Politik

Glamour-G20: Der 1000 Milliarden Dollar Deal

Artikel veröffentlicht am 3. April 2009
Artikel veröffentlicht am 3. April 2009
Am 2. April einigten sich die Staatsoberhäupter beim G20 in der britischen Hauptstadt auf ein Rettungspaket über 1000 Milliarden Dollar gegen die globale Finanzkrise. Während US-Präsident Obama bereits auf dem Weg zum NATO-Gipfel in Straßburg ist, werfen wir einen Blick auf die Resultate und Launen eines ‚historischen‘ G20.

Erst zweimal, in den Jahren 2006 und 2008, war die Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer - 19 Länder und die EU - zusammengekommen, um globale Wirtschaftsfragen zu diskutieren. 2009 war London im Ausnahmezustand. Außerhalb des abgeschirmten G20-Gipfels machten über 35 000 Demonstranten die Straßen der britischen Hauptstadt unsicher. Die Präsenz von US-Präsident Barack Obama versetzte die Londoner und Medien aus aller Welt in eine regelrechte Euphorie.

©Downing Street/flickrWeit entfernt von den Aktivisten leisteten die Firstladies mit einer ordentlichen Portion Glamour ihren Beitrag zum G20. Sarkozys Göttergattin Carla Bruni glänzte allerdings mit Abwesenheit. Allerdings hätte Michelle Obama ihr wahrscheinlich sowieso die Show gestohlen. Auch Musiker-Veteran und Aktivist Bob Geldof war von der Partie und hauchte der ansonsten doch eher drögen Schachpartie eines Gipfeltreffens ein bisschen Celebrity ein. Doch in den letzten Verhandlungen kurz vor dem Gipfeltreffen wurden Erwartungen nach unten geschraubt, nicht zuletzt, weil Ergebnisse in einigen Dokumenten bereits an die Öffentlichkeit gelangt waren.

Kein Gipfeltreffen dieser Größe wäre komplett ohne grenzwertige Debatten und Spaltermeinungen unter den Schlüsselteilnehmern. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hatte im Vorfeld der Verhandlungen sogar damit gedroht, dem Gipfel den Rücken zu kehren - eine klassisch französische Taktik bei Gipfeltreffen, denn bereits sein Vorgänger Jacques Chirac hatte 2006 eine ähnliche Drohung ausgesprochen. Eine Überraschungs-Pressekonferenz von Sarkozy und Merkel im Vorfeld des Gipfels, als Antwort auf die Pressekonferenz von Brown und Obama, belebte die alte Debatte der Angelsachsen gegen das deutsch-französische Bündnis.

Rette sich wer kann

Schlussendlich konnten sich die Staatsoberhäupter aber auf ein globales 1000 Milliarden Dollar-Rettungspaket im Kampf gegen die Krise einigen und überraschten Kritiker sogar mit der einen oder anderen zusätzlich beschlossenen Maßnahme. 250 Milliarden sollen in den Welthandel fließen, Regulationen im Bankensektor sollen verstärkt werden. Zudem wurde eine Black-List für Steueroasen aufgestellt und mit Sanktionen gedroht. Die Ressourcen des Internationalen Währungsfonds (IWF) sollen außerdem verdreifacht werden. Daraufhin erklärte ein sichtlich abgekämpfter Dominique Strauss-Kahn, der amtierende Geschäftsführer des IWF, dass der Internationale Währungsfonds nun „zurück im Geschäft“ sei. Der britische Premierminister Gordon Brown sagte, es sei “ein Tag gewesen, an dem die Welt zusammenkam, um gegen die globale Rezession zu kämpfen“ - „eine neue Weltordnung“. Obama setzte noch einen drauf und sprach von einem „historischen“ und „beispiellosen“ Gipfel, der ein „Meilenstein in unserem Streben nach einer globalen Wiederbelebung der Wirtschaft“ gewesen sei. Auch Merkel und Sarkozy stimmten in den Reigen ein.

©London Summit/flickr

Niemand kann voraussagen, ob die Vereinbarungen des Gipfeltreffens zukunftstauglich sind. Die Staatsoberhäupter versicherten, dass keine Hals-über-Kopf Lösungen möglich sind und kündigten einen weiteren Gipfel für den Herbst an. Der Erfolg des G20-Gipfels wird sich zeigen, wenn die Staatsoberhäupter wieder nach Hause gekehrt sind. Über die konkrete Umsetzung ihrer Maßnahmen werden Merkel, Sarko, Brown und Co. dann im November in Washington erneut diskutieren können.

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