Politik

Euro: Ende der Warteschleife für Malta und Zypern

Artikel veröffentlicht am 4. Juli 2007
Artikel veröffentlicht am 4. Juli 2007
Malta und Zypern haben alle Hürden genommen: Nachdem die Europäische Kommission und die EZB grünes Licht gegeben haben, gilt ihr Beitritt zur Eurozone am 1. Januar 2008 als beschlossene Sache.

Zum 1. Januar 2008, ein Jahr nach der Abschaffung des slowenischen Tolars, weichen auch die maltesische Lira und das zypriotische Pfund dem Euro. Zusammen mit sieben anderen Ländern waren Slowenien, Malta und Zypern im Zuge der bisher größten Erweiterung im Mai 2004 der EU beigetreten.

Seitdem haben sich die beiden Inselstaaten im Mittelmeer ohne größere Rückschläge darum bemüht, die Kriterien zur Einführung der Gemeinschaftswährung zu erfüllen. Am 10. Juli treffen sich nun die Finanzminister der EU, um die Entscheidung für eine Aufnahme Maltas und Zyperns in die Eurozone formell zu bestätigen und feste Umrechnungskurse festzulegen. Wie genau lauten eigentlich die Kriterien zur Euro-Einführung? Welchen Einfluss wird der Beitritt Maltas und Zyperns auf die Wirtschaft der Eurozone ausüben? Und nicht zuletzt: Werden die Malteser und die Zyprioten das letzte Wort in dieser Angelegenheit behalten?

Erste Hürde: Die Maastricht-Kriterien

Jeder Mitgliedsstaat, der der Eurozone beitreten möchte, nimmt formal an der dritten Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion teil. Dies setzt jedoch voraus, dass das betreffende Land die folgenden vier "Konvergenzkriterien" (auch bekannt als "Maastricht-Kriterien") erfüllt:

Die durchschnittliche Inflationsrate darf um nicht mehr als 1,5 Prozentpunkte über der Inflationsrate der drei Mitgliedstaaten liegen, die auf dem Gebiet der Preisstabilität das beste Ergebnis erzielt haben.

Das öffentliche Defizit darf nicht mehr als 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts betragen.

Der Wechselkurs muss stabil sein.

Der langfristige Nominalzinssatz darf um nicht mehr als 2 Prozentpunkte über dem entsprechenden Satz in den drei Mitgliedstaaten liegen, die auf dem Gebiet der Preisstabilität das beste Ergebnis erzielt haben.

Eines dieser Kriterien konnten Malta und Zypern nicht ausreichend erfüllen: In Malta lag das öffentliche Defizit im letzten Jahr 6,5 Prozentpunkte über den maximal angesetzten 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. In Zypern betrug es 65,3 Prozent des BIP. Während jedoch erwartet wird, dass der öffentliche Schuldenstand in Malta im Laufe dieses Jahres von 66,5 auf 65,9 Prozent zurückgeht, ist in Zypern sogar ein Rückgang auf 61,5 Prozent wahrscheinlich.

Zweite Hürde: Vox populi

Nicht jeder ist damit einverstanden, die alte Währung aufzugeben. Der für Parlamentsangelegenheiten zuständige, stellvertretende Parteichef der maltesischen Arbeiterpartei (MLP) Charles Mangion, weist auf den Konvergenzbericht hin, der "zeigt, dass sich die soziale Situation der meisten maltesischen Familien seit dem Jahre 2000 nicht verbessert hat".

Auch in Zypern gibt es pessimistische Stimmen. Die englischsprachige Tageszeitung Cyprus Mail prangert die Unkenntnis der Zyprioten in Bezug auf die neue Währung an: "43 Prozent der Zyprioten sind sich nicht klar darüber, dass in allen Euro-Ländern die gleichen Geldscheine im Umlauf sind, und 55 Prozent wissen nicht, dass die Rückseiten der Euro-Münzen von jedem Land selbst gestaltet werden."

Ein Zypriote, so wird zitiert, macht aus seiner kritischen Einstellung zum Euro keinen Hehl: "Die Euro-Einführung bedeutet eine tief greifende Umstellung. Leider ist es wohl zu spät für uns, die Entscheidung für den Euro zu revidieren. Auf Regierungsebene strebt man die neue Währung natürlich an. Verzeihen Sie meine Ehrlichkeit, aber ich wünschte, es wäre anders."