Politik

Europäische Zankäpfel

Artikel veröffentlicht am 21. Januar 2009
Artikel veröffentlicht am 21. Januar 2009
Europas Äpfel müssen sprachlich für allerlei Dinge herhalten: komische Leute, Flamenco tanzen oder komplettes Chaos.

Eating an apple a day keeps the doctor away ©Nabee (una mela al giorno toglie il medico di torno©Franci), weisen Briten und Italiener ihre europäischen Nachbarn an, dass man sich mit nur einem Apfel pro Tag den Doktor vom Leibe halten könne. Und auch die Spanier wissen die positive Wirkung von Granny Smith, Golden Delicious und Co. auf die Gesundheit zu schätzen: sano como una manzana  ©Pedro('gesund wie ein Apfel') sagt man auf er iberischen Halbinsel. Doch nicht nur das Verspeisen der süßen Frucht des Paris hält den Spanier fit: hier wird auch der berühmte Flamenco mit Hilfe eines Apfels gelernt: Cojo la manzana, la muerdo y la tiro ©Pedro ('Pflück den Apfel, beiß hinein und wirf ihn weg') lauten die Umschreibungen der grundsätzlichen Bewegungen des Flamenco.

Franzosen haben ihrerseits eher die Vergänglichkeit des Apfels im Auge. Hier spricht man davon, 'Falten zu haben, wie ein alter Apfel' (ridé comme une vieille pomme©Jane). Diese abschätzige Sprechweise für alte Jungfern hatte Jacques Chirac in seinem Wahlkampf 1995 jedoch komplett auf den Kopf gestellt. Sein Slogan „Mangez des pommes“ ©Julie ('Esst mehr Äpfel!') wurde zum nationalen Renner und ließ ihn schlussendlich die Wahlen gewinnen.

Aus der griechischen Mythologie wissen wir mit Prinz Paris, dass der „Eris-Apfel“ (den er an Aphrodite gab) auch Unheil anrichten kann. Jak dwie połówki jabłka (wie zwei Hälften eines Apfels) sagen die Polen zu zwei Widersachern. Im Gegensatz dazu sagt man in vielen Ländern Europas, dass der Apfel eigentlich nicht so weit vom Stamm fällt ©Ole (niedaleko pada jabłko od jabłoni/ the apple doesn't fall far from the tree©Nabee).

Nur ein einziger verrotteter Apfel kann aber im Endeffekt alles verderben (a rotten apple/ la manzana podrida©Pedro/ marul putred le strica si pe cele bune©Luciana), wissen außerdem die Briten, Spanier und Rumänen im Einklang. Il suffit d'une pomme pourrie pour gâter tout le tas ©Jane ('ein fauler Apfel genügt, um den Haufen zu verrotten') präzisieren die Franzosen. Da ist das Chaos vorprogrammiert: Engländer erschüttern den Apfelkarren (upsetting the apple cart©Nabee) während Franzosen direkt in Ohnmacht beziehungsweise eben „in die Äpfel“ fallen (tomber dans les pommes ©Jane).

Da müssen ganz schnell Kompromisse her, weiß der Deutsche, der in den sauren Apfel beißt©Ole, um nicht veräppelt©Monikazu werden. Ansonsten wird das beliebteste Fallobst Europas schnell zu einem echten Zankapfel ©Monika (apple of discord ©Nabee, manzana de la discordia ©Pedro, pomme de la discorde ©Jane).

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