Politik

EU-Gipfel: Wachstumspaket einer vergessenen Generation

Artikel veröffentlicht am 2. Juli 2012
Artikel veröffentlicht am 2. Juli 2012
Der letzte EU-Gipfel in Brüssel hat wiedermal keine Vorschläge unterbreitet, wie gegen die waltende Jugendarbeitslosigkeit gekämpft werden kann. Eine Studie von Eurofund schätzt, dass die Summe, die die Gemeinschaft für unbschäftigte junge Menschen zahlen muss, der Rekapitalisierung der spanischen Banken gleich komme. Wie viel wird die 'vergessene Generation' zukünftig kosten?

Einer wichtiger Gipfel in der Geschichte der Europäischen Union ist letzte Woche zu Ende gegangen. Die Frage der Jugendarbeitslosigkeit ist zwar immer wieder ein Thema der nationalen Politik, wurde aber auf der europäischen Agenda nicht einmal erwähnt. Hauptsächlich ging es um das Überleben des Euro, um den Beitritt einiger EU-Länder zum Fiskalpakt und um die Rettung angeschlagener Banken in Europa.

Um ehrlich zu sein: Die Erwartungen einer ganzen Generation mit leerem Bankkonto wurden während des Gipfels enttäuscht. Diese jungen Leute sind selbst noch nicht wirklich mit Schulden in Berührung gekommen. Sie schimpfen jedes Mal auf die Gemeinschaftswährung, wenn sie sich gerade einmal wieder mühsam das Geld für die Heimreise zusammengekratzt haben.

Im EU-Budget sind nur 0,1% für die Jugend vorgesehen

Wachstumspakt, Bankenunion, Eurorettung, Fiskalpakt: das sind die Worte, die die europäischen Börsen stimulieren und die europäische Presse dazu treiben vorsichtig von Erfolgen zu sprechen. „Super Mario hat gewonnen, aberMerkelhat nicht verloren.“ „Hollande verspricht eine schnelle Generalüberholung des Fiskalpakts“, lauten die Titel.

Jedes Land rühmt sich damit, seine Stimme in Brüssel durchgesetzt zu haben: eine entscheidende Übung, um die Macht im eigenen Land aufrecht zu erhalten. Geduld haben heißt es aber unterdessen für diejenigen, die sich nicht repräsentiert fühlen oder nicht zufrieden sind mit den Entscheidungen, die in diesem Mikrokosmos namens Brüssel getroffen werden. Denn sie sind es, die tagtäglich hart in und für Europa arbeiten. Für das Europa, das nun bereits seit 13 Jahren auf die Gemeinschaftswährung graviert wird.

In welchem Europa wollen wir leben?

In den Tagen vor dem Gipfeltreffen in Brüssel erhielten Herman van Rompuy, der ständige Präsident des Europäischen Rates, sowie die europäischen Staats- und Regierungschefs einen offenen Brief vom European Youth Forum. In diesem Schreiben wird eine stärkere Strategie zur Förderung der Jugend in Europa gefordert. Im EU-Budget sind nur 0,1% für die Jugend vorgesehen“. Ein Prozentsatz, der die Versprechen um den in Brüssel so beschworenen Wachstumspakt in Frage stellt.

Deshalb könnte sich der im Rahmen des Gipfels beschlossene 120 Milliarden Wachstumspakt als unzureichend herausstellen, um das dramatische Problem der Jugendarbeitslosigkeit (22,1% laut OSZE) in den Griff zu kriegen. Laut einer Eurofund-Studie koste die Nichtbeschäftigung junger Menschen die Gemeinschaft 2 Milliarden Euro pro Woche, was mindestens 100 Milliarden Euro im Jahr ausmacht (davon 24 Milliarden allein für Italien). Auch wenn es das Brüsseler Gipfeltreffen vermochte, auf die verschiedenen finanzpolitischen Forderungen der EU-Länder einzugehen, so wäre eine konkrete Politik in Bezug auf die Jugendarbeitslosigkeit wünschenswert gewesen.

Die Fragen des European Youth Forum sind relevant. Was für ein Europa sind wir im Zuge zu gestalten? Es scheint, als hätten all diese mutigen Menschen, die Retter unserer Wirtschaft, die Ritter der Beschäftigung und Propheten des Wachstums schlussendlich vergessen, dass die Wirtschaft – wie alle gesellschaftlichen Bereiche – das Resultat menschlicher Arbeit ist.

Es wird weder Wachstum noch Arbeit und Wohlbefinden geben, ohne dass man die junge Generation mit einbezieht. Das Humankapital einer ganzen Generation, die wichtigste Ressource des EU-Budgets, scheint einmal mehr unter den Tisch gefallen zu sein. Hoffen wir, dass es sicher in einem Safe einer Schweizer Bank verstaut wurde.

Foto: (cc)Emanuele Rosso/flickr