Politik

Frankreichwahl: Die gespaltene Nation

Artikel veröffentlicht am 25. April 2017
Artikel veröffentlicht am 25. April 2017

In der zweiten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen treten Emmanuel Macron und Marine Le Pen gegeneinander an. Das wenig überraschende Duell zeigt, wie gespalten Frankreich bei den Themen Europa und Globalisierung ist. [KOMMENTAR] 

Die Umfragen haben sich nicht getäuscht. Nachdem sie in Sachen Brexit und Trump völlig falsch lagen und dafür scharf kritisiert wurden, haben sie diesmal das Duell der zweiten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen seit Wochen richtig vorausgesagt. Mit 23,9% bzw. 21,4% der Stimmen haben Emmanuel Macron (En Marche) und Marine Le Pen (FN) die erste Tour für sich entschieden und werden sich nun im zweiten Wahlgang am 7. Mai gegenüberstehen.

Die gleichen Umfragen hatten außerdem seit einiger Zeit und in der richtigen Reihenfolge die ersten vier Gewinner der Wahl vorhergesehen: Auf Macron und Le Pen folgen François Fillon (Konservative, 19,94%) und Jean-Luc Mélenchon (Linksaußen, 19,62%). So betrachtet zeigen die Ergebnisse des ersten Wahlgangs ein Quartett an der Spitze. Was dahinter zum Vorschein kommt, ist ein viergeteiltes Frankreich. Als die Ergebnisse bekannt gegeben werden, liefert uns der verrückte Wahlkampf, dem wir in den letzten Monaten beiwohnen durften, eine völlig neue Erkenntnis: Die Franzosen haben vier ganz unterschiedliche Entwürfe mit ganz unterschiedlichen Zukunftsszenarien unterstützt.

Emmanuel Macron liegt dabei knapp vorne. Ein solcher Triumph war bei der Gründung der Bewegung En Marche! vor einem Jahr noch nahezu undenkbar: ein erst 39-jähriger Kandidat, der sich im Wahlkampf nach und nach behauptet, indem er eine ebenso große wie neue Wählerschaft begeistert, bestehend aus jungen, qualifizierten, gutsituierten und pro-europäischen Franzosen.

Marine Le Pens Wählerschaft war hingegen schnell aufgebaut. Diese treue Stammwählerschaft setzt sich aus den sogenannten „benachteiligten“ und geringqualifizierten Menschen zusammen, die besorgt um ihre Zukunft sind. Die Frankreichkarte der Wahlergebnisse zeigt einen klaren Gegensatz zwischen Ost und West. Sie deckt sich ziemlich genau mit einer Karte, welche die Verteilung von geringqualifizierten Menschen und Regionen mit der höchsten Arbeitslosigkeit zeigt. Der Westen, wo die Bevölkerung höher qualifiziert und die Arbeitslosigkeit geringer ist, stimmte für Macron. Der Osten, wo die Bevölkerung geringer qualifiziert und die Arbeitslosigkeit höher ist, stimmte für Le Pen. Das gleiche Phänomen ließ sich außerhalb Frankreichs beim Brexit-Votum und bei der Wahl von Donald Trump beobachten. 

Das erklärt natürlich nicht alles, im Gegenteil. Aber das Duell zwischen Emmanuel Macron und Marine Le Pen im Mai bietet eine erneute Gegenüberstellung zweier Projekte, die gegensätzlicher nicht sein könnten. In zwei Wochen geraten zwei Lager aneinander, deren ideologischer Kampf unsere Zeit prägt: Die Verlierer der Globalisierung in der einen Ecke, die Gewinner in der anderen. Und ratet mal, wer in Frankreich Schiedsrichter spielen könnte? Europa. Was für ein Comeback, oder?