Politik

Electoral Rebellion zur Bundestagswahl: Kreuz für Spanien

Artikel veröffentlicht am 20. September 2013
Artikel veröffentlicht am 20. September 2013

Die Deutschspanierin Alicia Barreda ist das, was man eine Altruistin nennen könnte. Im Rahmen der Bundestagswahl ruft ihr Kollektiv Electoral Rebellion, dessen Sprecherin sie ist, dazu auf, seine deutsche Wählerstimme an Europäer abzugeben, damit auch sie ein Hühnchen mit rupfen können.

CaféBabel: Wie kann man seine Stimme bei Electoral Rebellion verschenken?

Alicia Barreda: Wer seine Stimme für die Bundestagswahlen 2013 verschenken möchte, kann eine Nachricht ‚Stimme zu verschenken‘ auf seiner Facebook-Wall posten. Somit kann ein Grieche, ein Spanier, die Nationalität ist eigentlich egal, diese Wählerstimme verwenden, um die Entscheidung in Deutschland zu beeinflussen. Anschließend wird sich per Private Message über die Stimmvergabe ausgetauscht. So einfach geht das.

CaféBabel: Warum kommt die Electoral Rebellion Aktion 2013? Ist diese deutsche Bundestagswahl wichtiger als andere?

Alicia Barreda: Weil wir in einer globalisierten Welt leben, wo Politik keine wirklcihen Grenzen mehr besitzt und viele Menschen sich heutzutage mit der deutschen Politik auseinandersetzen. Wir denken, dass diese Leute keine Stimme in Europa haben. Es handelt sich um einen Protestakt aus Solidarität gegen den allgemeinen Demokratieabbau.

CaféBabel: Wieviele Europäer könnten dank dieses Prinzips in Deutschland wählen?

Alicia Barreda: Das ist schwer zu sagen. Wir haben keine exakten Zahlen. Aber wir wissen, dass sich hauptsächlich Spanier für die Bundestagswahlen interessieren. Unsere Kampagne läuft häufig über soziale Netzwerke wie Facebook. Aber wenn eine betroffene Person dort kein Konto hat,  können wir auch per Mail kommunizieren.

CaféBabel: Aber habt ihr eine Idee von den grundsätzlichen politischen Überzeugungen der Beschenkten? 

Alicia Barreda: Da kann man nicht sicher sein, da sich die definitive Absprache über die Stimmabgabe in Privatnachrichten zwischen dem Schenker und Beschenkten abspielt. Auf der Facebook-Seite konnten wir aber beobachten, dass die Leute eher der SPD oder der Partei Die Linke zugeneigt sind. Trotzdem ist es schwierig zu sagen, dass die verschenkten Stimmen zu 100 Prozent an diese beiden Parteien gehen werden.

CaféBabel: Was ändert Electoral Rebellion also am Ausgang der deutschen Bundestagswahlen, wenn sowohl Deutsche als auch Europäer eher links wählen?

Alicia Barreda: Wir können nicht mit Sicherheit sagen, dass sich alle Wählerstimmen bei uns gegen Angela Merkel richten. Ein Sympathisant der SPD kann seine Stimme jemandem geben, der ebenfalls mit dieser Partei liebäugelt oder eben nicht. Das ist ein Frage des Vertrauens, der Solidarität. 

CaféBabel: Habt ihr euch konkrete Ziele gesteckt, um danach von einer erfolgreichen Aktion sprechen zu können?

Alicia Barreda: Bereits im Jahr 2010 gab es eine ähnlich Aktion in England, die über 1000 Likes auf Facebook erreichte. Wir haben diese Zahl bereits hinter uns gelassen. Für uns ist der Fakt, dass die Leute sprechen und sich über die Bundestagswahlen austauschen, schon ein Riesenerfolg. Das Wichtigste ist, dass wir eine Diskussion unter europäischen Bürgern anregen.

CaféBabel: Erhaltet ihr Unterstützung von politischen Parteien?

Alicia Barreda: Ich denke, die Politiker kennen die Meinung der Bürger ziemlich gut. Sie wissen, was in Spanien und Griechenland momentan passiert. Nichts Neues also, um sich direkt an die Herren und Damen Politiker zu wenden.