Politik

Endesa: Kampf um den Goldesel

Artikel veröffentlicht am 28. Mai 2007
Artikel veröffentlicht am 28. Mai 2007
Die Energieunternehmen Enel und Acciona wollen ihren Konkurrenten Endesa übernehmen. Auch die deutsche E-On mischt mit – Anfang Juni soll die EU-Kommission Stellung beziehen.

Die Schlacht um das größte spanische Energieunternehmen Endesa könnte bald ein Ende finden. Seit eineinhalb Jahren streiten sich die Energieriesen aus Spanien, Italien und Deutschland unter den Blicken der Medien und der Industrie um den Löwenanteil an Endesa. Bis Ende Mai wird eine Stellungnahme der EU-Kommission zum Angebot erwartet, das die spanische Acciona und die italienische Enel gemeinsam vorgelegt haben. Es wird erwartet, dass sich die Kommission der Offerte nicht in den Weg stellt – so lange sie nicht die Energieversorgung der europäischen Verbraucher gefährdet sieht.

Goldesel Endesa

Die Industriebosse haben in letzter Zeit eine wahre Schachpartie veranstaltet. Sechs Monate nachdem Gas Natural, das wichtigste Gasunternehmen Spaniens, im September 2005 eine feindliche Übernahme der Endesa ankündigte, legte der deutsche Energieriese E.On ein Gegenangebot auf den Tisch. Manuel Pizarro, der Präsident der Endesa, war von Anfang an gegen die Übernahme durch Gas Natural und versuchte diese mit sämtlichen juristischen Mitteln zu verhindern. Gegen das Angebot von E.On wehrte er sich jedoch nicht.

Deshalb dachten viele, dass E.On eine Art „trojanisches Pferd“ der Endesa darstelle, um der feindlichen Übernahme durch Gas Natural zu widerstehen. Nach einem heftigen juristischen Schlagabtausch in Brüssel gab Gas Natural Anfang Februar dieses Jahres auf – kurz nachdem E.On sein Angebot verbessert hatte.

Die Angelegenheit schien zugunsten des deutschen Energieriesen entschieden, doch dann legte das italienisch-spanische Tandem Acciona/ Enel ein gemeinsames Angebot auf den Tisch und plötzlich schien E.On aus dem Spiel. Als einzige konnte die Endesa von diesem Übernahmepoker profitieren: Die Aktie des Unternehmens kletterte innerhalb eines Jahres von 19 auf 41 Euro – ein wahrer Goldesel. Inzwischen haben sich Acciona, Enel und E.On auf einen Kompromiss geeinigt, der zumindest theoretisch keine der drei Parteien benachteiligt.

Politische Manöver

Die Übernahme Endesas lief jedoch nicht ganz korrekt ab. Spanien wollte den Kompromiss von Anfang an verhindern, da es sich von der Übernahme durch Gas Natural die Entstehung eines spanischen Energieriesen erhoffte. Als E.On sein Angebot auf den Tisch legte, beschloss die spanische Regierung Änderungen im nationalen Gesetzestext, damit die spanische Energiekommission die Übernahme durch das deutsche Unternehmen verhindern konnte. Dieses Gesetz liegt heute in den Händen der Richter des Europäischen Gerichtshofes, da es eventuell dem Grundsatz der freien Bewegung des Kapitals widerspricht.

Trotzdem ist es nicht der Schutz des spanischen Verbrauchers, der die spanische Regierung interessiert – auch wenn sie das behauptet. In Wahrheit geht es um tiefer liegende wirtschaftliche Interessen.

Die Zukunft Endesas wurde auf höchster politischer Ebene entschieden – obwohl dies eigentlich nur den Aktionären zusteht. Angela Merkel und Romano Prodi, die Regierungschefs der Länder, von denen E.On und Enel abhängen, scheinen weder an den freien Wettbewerb zu glauben, der Europa zusammenhält, noch an die Autoregulation der Märkte, die der Ökonom Adam Smith predigte.

Am Tropf des Auslands

In der EU, die inzwischen 27 Mitglieder zählt, gibt es noch protektionistische Verhaltensweisen der Regierung. Nur einige Wochen nach einem Treffen zwischen Prodi und Cordonnier, starteten Acciona und Enel den dritten Übernahmeangriff auf Endesa, nur drei Tage bevor das Angebot von E.On in Kraft trat. Diese italienisch-spanische Verbrüderung hat einen konkreten Grund: Die geplante Fusion des spanischen Autobahnverwalters Abertis und seinem italienischen Pendant Autoestrade.

Doch profitieren die Verbraucher wirklich von solchen Übernahmen? Europa hängt von russischem Gas und arabischem Öl ab. Der alte Kontinent hängt in Energiefragen am Tropf des Auslands. Natürlich könnte die Schaffung nationaler Energieriesen die Verhandlungsposition Europas stärken. Doch die Schulden, die durch die Übernahme eines Unternehmens wie Endesa verursacht werden, könnte kurzfristig Investoren zurückhalten.