Politik

Irland: Strampeln für Lissabon

Artikel veröffentlicht am 3. September 2009
Artikel veröffentlicht am 3. September 2009
Eine Gruppe Radfahrer aus ganz Europa machen sich auf eine Tour über die grüne Insel, um für eine höhere Wahlbeteiligung beim Referendum über den Vertrag von Lissabon im Oktober zu werben. Grace Cox von Ireland for Europe erklärt uns, was hinter der sportlichen Aktion steckt.

©Grace Cox/privat„Dieses Mal ist alles anders!“ begeistert sich Grace von der Organisation Ireland for Europe am Telefon. Sie organisiert die 700 Kilometer lange Fahrradtour durch Irland, die von der Irischen See bis zum Atlantik und zurück führt. Ziel der Aktion ist es, die irischen Wähler für das zweite Referendum über den Lissabon-Vertrag am 2. Oktober zu mobilisieren. Die Mitglieder von Ireland for Europe, die zu dem stetig wachsenden Lager der Befürworter des Vertrags von Lissabon zählen, sind zuversichtlich. Ihr Projekt haben sie mit Hilfe der EuroCycleTour, einer Brüsseler Initiative, die sich seit 2008 darum bemüht, das Interesse der Europäer an der EU zu wecken, ins Leben gerufen. Der Rückhalt für die Initiative wächst auch in der eigenen Bevölkerung. „Hier im Büro ist so viel los!“ freut sich Grace. „Die Wände sind voll geklebt mit Kalendern und Merkzetteln für kommende Projekte.“ Es sei die Mitarbeit so vieler junger Menschen, die die Radtour zu etwas ganz Besonderem mache. „Schau mich nur an: Ich bin Studentin und engagiere mich. Meine Kollegen hier sind auch alle Studenten. Die Stimmung ist viel besser als letztes Jahr!“

Auf zwei Rädern Solidarität bekunden

Die teilnehmenden Radfahrer kommen aus ganz Europa: Studenten, Berufstätige, politisch Aktive und Radfahrbegeisterte sind extra für die Tour aus Frankreich, Belgien, Spanien, Österreich und der Tschechischen Republik angereist. Zusammen mit den irischen Radfahrern machen sie die 30 Mann starke Truppe aus, die durch ganz Irland strampeln wird. Doch auch andere Radfans, die sich der Gruppe auf dem Weg anschließen wollen, sind herzlich willkommen. Grace erklärt, dass es vielen Berufstätigen schwer fiele, sich eine Woche frei zu nehmen. Daher sind sie auch dann gerne unter den Radlern gesehen, wenn sie nur sporadisch zu den Fahrern stoßen. „Manche Fahrer starten am frühen Morgen und fahren dann so lange, wie sie können. Unsere Wochenenden sind daher etwas hektisch!“ Eine Gruppe aus Brüssel, die ihre Unterstützung für die irische Sache bekunden will, ist auch dabei. „Die Radfahrer aus Brüssel sind ein echter Glücksfall. Sie kommen extra nach Irland, um zu zeigen, dass ihnen unsere Sache wichtig ist. Das ist eine echte Geste der Solidarität: eine wunderbar positives Signal!“

©jmiguel.rodriguez/flickrDie Organisatoren des Projekts haben sich von der ersten EuroCycle Tour, die vor den Europawahlen im Juni 2009 stattgefunden hatte, inspirieren lassen. Die Teilnehmer dieser Tour fuhren mehr als 1.600 Kilometer von Brüssel über die Niederlande und Deutschland bis nach Polen. Die Initiatoren wollten damit ein Gefühl von Zusammenhalt unter den Europäern stiften und zu einer höheren Wahlbeteiligung aufrufen. Das war auch bitter nötig, denn die Statistiken zeigen deutlich, dass die Wahlbeteiligung in der EU in den letzten Jahren von 61% im Jahr 1979 auf 43% im Jahr 2009 stetig gefallen ist. Doch der Vergleich der einzelnen Mitgliedsländer offenbart auch große Unterschiede. Während 90% der Belgier an den Europawahlen 2009 teilnahmen, konnten sich in Polen nur 25% für die Wahl erwärmen. Besonders kritisch ist die Situation in Irland, wo 2008 53% der Wähler an dem Referendum über den Vertrag von Lissabon teilnahmen. Das bedeutet auch, dass die 860.000 Iren, die 2008 gegen die EU gestimmt hatten, einen überproportional großen Einfluss auf eine Milliarde Europäer hatten. Die Frustration vieler EU-Anhänger ist daher verständlich.

Die Reihen der Fahrradfahrer schließen sich

Grace hofft, dass sich die niedrige Wahlbeteiligung dieses Mal verhindern lässt. „Den Leuten wird endlich klar, dass der Vertrag von Lissabon und die Mitgliedschaft in der EU ihr tägliches Leben bestimmt und daher für alle Iren relevant ist. Für junge Menschen gilt das ganz besonders!“ Aber die Jugendlichen sind nicht die einzigen, die sich engagieren. „Es ist wirklich toll zu sehen, wie viele berühmte und einflussreiche Leute sich für die EU aussprechen!“ Die Teilnehmer der Radtour werden in jeder größeren Stadt, die sie passieren, von den jeweiligen Bürgermeistern und Anhängern von Ireland for Europe in Empfang genommen. „Die Tour wird in der Harcourt Street (in Stadtzentrum von Dublin; A.d.R.) vom Dubliner Bürgermeister eröffnet. Entlang des Weges stoßen dann die Leute aus dem Umland zu uns.“

Im Rahmen der Kampagne rund um den Vertrag von Lissabon haben einige irische Berühmtheiten ihre Unterstützung bekundet. So wird die Organisation Ireland for Europe beispielsweise von Pat Cox, einem ehemaligen Abgeordneten des Europaparlaments, geleitet, der bereits eine große Anzahl von Politikern, Fußballspielern und Medienstars, wie zum Beispiel den Nobelpreisträger Seamus Heaney und The Edge, den Gitarristen von U2, um sich scharen konnte. Am 26. August hat außerdem Michael O’Leary, der Vorstandsvorsitzende von Ryanair, den EU-Anhängern seine Unterstützung zugesagt und versprochen, 500.000 Euro allein für Werbung und verbilligte Flugtickets (im Rahmen seiner Medienkampagne zur Unterstützung der EU; A.d.R.) zu spendieren. Grace freut sich über diese Nachricht besonders: „O’Leary hat sogar in Aussicht gestellt, dass er billigere Tickets nach Irland anbieten will, damit die Iren, die im Ausland leben, zum Wählen nach Hause kommen können!“

Für Irlandliebhaber und solche, die es werden wollen

©ah zut/flickrAuf was können sich die Teilnehmer an der Radtour also freuen? „Wir haben eine landschaftlich besonders schöne Route ausgesucht“, verrät Grace. Die Fahrt vom sonnigen Südosten bis zum fernen Westen gehe durch einige der schönsten Flecken Irlands. Von Dublin aus werden die Radfahrer die grünen Wicklow Mountains in Angriff nehmen, bevor ihre Route sie gen Süden nach Carlow und Waterford führt. Nach einem Abstecher in die südwestlich gelegenen Grafschaften Cork und Limerick geht es wieder Richtung Norden an die Atlantikküste. Die Route führt so auch durch die einzigartig schöne Karstlandschaft des Burren (im County Clare; A.d.R.), an den nicht nur die Klippen von Moher grenzen, sondern das auch eine große Anzahl prähistorischer Stätten beherbergt. Von der Galway Bay aus geht es weiter in die Stadt Athlone, bevor die Tour schließlich wieder am Ausganspunkt in Dublin endet.