Politik

EU Debate 2014: Mein Vater ist im Fernsehen

Artikel veröffentlicht am 30. April 2014
Artikel veröffentlicht am 30. April 2014

Eu­ro­pa sucht den neuen Bar­ro­so. Dafür lie­fer­ten sich die Kan­di­da­ten für das Amt des nächs­ten Prä­si­den­ten der Kom­mis­si­on einen öf­fent­li­chen Schlag­ab­tausch. Wie sahen das die Zu­schau­er?

Ska Kel­ler, 32, Ger­many, Eu­ro­pean Green Party

 

Über­set­zung: Lasst uns Ska tan­zen mit Kel­ler. Die bringt fri­sche in die De­bat­te und hört sich nach neuer Musik für die EU an.

Ska Kel­ler schlägt einen „Green New Deal“ vor. Sie philosophiert von „einem de­mo­kra­ti­sche­ren Eu­ro­pa, das auf seine Bür­ger Rück­sicht nimmt.“ Die Be­für­wor­ter Kel­ler, spie­len ihre neue Lieb­lings­plat­te. 

Über­set­zung: Ich habe Ska Kel­ler ge­mocht, aber ihre Ant­wor­ten waren nichts als frei as­so­zi­iert. Viele Worte und we­ni­g Lö­sun­gen.

Für ei­ni­ge Leute waren Kel­lers Worte nichts als heiße Luft. Kel­lers Skep­ti­ker waren ihre Ant­wor­ten ein­fach nicht „kon­kret“ genug. Wird sie in diese Ecke ge­drängt, weil sie die jüngs­te Kan­di­da­tin von allen ist?

Über­set­zung: Wer berät ei­gent­lich die Kan­di­da­ten, was sie an­zie­hen soll­ten? Ska Kel­ler ist si­cher.

Ska Kel­ler lie­fert einen be­ein­dru­cken­den Kon­trast zu den drei „alten Män­nern der EU Po­li­tik“. Die Po­li­tik kennt nicht nur die rich­ti­gen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­men, son­dern weiß sich zu klei­den. Sie trug eine knall­ro­te Jacke und lach­te die ganze Zeit. Damit war sie Wel­ten ent­fernt von der rotz­far­be­nen Kra­wat­te von Ver­hof­stadt, Schulz' Zie­gen­bärt­chen und Junckers mor­bi­dem Charm. Grün ist die Farbe der Hoff­nung und rot die Farbe der Lei­den­schaft (Tsi­pras war nicht be­kom­men, um die­ses Label zu ver­tei­di­gen).

Guy Ver­hof­s­tadt, 61, Bel­gium, Eu­ro­pean Lib­er­als

Über­set­zung: Ver­hof­stadt ver­spricht eine 50/50 Quote zwi­schen Män­nern und Frau­en. Mutig!

Der bel­gi­sche Li­be­ra­le wurde für sei­nen Vor­schlag die Kom­mis­si­on pa­ri­tä­tisch zu be­set­zen ge­fei­ert. Er hat tat­säch­lich einen Punkt, da bis­her le­dig­lich 9 von 28 Kom­mis­sa­ren weib­lich sind.

Seine Vi­sio­nen im Be­reich der Wirt­schaft sind weder zeit­ge­mäß noch be­liebt. Er spracht sich wäh­rend der De­bat­te für „we­ni­ger Re­gu­lie­rung“ und „mehr Pri­va­ti­sie­rung“ aus. Ken­nen wir das nicht be­reits?

Über­set­zung: „Das ist mein Vater!“

Am Ende kann Guy Ver­hof­stadt sich auf seine Fa­mi­lie ver­las­sen. Sei Sohn Louis hat ihn sogar im Fern­se­hen er­kannt: „Das ist mein Vater!“

Mar­tin Schulz, 58, Ger­many, Pro­gres­sive al­liance of so­cial­ists and de­moc­rats

Über­set­zung: Wenn ich nicht An­hän­ge­rin der Kon­ser­va­ti­ven wäre, könn­te ich mich für Schulz hin­rei­ßen las­sen … Er hat eine kla­re­re Vi­si­on der EU an­zu­bie­ten als Juncker.

Schulz‘ Nach­richt hat sogar die Kon­ser­va­ti­ven bei­na­he über­zeugt. Wir fra­gen uns al­ler­dings, wel­che klare Vi­si­on für einen gan­zen Kon­ti­nent in den vor­ge­ge­be­nen 30 Se­kun­den zu­sam­men­fas­sen?

Über­set­zung: Ich möch­te ein Im­mi­gra­ti­ons­sys­tem, das die Hoff­nungs­lo­sig­keit be­en­det, die Men­schen in die Hände kri­mi­nel­ler Ban­den spült.

Über­set­zung: Lie­ber Mr. Schulz, wäh­rend sie an ihrer EU-De­bat­te teil­neh­men, soll­ten sie lie­ber unser Elends­vier­tel am Fluss des Crati be­su­chen.

Als es zu der Frage, wer die Füh­rung in Eu­ro­pa über­neh­men soll­te, kam, gab Schulz zu, gerne unser neuer Pop­star zu wer­den. Wir kön­nen nicht war­ten, bis wir ihn neben Bono in den Charts sehen. 

Jean-Claud Juncker, 59, Lux­em­bourg, Eu­ro­pean Peo­ple's Party

Über­set­zung: Juncker war ein will­kom­me­ne Über­ra­schung. Rech­ter, aber in­tel­li­gent, ohne po­pu­lis­tisch zu wer­den.

Einen po­si­ti­ven Tweet über Junckers Per­for­mance an die­sem Abend zu fin­den, war schwer. Guy Ver­hof­stadt ver­höhn­te Juncker, indem er auf die Mit­glied­schaft Ber­lus­co­nis in der sei­ner Eu­ro­pean Peop­le‘s Party (EPP) auf­merk­sam mach­te. Auch Ska Kel­ler at­ta­ckier­te Juncker, indem sie sagte, dass die EPP die For­de­run­gen rechts­ra­di­ka­ler Par­tei­en auf­neh­men wür­den. 

Über­set­zung: Ma­dame Tus­s­auds hat heute Abend eine Sta­tue ent­hüllt. Sie sieht fast so aus, als wäre sie am Leben.

Na­tür­lich kann man Juncker nicht dafür ver­ant­wort­lich ma­chen, dass er wie eine Wachs­fi­gur aus­sieht. Wäre es nicht viel­leicht bes­ser für die Um­fra­gen ge­we­sen, wäre er erst gar nicht ge­kom­men?

Über­set­zung: Der Juncker-Bus. Kel­ler kam mit dem Elek­tro­au­to. Wird Schulz mit dem Fahr­rad kom­men?

Ist er nicht schön, der Juncker-Bus? Auf dem Par­odie-Ka­nal zu Junckers Ehren, wird ge­schrie­ben: „Meine Haupt­zie­le für die #EU­de­ba­te2014: Jobs, Jobs, Jobs, Men­schen, Men­schen, Men­schen. Ich habe einen Bus.“ Au­ßer­dem: „ich freue mich auf die #EU­de­ba­te2014 heute Abend. Ich schät­ze da wer­den wie­der die üb­li­chen Go Juncker Ge­sän­ge kom­men und Teen­ager wer­den in Ohn­macht fal­len.“ Klar, Schulz ist nicht der ein­zi­ge Rock­star.

Aléxis Tsípras,  39, Greece, Coali­tion of the Rad­i­cal Left

... ist nicht ge­kom­men