Politik

Frankreichs Blockbuster: Die Rückkehr des Sarkozy

Artikel veröffentlicht am 22. September 2014
Artikel veröffentlicht am 22. September 2014

Der wahrhaftige Grund dafür, warum die Rückkehr von Nicolas Sarkozy das spannendste Event im Herbst sein wird.

Ich bin kein Riesenfan von Politik. Ich neige wie viele andere Frenchies dazu zu denken, dass unsere Eliten sich nur aus folgendem Grund ein Bein ausreißen: um anschließend wiedergewählt zu werden. Darin ist jetzt nicht gleich ein Vertrauensbruch zu sehen und auch nicht unbedingt Politikverdrossenheit, sondern ganz einfach die Feststellung, dass die Politik nicht über unser Leben bestimmt. Oder darüberhinaus, dass sie vielleicht ganz einfach gar nichts mehr bestimmt.

Doch seit zwei Tagen und intensiver seit gestern Abend, ist mein Appetit für öffentliche Dinge wieder stärker ausgeprägt. Gestern Abend hat Nicolas Sarkozy die Messe gelesen. Um genau 20 Uhr hat der ehemalige französische Präsident (2007 bis 2012) auf einem öffentlich-rechtlichen Sender die Ankündigung über seine Rückkehr kommentiert, die bereits von den größten Medien vorhergesehen wurde und die demnach bestens vorbereitet schienen. Es waren 45 Minuten, in denen der Verlierer der Präsidentschaftswahlen von 2012 weder Fisch noch Fleisch predigte und tatsächlich ziemlich wenig über den Rahmen seines Comeback verlauten ließ. „Ich hatte Lust darauf“, „ich hatte keine Wahl“… der Ex-Präsident bevorzugt das zu tun, was er versprochen hatte nicht zu tun: „die Bilanz aus der fünfjährigen Legislaturperiode zu ziehen“, „über Hollande polemisieren“…

Ich bin mit meinem Interesse für Sarkos Comeback scheinbar auch nicht allein. Da wären noch 8,5 Millionen Fernsehzuschauer der Nachrichten auf France 2, ca. 400 000 andere, die seinen Facebook-Status geliked haben und ein gutes Drittel der Franzosen, die genau auf dieses Comeback gewartet haben. Trotzdem bin ich mir nicht sicher, dass unser Interesse auf den gleichen Gründen beruht. Für mich persönlich gibt es endlich einen triftigen Grund, die Politik in dem zu feiern, was sie an Magnetwirkung noch übrig hat: den Kampf um Macht. Denn laut mir und meinem dumpfen Bauchgefühl ist nur noch das hier geblieben: Gemetzel in Samthandschuhen, mörderische Statements, Zynismus, Lügen, Macken, hinter Hand gehaltenes Lächeln, zuckende Schultern oder Finger, die auf jemanden zeigen.

Die Rückkehr von Sarkozy ist das Versprechen eines Spiels. Der Trailer zu zweieinhalb Jahren Gefechten, die die Konservativen ziemlich erschüttern werden. Nun gut, die Konservativen sind sowieso ungefähr so beliebt wie eine Blinddarm-Entzündung. Und die Exekutive, deren Niedergang ja schon kaum noch zu kommentieren ist, ist immer gerade dann nur interessant, wenn irgendjemand mal wieder seinen besten Kumpel ordentlich runtergeputzt hat. Und dann wären da noch Sarkozys Skandälchen und Affären. Insgesamt sieben an der Zahl. Sie werden wohl sowohl der Intrige als auch den Nebenrollen dienlich sein und uns an den Syllogismus erinnern, dass Gesetze dazu gemacht sind, gebrochen zu werden. Haltet euch also bereit, legt die Chipstüte in Reichweite und vergesst Netflix. Sarko is back, so lautet der Titel eines Blockbuster, der Frankreich schon immer gefehlt hat.