Simply the Best" von TinaTurner gesungen.

cafebabel.com: Sie sprechen von 'Anarcho-Surrealismus' wenn es darum geht, Ihr Programm zu definieren. Was ist damit gemeint?

Einar Örn Benediktsson: Wir lehnen die aktuelle Struktur der politischen Diskussion ab. Die Menschen müssen mehr und aktiv in die Entscheidungen der Stadt Reykjavik einbezogen werden! Eigentlich wollen wir eine Revolution einleiten, für eine neue Art des Denkens in der Politik - eine viel offenere! Zum Beispiel haben wir auf unserer Webseite ein Forum eingerichtet, wo jeder Bürger Vorschläge für die zukünftige Politik der Stadt einbringen kann. 

cafebabel.com: Was sind die Hauptgründe für die ablehnende Haltung gegenüber der traditionellen Politik bei den jungen Wählern in Reykjavik? 

Einar Örn Benediktsson: Nach dem Finanzcrash vor zwei Jahren haben die Politiker, sowohl der rechten als auch der linken Parteien, nichts getan, um die schwierige Situation für die Bürger zu verbessern. Die Wähler der "Best Party" kommen nun sowohl aus dem linken als auch aus dem rechten Lager. Sie fühlen sich von unserem starken Willen, eine wahre freiheitliche Politik und eine offene Diskussion zu fördern, angezogen. 

cafebabel.com: Wie haben denn die anderen Parteien auf Ihre Siegeserklärung reagiert?

Einar Örn Benediktsson: Sie haben uns herzlich aufgenommen. Es ist ja für sie auch eine Chance, Dinge zu ändern. 

cafebabel.com: Also wird es womöglich eine Koalition geben?

Einar Örn Benediktsson: Ja, wir verhandeln gerade mit Samfylking, der sozialdemokratischen Partei, und wir sind auch für Gespräche mit allen anderen Parteien offen. 

cafebabel.com: Wer sind die Mitglieder der "Best Party" und wie sehen Sie die Zukunft nach diesem Sieg?

Einar Örn Benediktsson: Mitglieder der "Best Party" sind Buchhändler, Schauspieler, Angestellte der Stadt Reykjavik etc. Sie kommen aus der Zivilgesellschaft und der Künstlerszene der isländischen Hauptstadt. Unsere Zukunftspläne? Aus Reykjavik eine Stadt machen, in der man Spaß hat!

Fotos: ©Sigvaldij/YouTube, Videos: Sugarcubes: ©tearecords/YouTube; "Best Party": ©Sigvaldij/YouTube