Politik

Halloween: Ich geb' mir den Kürbisstoß!

Artikel veröffentlicht am 29. Oktober 2008
Artikel veröffentlicht am 29. Oktober 2008
Warum ein Pole mit Kürbissen vor den Kopf stößt und Italiener gesalzene Kürbisse bevorzugen. Europas sprachliche Smashing Pumpkins.

Der 31. Oktober steht vor der Tür und viele Kinder in Europa bereiten Halloween, das zwar als 'amerikanisch' verschrien ist, aber ursprünglich keltische Wurzeln hat, mit großem Enthusiasmus vor. Sie verkleiden sich, dekorieren das Haus mit düsteren Motiven, höhlen Kürbisse aus und schnitzen Fratzen hinein, um Lampen daraus zu machen. Meistens sehen sie zum Fürchten aus, wenn sie durch die Straßen ziehen, um das berühmte Trick or Treat vor Nachbars Tür lauthals von sich zu geben. Und jeder weiß bereits vorher: Wenn es kein Treat gibt, sind die Dummheiten vorprogrammiert.

Halloween wäre ohne Kürbisse nicht das Gleiche. Und auch der Turm zu Babel dieser Woche wäre ohne die orangefarbene Beerenfrucht nicht entstanden. Ein polnisches Kind wird beispielsweise ziemlich wütend, wenn man ihm zu Halloween keine Süßigkeiten gibt und reagiert mit einem Kopfstoß - der in Polen auch Kürbisstoß (z dyni ©Marysia) genannt wird. Der französische oder auch deutsche Nachbar hält sich den Bauch und ist entsetzt: Er kontert höchstwahrscheinlich mit einem Kürbiskopf©Katha! oder tête de citrouille©Jane!

Die niedlichen kleinen Halloweenrabauken versuchen daraufhin zu erklären, dass es sich doch nur um ein Spielchen gehandelt habe. Doch der Nachbar ist nicht zur Räson zu bringen. Er ist und bleibt 'ein großer Kürbis' (essere uno zuccone©Francesca), was in Italien etwa einem Ignoranten entspricht. Der schlimmste Schlingel schmeißt einen Stein ans Fenster, ohne darauf zu achten, dass der Nachbar ihn gesehen haben könnte. Der unvorsichtige Italiener hat höchstwahrscheinlich 'kein Salz im Kürbis gehabt' (non avere sale nella succa©Francesca). Er war ziemlich unvorsichtig.

Die Nacht schreitet voran und die älteren Kaliber ermahnen die Kinder, doch bald ans nach Hause gehen zu denken. Selbige protestieren lautstark: "Ihr werdet noch alle zu Kürbissen werden" (turn into a pumpkin©Nabeelah)! Der Ausdruck stammt aus dem englischen Märchen Cinderella und bezeichnet die Verwandlung in einen trägen Kürbis, wenn man zu langweilig lebt.

Ein kleiner verkleideter Spanier bleibt hartnäckig und fragt seine Mutter, ob er mit seinen Halloweengefährten noch ein wenig durch die Straßen ziehen dürfe. Señora verneint allerdings mit spanischer Freundlichkeit - Sie gibt ihm Kürbisse (dar calabazas©Pedro) - sprich: "eine Abfuhr!"

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