Politik

Europas Korruption kennt keine Krise

Artikel veröffentlicht am 2. November 2010
Artikel veröffentlicht am 2. November 2010
Drei Viertel aller Länder weltweit haben große Probleme mit Korruption. Das geht aus dem aktuellen Index zur wahrgenommenen Korruption von Transparency International hervor. Auch in Bulgarien, Lettland und Irland sind die Ergebnisse kein Grund zur Freude, meinen Kommentatoren.

Svobodata: „Bulgarien ist noch korrupter geworden“; Bulgarien

In Bulgarien herrscht mehr Korruption als im Vorjahr, von Transparency International bekommt das Land magere 3,6 Punkte. Ein ernüchterndes Ergebnis für die Regierung von Bojko Borissow, die 2009 mit dem Versprechen an die Macht kam, die grassierende Korruption und Misswirtschaft im Land auszumerzen, meint Edvin Sugarev in seinem Blog auf dem Portal Svobodata: "Trotz ihrer Milliardenbetrügereien und dem Image, das sie Bulgarien als korruptester Staat Europas angelastet haben, gibt es keinen einzigen verurteilten Minister. Nicht ein einziger Mafiaboss sitzt im Gefängnis. Die lauthals verkündeten und blumig präsentierten Aktionen der Polizei enden für die Angeklagten höchstens in Untersuchungshaft oder im gemütlichen Hausarrest. Zu allem Überfluss ist Bulgarien sogar noch korrupter geworden. Die Korruptionspraktiken sind noch raffinierter und feiner geworden, denn die vermeintlich legale Geschäftswelt zieht nach Kräften mit und tut alles, was in ihrer Macht steht, um das Status quo der Korruption zu verfestigen." (Artikel vom 27.10.2010)

Auf der Skala von Transparency International belegen Deutschland (Platz 15), die Schweiz (Platz 8) und Österreich (Platz 15) vordere Ränge von insgesamt 178 Teilnehmern

Blog Kārlis Streips: „Pfui und nochmals pfui!“; Lettland

Lettland erreicht auf der aktuellen Korruptionsskala von Transparency International 4,3 Punkte von maximal 10. Das ist ein schlechter Wert und außerdem weniger als im vergangenen Jahr, kritisiert Kārlis Streips in seinem Blog auf dem Portal Politika: "Man muss nicht lange nach den Ursachen suchen, wie Transparency International zu diesen Schlussfolgerungen gekommen ist: Bestechungsskandale gab es bei uns jede Menge. Aber was war die Reaktion der Politiker? Unter uns gesagt: keine. Dabei ist das Rating von Transparency International für Lettland eine Schande, und das umso mehr, wenn wir bedenken, dass Estland längst an uns vorbeigezogen ist. [...] [Das regierende Parteienbündnis] Einheit ist dabei, bereits in den ersten Wochen die Menschen zu enttäuschen, die für sie gestimmt haben, weil sie auf mehr Ehrlichkeit in der lettischen Politik hofften. Pfui und nochmals pfui!" (Artikel vom 28.10.2010)

Irish Examiner: „Wilder Westen in Europas Geschäftswelt“; Irland

Irland belegt auf der Antikorruptions-Skala von Transparency International mit acht Punkten den 14. Platz. Das ist zwar eine gute Werbung für Investoren, doch die Einordnung ist nicht ganz korrekt, meint die konservative Tageszeitung Irish Examiner: "Irland mag nicht unter den korruptesten Ländern sein, doch haben wir es geschafft, uns für Praktiken blind zu stellen, die uns den wenig beneidenswerten Titel als Wilder Westen in Europas Geschäftswelt eingebracht haben. Aber dann lag das wieder nur an laschen Regeln und war keine Korruption, und wir warten mit wachsender Ungeduld, dass die Gerichte entscheiden, wo die Grenze zwischen beiden liegt. [...] Die Definition von Transparency International, was Korruption ist, mag zu eng sein, um die vielen Mängel in der menschlichen Natur zu erfassen, die zu jener echten Korruption mit braunen Umschlägen führen. Obwohl wir unsere positive Bewertung feiern müssen, eine Bewertung, die sehr viele Länder gern hätten, sollten wir doch wenigstens ehrlich mit uns sein, was unsere Unehrlichkeit betrifft."

(Artikel vom 28.10.2010)

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Foto: (cc)( Shyroii ) Iris Cebrian/flickr